Wintersport
Aargauer will Schnee über Sommer aufbewahren – für Langlaufloipe im Herbst

Nicht nur Gletscher, auch Schneehaufen sollen jetzt im Sommer vor dem Schmelzen geschützt werden – damit Sportbegeisterte bereits im Herbst Langlauf betreiben können. Umweltschützer sind davon nicht begeistert.

Florian Bissig
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Der Aargauer Reto Brunner, der an der Stiftsschule Einsiedeln Sport unterrichtet, beschert der Schweiz das zweite Schnee-Farm-Projekt. Das Eidgenössische Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) hatte 2008 in einem Versuch gezeigt, dass das sogenannte Snow-Farming auch in der Schweiz praktikabel ist.

Nach Davos kommt nun Unteriberg SZ. Hier will der 41-jährige Brunner noch diesen Winter an einem schattigen Ort 10’000 Kubikmeter Schnee anhäufen. Dieser werde mit Sägemehl und einer Plane bedeckt und soll über den Sommer zu nicht mehr als 30 Prozent wegschmelzen, sagte er der "Luzerner Zeitung".

Dank der Schnee-Farm soll in der relativ tiefen Region bereits ab Oktober oder November Langlauf getrieben werden können. Der Kanton Schwyz lobte Brunners Bemühung bereits als Sport- und Jugendförderung und stellt eine Beteiligung mit Fördergeldern in Aussicht. Zusätzlich läuft die Suche nach Sponsoren.

Und die Umwelt?

Weniger enthusiastisch ist der WWF. Snow-Farming verbrauche Energie, sagt Philip Gehri vom WWF auf Anfrage. Wenn es nur für eine kleine Gruppe von Spitzensportlern verwendet werde, die sonst fürs Training nach Skandinavien oder Kanada fliegen müssten, könne die Energiebilanz trotzdem positiv ausfallen.

Wenn hingegen aufgrund des Snow-Farming grössere Gruppen von Leuten bereits im Herbst Wintersport betreiben würden, wäre es problematisch. «So wenig wie möglich, so viel wie nötig», fasst Gehri die Position des WWF zusammen.

Weitere sensible Punkte sind allfällige Eingriffe in die Landschaft, die durch eine zusätzliche Erschliessung von Naturräumen für den Wintersport entstehen können. Zudem: Snow-Farming muss mit Kunstschnee gemacht werden, weil dieser kompakter ist und deshalb weniger schnell schmilzt. Kunstschnee herzustellen ist nicht sehr umweltfreundlich: Das verbrauche meist viel Strom und Wasser, für dessen Gewinnung unter Umständen ins Ökosystem eingegriffen werde, sagt Gehri.