Verein «Netzcourage»
Aargauer SVP-Grossrätin wehrt sich gegen Hasskommentare – Spiess-Hegglin unterstützt sie nicht

Nicole Müller-Boder (SVP Buttwil) kündigte nach ihrer Facebook-Sperre an, gegen Hasskommentar-Schreiber vorzugehen. Doch vom Verein «Netzcourage» von Jolanda Spiess-Hegglin erhält sie keine Unterstützung.

Manuel Bühlmann
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Der Verein von Jolanda Spiess-Hegglin (rechts) wird Nicole Müller-Boder nicht unterstützen.

Der Verein von Jolanda Spiess-Hegglin (rechts) wird Nicole Müller-Boder nicht unterstützen.

zvg/Keystone

Nach einer unfreiwilligen einmonatigen Facebook-Pause ging Nicole Müller-Boder selbst in die Offensive: «Ab sofort sperre ich rigoroser und bringe jeden Post, der mich beleidigt, beschimpft, mir droht und/oder meine privaten Fotos verwendet, zur Anzeige.» Ausserdem will sie die Arbeitgeber der Übeltäter informieren.

Unterstützung beim Vorgehen gegen die Hasskommentare erhoffte sich Müller-Boder vom Verein «Netzcourage». Mit Geschäftsführerin Jolanda Spiess-Hegglin traf sie sich zum Gespräch. Zur Zusammenarbeit zwischen den beiden Frauen kam es trotzdem nicht. Die SVP-Grossrätin vermutet ihre Parteizugehörigkeit als Grund. Ein Vorwurf, den die frühere Zuger Grünen-Kantonsrätin von sich weist. Die politische Einstellung der Betroffenen von Internethass spiele keine Rolle. «Wir helfen auch SVP-Politikerinnen.»

Doch der Aargauer Grossrätin sagte sie ab. Spiess-Hegglins Erklärung: «Wir helfen Menschen, die vom Hass erdrückt werden. Nicole Müller-Boder ist aber vor allem Täterin. Mit einem Teil ihrer Beiträge schürt sie den Hass. Ich will nicht den Brand löschen, während sie weiter Feuer legt.» Müller-Boder selbst sieht keinen Grund, etwas an ihren Äusserungen auf Facebook zu ändern: «Ich halte mich innerhalb des rechtlichen Rahmens auf und lasse mich auch in Zukunft nicht in der Freiheit einschränken, meine Meinung zu sagen.»

Uneinig sind sich die beiden Frauen auch in der Frage, wie mit den Tätern umgegangen werden soll. Während Müller-Boder eine Verurteilung anstrebt, setzt Spiess-Hegglin auf ein persönliches Gespräch. «In den meisten Fällen sehen die Täter ihr Fehlverhalten ein und hören auf», sagt die «Netzcourage»-Geschäftsführerin. Stimmen sie einer gemeinnützigen Spende oder einem Dienst an der Gesellschaft zu, zieht Spiess-Hegglin die Anzeige jeweils zurück.