Partei-Präsidium
Aargauer SP-Spitze tritt zurück: Wer folgt auf Wermuth und Burgener?

Nach vier Jahren an der Spitze der SP des Kantons Aargau treten Nationalrat Cédric Wermuth und Grossrätin Elisabeth Burgener zurück. Die Partei muss im Juni 2018 die Nachfolge regeln.

Mathias Küng
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Elisabeth Burgener und Cédric Wermuth am Tag ihrer Wahl.

Elisabeth Burgener und Cédric Wermuth am Tag ihrer Wahl.

Jiri Reiner

Nach vier Jahren ist Schluss. Nationalrat Cédric Wermuth und Grossrätin Elisabeth Burgener geben ihr Doppelpräsidium der SP Aargau auf den Parteitag im Juni 2018 hin ab. Man gehe in bestem Einvernehmen, betonen beide. Die Gründe seien in verschiedenen – privaten und beruflichen – Veränderungen zu finden. Wermuth ist jetzt in Bern Mitglied des Fraktionspräsidiums: «Da kommt man zeitlich ans Limit, wenn man seriös arbeiten will.» Man habe auch diskutiert, nochmals anzutreten. Burgener: «Ein, zwei Jahre hätten wir uns das gut vorstellen können, aber nicht vier Jahre. So gehen wir jetzt, damit sich die Nachfolgerin oder der Nachfolger bei den Wahlen 2019 von Anfang an einbringen kann.» Man sei weiter für die Partei da, betonen beide.

Fehlstart 2015, Erfolg 2017

Begonnen hat es damals für sie nicht gut. 2015 verlor die SP fast zwei Prozent Wähleranteil und einen der drei Nationalratssitze. Doch 2016 drehte sie bei den Grossratswahlen auf, gewann fünf Sitze und stellt dort jetzt wieder die zweitgrösste Fraktion. Eben gewann sie die Einwohnerratswahlen. Sie stellt jetzt am meisten Einwohnerräte, gefolgt von der SVP. Die Mitgliederzahl stieg in dieser Zeit von 2158 auf 2314.

2014 trauten viele bürgerliche Beobachter dem polarisierenden Wermuth das Amt nicht zu. Für viele war er zuvor als schweizerischer Jusopräsident buchstäblich zum roten Tuch geworden. Als ein Co-Präsidium mit ihm und Grossrätin Elisabeth Burgener gewählt wurde, fragten sich viele, ob Burgener Wermuth im Zaum halten soll.

Sie hätten damals viel über solche Einschätzungen gelacht, sagen beide unisono. Sie hätten sich bestens ergänzt und auf derselben Ebene zusammengearbeitet, sagt Burgener: «Ich hatte auch keinerlei Befürchtungen. Das Präsidium ist aber sehr anspruchsvoll. Wir konnten zu zweit die Aufgaben gut aufteilen, auch weil ich auf der kantonalen Ebene tätig bin, Cédric auf der nationalen.» Gegenüber Doppelpräsidien sei er eigentlich skeptisch, sagt Wermuth dazu: «Bei uns hat es aber inhaltlich und in der ‹Chemie› schlicht gestimmt.» Wäre aber eine längere Amtszeit nicht besser für die Partei? Grundsätzlich wirke dies stabilisierend, bestätigt Wermuth. Dies sei aber eher die Ausnahme.

Dass die SP im Aargau derzeit einen guten Lauf hat, führen Wermuth und Burgener auf viel Basisarbeit zurück, auf ihre Telefonaktionen, auf Demonstrationen gegen Sparpakete, «und darauf, dass wir klar und verständlich sagen, wofür wir stehen. Zudem hat uns die SP Schweiz geholfen, unsere Kampagnenarbeit zu professionalisieren.»

Dieter Egli, Co-Präsident der SP-Fraktion im Grossen Rat, bedauert die Abgänge: «Wir hätten uns gewünscht, dass sie länger bleiben. Den Zeitpunkt wählen sie aber geschickt. So ermöglichen sie der Nachfolge, der Partei bei den nächsten Wahlen den eigenen Stempel aufzudrücken.» Dazu, ob es wieder ein Doppel- oder ein Einerpräsidium geben soll, gebe es keine Präferenz.

Wer könnte das Erbe antreten?

Wer könnte nachfolgen? Idealerweise sollte der- oder diejenige im Grossen Rat sein, auch wenn Burgener, Wermuth und Egli betonen, natürlich wäre auch eine andere Lösung möglich. Doch im Grossen Rat ist man zum vornherein gut vernetzt. Wer käme da infrage? Mehrere SP-Grossräte sind schon älter, oder können sich als Stadt- bzw. Gemeindeammann weniger exponieren. Beobachter trauen das Amt etwa den Co-Fraktionschefs Dieter Egli und Kathrin Scholl (frühere Grossratspräsidentin) zu, aber auch Gabriela Suter (Mitglied Geschäftsleitung SP Aargau) oder Max Chopard, der aus der Zeit als Nationalrat Bundesbern-Erfahrung einbringen könnte.