Nach Pensionierung
Aargauer Städte setzen auf Rentner – und verlängern schon mal Arbeitsverträge

Spezialisten sind rar. Was also tun, wenn diese das Pensionsalter erreicht haben? Einige Aargauer Städte machen das Naheliegende.

Rebekka Balzarini
Merken
Drucken
Teilen
Einige Aargauer Städte verlängern Arbeitsverträge über das Pensionsalter hinaus. Der Grund: Spezialisten sind gefragt. (Themenbild)

Einige Aargauer Städte verlängern Arbeitsverträge über das Pensionsalter hinaus. Der Grund: Spezialisten sind gefragt. (Themenbild)

KEYSTONE

Mit 65 Jahren ist noch lange nicht Schluss. Nicht in Zofingen, wo Angestellte der Stadt in Zukunft nach Vereinbarung bis zu ihrem 70. Altersjahr arbeiten dürfen. Das teilte die Stadt letzte Woche mit. Auch nicht in Baden, Rheinfelden, Aarau und Wohlen. In all diesen Gemeinden im Aargau können Angestellte weiterbeschäftigt werden, die Dauer des Arbeitsverhältnisses variiert von Fall zu Fall.

In Baden wurde das Personalreglement im Jahr 2014 entsprechend angepasst, so der Stadtschreiber Heinz Kubli auf Anfrage der AZ. Die Erfahrungen seien positiv: «Der Know-How-Transfer ist so gewährleistet», so Kubli. Grundsätzlich sei eine Weiterbeschäftigung in allen Bereichen möglich. Momentan seien Angestellte, die das Rentenalter überschritten haben, in Stadtführungs- und Leitungsfunktionen sowie in Projektleitungsstellen beschäftigt.

Fachkräfte bleiben länger

Ein möglicher Grund dafür, dass Angestellte der Stadt Baden nicht schon mit 64 oder 65 in Pension gehen, ist der Mangel an Fachkräften. «Wir hatten schon Probleme, Stellen zu besetzen. Die Weiterbeschäftigung ist eine Möglichkeit, dem entgegenzuwirken», sagt Kubli. Nur auf die Weiterbeschäftigung von Angestellten verlässt sich die Stadt Baden aber nicht. «Wir prüfen auch andere Möglichkeiten, wie Pensenerhöhungen bestehender Mitarbeitender oder temporäre Überbrückungslösungen.» Jeder Fall werde situativ beurteilt.

Nicht nur die Gemeinden, auch der Kanton beschäftigt in Einzelfällen Arbeitnehmende, die das Rentenalter überschritten haben. Schon bevor 2001 die Personal- und Lohnverordnung in Kraft trat konnten Angestellte in einem befristeten Anstellungsverhältnis weiterbeschäftigt werden. Es handle sich um Ausnahmen, so Claudia Penta vom Finanzdepartement.

«In einzelnen Fällen werden Pensionierte aufgrund ihres Spezialwissens und ihren Erfahrungen weiter beschäftigt.» Besonders im IT- und Ingenieurbereich sei der Mangel an Fachkräften ein Thema. Aber auch der Kanton will sich im Kampf dagegen nicht nur auf die Weiterbeschäftigung von Angestellten verlassen: «Wir setzen auf gezielte Rekrutierung und Weiterentwicklung der eigenen Mitarbeitenden. Zudem wird die Nachfolgeplanung frühzeitig angegangen, um den Wissenstransfer zu sichern.

Gewerkschaft begrüsst Einzelfälle

Für den Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) ist es grundsätzlich unproblematisch, wenn Arbeitnehmende in Einzelfällen auch nach ihrer Pensionierung weiterarbeiten.

Silvia Dell’Aquila von der Sektion Aargau/Solothurn: «Gerade im öffentlichen Sektor gibt es Aufgaben, die es so in der Privatwirtschaft nicht gibt. Es ist sinnvoll, wenn die Spezialisten weiterhin beschäftigt werden.» Dass junge Arbeitnehmer deshalb keine Stelle fänden, sei ihr nicht bekannt. «Das Hauptproblem, auch im öffentlichen Sektor, ist eher, dass Arbeitnehmer über 55 ihre Stelle verlieren», so Dell’Aquila.

Nicht nur im öffentlichen, sondern auch im privaten Sektor bleiben Arbeitnehmer zum Teil im Berufsleben. Das sagt Peter Lüscher, Geschäftsleiter der aargauischen Industrie- und Handelskammer (aIHK). «Der Trend geht klar nach oben», so Lüscher.

Die Arbeitgeber habens realisiert

Er sieht zwei Gründe für diese Entwicklung; zum einen hätten Arbeitgeber realisiert, dass sich die Zusammensetzung der Bevölkerung verändert habe und weniger Fachkräfte nachkommen. Zum anderen seien ältere Arbeitnehmer fit und motiviert. Besonders lange bleiben Unternehmer im Beruf: «Sie bauen meistens stufenweise ab, um eine gelungene Geschäftsübergabe zu sichern».