Überstunden

Aargauer Staatsangestellte haben 4000 Wochen Ferien nicht bezogen

(Symbolbild)

Aargauer Staatsangestellte schuften und schuften, sodass keine Zeit für Ferien bleibt

(Symbolbild)

Aargauer Staatsangestellte haben im letzten Jahr 195960 Stunden mehr gearbeitet, als sie mussten. Das ist ein Gegenwert von 12,5 Millionen Franken. So kommt es, dass Susanne Hochulis Stimme für drei Monate verstummt.

Regierungsrätin Susanne Hochuli muss lange ohne ihre Stimme auskommen: Ihr Kommunikationschef und persönlicher Mitarbeiter Balz Bruder hat sich für eine dreimonatige Auszeit bis Ende Jahr abgemeldet.

Keine Kur, kein Geheimauftrag. Bruder baut einfach Überstunden und aufgelaufene Ferienguthaben ab.

Im Oktober 2013 verliess der damalige Generalsekretär Mark Burkhard das Departement Gesundheit und Soziales und trat seinen neuen Posten als Polizeikommandant im Baselbiet an, Ende Oktober verstarb der stellvertretende Generalsekretär Claude Bischof.

Hochulis Stab war gefordert, Bruder übernahm interimistisch die Führung des Generalsekretariats. Pascal Scholl, Leiter der Abteilung Personal und Organisation in der Kantonsverwaltung, erklärt, dass in solchen Situationen eine grosse Flexibilität, eine sehr grosse Einsatzbereitschaft sowie Wochenendarbeit notwendig wird. Nachdem die Positionen wieder besetzt werden konnten, seien nun Ferien- und Gleitzeitsaldo abzubauen.

Gleich drei Monate, das ist aussergewöhnlich. Aber: Bei Projekten oder in besonderen (Krisen-)Situationen sei der Kanton als Arbeitgeber darauf angewiesen, dass Mitarbeiter flexibel sind und auch Sondereinsätze leisten, so Scholl. Das Personal sei dazu auch bereit. So könnten hohe Feriensaldi entstehen.

Diese werden jeweils in der Staatsrechnung ausgewiesen: Der Gegenwert der noch nicht bezogenen Ferien und nicht kompensierten Überstunden der Staatsangestellten beläuft sich auf 12,5 Millionen Franken.

Das ist eine beachtliche Summe, die Staatsangestellten haben dafür im letzten Jahr 195 960 Stunden mehr gearbeitet, als sie mussten: Über 165 000 Stunden Ferien waren Ende Jahr noch nicht bezogen und über 30 000 Überstunden nicht kompensiert.

Abbauplan ab zehn Tagen

Solche Zahlen sieht kein Personalchef gern. In der kantonalen Verwaltung herrscht deshalb ein recht strenges Regime, damit die Ferien- und Überstundensaldi nicht ins Uferlose wachsen: Ohne Bewilligung der vorgesetzten Stelle können maximal zehn Tage Restferien ins Folgejahr übertragen werden.

Die Vorgesetzten haben dafür zu sorgen, dass die Ferienguthaben bis zu zehn Tagen aus dem Vorjahr jeweils bis Ende April des Folgejahrs bezogen werden.

Um mehr als zehn Ferientage ins Folgejahr zu übertragen, braucht es eine schriftliche Zustimmung der vorgesetzten Person sowie einen konkreten Abbauplan bis Ende Juni des Folgejahres. Dieser Abbauplan ist in Form einer schriftlichen Vereinbarung bis Ende November des jeweiligen Jahres zu erstellen.

«Nicht so dramatisch»

165 000 Sunden, das sind fast 4000 Ferienwochen. Die Zahlen würden auf den ersten Blick sehr hoch erscheinen, räumt der oberste Personalchef der Verwaltung ein.

Aber Pascal Scholl relativiert auch gleich: «Die Ferienguthaben entsprechen im Durchschnitt rund drei Tagen Ferienüberhang pro Mitarbeiter, das ist nun so dramatisch wieder nicht.»

Und die Überstunden ergeben über das ganze Staatspersonal gerechnet im Durchschnitt rund sechs Überstunden pro Mitarbeiter. Problematisch wäre die Höhe, wenn die Saldi jedes Jahr ansteigen würden. Hier habe der Kanton mit den Ferien- und Arbeitszeitregelungen ein klares Zeichen gesetzt.

Stellenabbau realistisch?

Tatsächlich ist es in den letzten Jahren gelungen, die Ferienguthaben sogar etwas abzubauen. 2011 stand der Kanton bei seinem Personal noch mit über 14 Millionen für nicht bezogene Ferien und Überstunden in der Kreide – wobei Überstunden nur in Ausnahmefällen ausbezahlt werden und das Kompensieren immer Priorität hat.

Eindrücklich bleiben auch die aktuellen Zahlen allemal, gerade auch im Hinblick auf die zweite Beratung des Sparpakets, für das die Bürgerlichen eine Reduktion des Personalaufwands um zwei Prozent fordern.

Das wären um die 90 Stellen weniger, während die letztes Jahr mit dem aktuellen Personalbestand durch Überstunden und den Verzicht auf Ferien erbrachte Leistung rund 95 zusätzlichen Vollpensen entsprochen hätte.

Meistgesehen

Artboard 1