Tabelsilber
Aargauer Tafelsilber ist sieben Milliarden schwer

Das Tafelsilber des Kantons mit Energiebeteiligungen, AKB, Mobilien und Immobilien hat fast 7 Milliarden Franken Wert.

Mathias Küng
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Die Eingangspartie zum Hauptsitz der Kantonalbank in Aarau. ROJ

Die Eingangspartie zum Hauptsitz der Kantonalbank in Aarau. ROJ

Der Aargau wies in seiner Jahresrechnung 2011 Nettoschulden von 1,45 Milliarden Franken aus. Sie setzen sich aus 967 Millionen Franken aus der Spezialfinanzierung Sonderlasten, aus 315 Millionen Nettoschulden des Kantons und 173 Millionen Franken an Bauschulden für Regionalspitäler und Pflegeheime zusammen.

Angesichts dieser Schulden tritt meist in den Hintergrund, dass der Aargau – wenn man genau hinschaut – effektiv über ein beträchtliches Vermögen verfügt. Dieses hat indes einen Haken: Da es für die Erfüllung der öffentlichen Aufgaben wie Bildung und Gesundheit notwendig ist, lässt es sich kaum verflüssigen, trägt aber Jahr für Jahr im wahrsten Sinn des Wortes in einigen Bereichen Zinsen. Das «Tafelsilber» des Kantons besteht vorab aus dem 100-Prozent-Besitz an der Aargauischen Kantonalbank (AKB) und an der AEW Energie AG (AEW), an seinen Anteilen an der Axpo und am Kraftwerk Schwörstadt. Und er verfügt über grosse Sachwerte in Form von Immobilien, Mobilien, Strassen, Landwirtschaft – und Wald. Schliesslich profitiert er von Gewinnausschüttungen der Nationalbank, die zu einem Drittel dem Bund und zu zwei Dritteln den Kantonen gehört.

Dem Energiekanton Aargau gehört die AEW Energie AG (AEW). Weiter hält er 14 Prozent Anteil direkt an der Axpo und das AEW selbst auch 14 Prozent an der Axpo. Dies schätzte der Kanton 2008 in seiner Botschaft zur Eigentümerstrategie zusammen auf 4 Milliarden Franken. Heute ist es deutlich weniger. Zu beachten ist, dass Axpo und AEW nicht an der Börse kotiert sind, weshalb keine aktuelle Markteinschätzung dieser Unternehmen besteht. Die Kantonsregierung schätzte die ganze Axpo 2010 aufgrund des ausgewiesenen Eigenkapitals des Konzerns in der Antwort auf einen Vorstoss auf 7,5 Milliarden Franken. Aktuell sind es laut Peter Reimann, Leiter Abteilung Finanzen im Departement Finanzen und Ressourcen, 7,3 Milliarden. Rechnet man die beiden 14-Prozent-Anteile und das AEW zusammen, kommt man aktuell noch auf zusammen rund 2,77 Milliarden Franken. Im Umfeld der Energiewende haben die grossen Stromkonzerne ganz neue Herausforderungen im schweizerischen und europäischen Energiemarkt zu bewältigen. Ihre Aussichten sind nicht rosig. Beim Kanton wäre man denn auch zufrieden, so Reimann, «wenn der heutige Stand in etwa gehalten werden könnte».

Ein besonderes Schmuckstück ist die 23-Prozent-Beteiligung am Wasserkraftwerk Ryburg-Schwörstadt. Diese hat sich der Kanton 2010 für die Neukonzessionierung und den Heimfallverzicht des Schweizer Teils am Kraftwerk erhandelt. Ausgehend von einem Strompreis ab Werk von rund 8 Rappen, war die Beteiligung damals 250 Millionen Franken wert. Bei 9 Rappen wären es bereits 311 Millionen. Man wolle eine günstige Gelegenheit abwarten, sagte damals Baudirektor Peter C. Beyeler vor den Medien, und dann diese Anteile verkaufen. Der Erlös würde voraussichtlich in die Spezialfinanzierung Sonderlasten fliessen. Der günstige Moment ist allerdings noch nicht eingetreten. Die Strompreise sind seither nicht gestiegen, eher etwas gesunken.

Am zweitmeisten auf die Waage bringt der 100-prozentige Besitz des Kantons an der Aargauischen Kantonalbank AKB, die 2013 ihr 100-Jahr-Jubiläum feiert. 2008, vor der weltweiten Finanzkrise, schätzte die Regierung ihren Wert auf rund 2 Milliarden Franken. Ihr heutiges Eigenkapital beträgt rund 1,7 Milliarden Franken. Der Marktwert dürfte auch heute höher sein. Die AKB, die regelmässig sehr stattliche Gewinne abliefert, ist für den Kanton schlicht «ein sicherer Wert», wie es Peter Reimann formuliert. Dies auch, weil sie die verschärften Eigenmittelunterlegungsvorgaben von «Basel III» bereits weitgehend erfüllt.

Dank dem neuen Rechnungsmodell HRM 2 massiv höher bewertet, werden die Immobilien und Mobilien des Kantons. Statt mit 450 Millionen Franken wurden die Sachanlagen in einer ersten Schätzung im Jahre 2011 mit 2,1 Milliarden Franken veranschlagt. Genauer aufgeteilt entfallen 1,04 Milliarden auf Grundstücke inklusive Wald. Der Waldbesitz allein schlägt mit 70 Millionen Franken zu Buche. Auf 950 Millionen veranschlagt der Kanton die Gebäude. Mit der Aktualisierung der Werte nach den Beschlüssen des Parlaments im Jahre 2012 zu den Bewertungsgrundsätzen des Verwaltungsvermögens und genaueren Schätzmethoden erwartet Peter Reimann künftig allerdings «deutlich tiefere Werte». Die provisorischen neuen Zahlen sind ab August 2013 zu erwarten. Die definitiven Zahlen liegen dann mit dem Rechnungsabschluss 2013 vor.

Der Kanton verzichtet auf eine Bewertung der Strassen in der Bilanz. Die Strassen werden mit den dafür bestimmten Ausgaben und Einnahmen in der Spezialfinanzierung Strassenrechnung geführt. Die Strassen selber erwirtschaften schliesslich keinen Ertrag, sondern müssen laufend unterhalten werden. Deshalb spart sich der Aargau laut Reimann auch aus pragmatisch-technischen Gründen die Kosten für jeweils neue Wertbestimmungen und nachfolgende Abschreibungen. Man will den Arbeitsaufwand nicht unnötig hochtreiben.

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