Roth-Nachfolge

Aargauer SVP schickt Fraktionspräsident Gallati ins Rennen um Regierungssitz

Jean-Pierre Gallati wurde einstimmig nominiert.

Jean-Pierre Gallati wird von der SVP mit 156 zu 0 Stimmen nominiert – und verkündet am Parteitag schon sein Regierungsprogramm.

Üblicherweise begrüsst SVP-Präsident Thomas Burgherr an Parteitagen zuerst die Bundesparlamentarier. Am Donnerstagabend machte er eine Ausnahme und hiess zuerst Jean-Pierre Gallati, Fraktionschef der SVP im Grossen Rat, willkommen. «Schön, dass du gekommen bist», sagte Burgherr an Gallatis Adresse, was bei den Parteimitgliedern einige Heiterkeit auslöste. Schliesslich waren die knapp 160 SVP-ler nach Aarau in den «Schützen» gekommen, um den 53-jährigen Anwalt als Regierungsratskandidaten zu nominieren.

Präsident Burgherr spricht von einer Richtungswahl

Parteipräsident Burgherr wurde rasch wieder ernst und sagte, die SVP wolle Regierungsverantwortung übernehmen. «Es geht nicht nur um die Wahl eines Regierungsrates, es geht um eine Richtungswahl.» Bei einer Wahl von SP-Kandidatin Yvonne Feri wäre die Aargauer Regierung nicht mehr klar bürgerlich, warnte er. Die SVP stelle mit Gallati einen Macher, der strategisch denke, politische Abläufe kenne und sich in der Gesundheits- und Sozialpolitik auskenne «wie sonst niemand im Aargau».

Aargauer SVP schickt Fraktionspräsident Gallati ins Rennen um Regierungssitz

Jean-Pierre Gallati wird mit 156 zu 0 Stimmen nominiert.

Gallati habe klare Vorstellungen und werde «im Gegensatz zu den übrigen Bewerberinnen und Bewerbern jetzt schon aufzeigen, welche politische Ziele und Ideen er einbringen will», kündigte Burgherr an. Zudem sei der SVP-Kandidat unabhängig, nicht mit Institutionen oder Akteuren im Gesundheitswesen verbandelt und «kein Anpasser».

Kandidat Gallati sieht sich als kompromissbereit

Jean-Pierre Gallati relativierte diese Charakterisierung und sagte, er sei nicht so kompromisslos, wie er manchmal dargestellt werde. In seinem Beruf als Anwalt versuche er lieber in Verhandlungen eine Einigung zu finden, als zu prozessieren. Und auch in der Politik habe er mit Hilfe anderer Parteien zum Beispiel erreicht, dass der Lohn des Kantonalbank-Chefs bei 600'000 Franken gedeckelt worden sei. Gallati verwies darauf, dass er in mehreren Verwaltungsräten sitze – «und das sind auch Kollegialbehörden, wie der Gesamtregierungsrat». Er kündigte weiter an, in seinem Wahlkampf keine aktuellen und bisherigen Regierungsmitglieder zu kritisieren, sondern sich auf den Wettbewerb der Ideen unter den Kandidierenden zu konzentrieren.

Nach diesen konzilianten Tönen gab Gallati, der in den vergangenen Jahren politische Gegner und den Regierungsrat immer wieder scharf attackiert hatte, eine eigentliche Regierungserklärung ab. Dass er das Gesundheits- und Sozialdepartement übernehmen müsste, wenn er am «Super Sunday» am 20. Oktober gewählt würde, ist für Gallati klar. «In den letzten 42 Jahren erhielten immer die Neulinge in der Regierung dieses Departement», sagte er. Gallati trat vor seiner Partei und vor der Nomination wie ein Gesundheitsdirektor auf. Er präsentierte Ideen, wie eine Mengenbegrenzung bei Operationen, finanzielle Anreize für Spitäler, die wirtschaftliche Vorgaben erfüllen, Behandlungen bei Patienten zu Hause, oder eine Einheitskrankenkasse für Asylbewerber. Im Gesundheits-departement gelte es neues Führungspersonal zu rekrutieren, die Situation in der Verwaltung zu stabilisieren und die Mitarbeiter zu motivieren.

Regierungsrat Hürzeler freut sich auf Kollegen

Der ehemalige Regierungsrat Ernst Hasler beschrieb Gallati als richtige Person, um die
Gesundheitskosten in den Griff zu bekommen. Hans Dössegger, langjähriger SVP-Gesundheitsspezialist im Grossen Rat, lobte die analytischen Fähigkeiten des Kandidaten. Und der heutige Bildungsdirektor Alex Hürzeler sagte: «Neben mir ist in der Regierung ein Platz frei, ich freue mich, Jean-Pierre dort zu begrüssen».

Die eigentliche Nomination war dann Formsache: Mit 156 zu 0 Stimmen sprachen sich die SVP-Mitglieder für Gallati aus. Dieser bedankte sich für den Vertrauensbeweis der Basis und mahnte seine Parteikollegen sogleich mit einem Augenzwinkern: «Glauben Sie nicht alle Lobhudeleien, die Sie heute über mich gehört haben.»

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