Arbeitslosigkeit

Aargauer Sozialämter erwarten wegen der Coronakrise mehr Fälle

In Aargauer Sozialämtern werden Arbeitsabläufe präventiv angepasst. (Symbolbild)

In Aargauer Sozialämtern werden Arbeitsabläufe präventiv angepasst. (Symbolbild)

Eine massive Zunahme der Fälle ist noch nirgends eingetreten. Trotzdem wappnet man sich bei den Sozialen Diensten im Aargau für den erwarteten Zusatzaufwand wegen der Coronakrise.

Die Coronakrise hat Tausende Menschen arbeitslos gemacht – vorübergehend oder sogar dauerhaft. Die wirtschaftliche Not ist bei einigen gross. Deshalb hat der Regierungsrat in seiner Sonderverordnung letzte Woche auch geschrieben: «Aufgrund der bestehenden Pandemie ist es möglich, dass kom­munal oder regional organisierte Sozialdienste ihre Aufgaben nicht mehr bewältigen kön­nen. Aus diesem Grund schafft der Regierungsrat eine Rechtsgrundlage, damit der Kantonale Sozialdienst im Bedarfsfall die Zuständigkeit für die Hilfeleistung einem anderen Sozialdienst oder einer anderen geeigneten Stelle übertragen kann.»

Eine Anfrage bei verschiedenen Sozialämtern im Kanton zeigt: Eine massive Zunahme der Fälle ist noch nirgends eingetreten. Aus Aarau heisst es, die Gesuche bewegten sich noch im gleichen Umfang wie im Vorjahr (68 neue Fallaufnahmen in den ersten drei Monaten). «Seit ­Corona haben sich aber die ­Anfragen der Klientinnen und Klienten mit laufenden Fällen gehäuft, ebenso Anfra­gen von Selbstständigerwerbenden», heisst es von Seiten der Stadt. Der Leiter der Sozialen Dienste Brugg, Severin Dommann, sagt, seine Stelle habe bisher «nur einzelne Meldungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus erhalten». Auch Baden verneint eine Fallzunahme: «Die Krise wird – wenn – die Sozial­hilfe später erreichen», sagt die Leiterin der Sozialen Dienste Hildegard Hochstrasser.

Arbeitsabläufe wurden präventiv angepasst

Mittelfristig rechne man mit einem Anstieg der Fälle, sagt ­Caroline Wiederkehr, Leiterin Stabsdienste der Gemeinde Wohlen; derzeit habe man aber eher wenig Neuzugänge. Marcel Lang, der fürs Sozialwesen zuständige Gemeinderat in Spreitenbach, sagt: «Um für eine Zunahme gewappnet zu sein, wurden in den letzten Wochen die Arbeitsabläufe im Sozialamt so angepasst, dass mit den bestehenden Mitarbeitern eine grössere Anzahl neuer Klienten speditiv bewältigt werden kann. Sollte dies der Fall sein, wird die Frage von zusätzlichem Personal in einer zweiten Phase je nach Arbeitsaufwand sicherlich auftauchen und geprüft werden müssen.»

Die Sozialen Dienste in Bad Zurzach verfügen laut Gemeindeschreiber Daniel Baumgartner über einen internen Massnahmenplan für den Fall, dass die Sozialhilfeanträge stark zunehmen. Bisher ist das auch hier nicht der Fall, die Arbeit kann mit dem üblichen Personalbestand bewältigt werden. «Kurz nach dem Entscheid des Bundesrates vom 16. März 2020 erhielten wir einige neue Sozialhilfegesuche», sagt Baumgartner. «Die Verunsicherung bei einigen Detaillisten und Kleinunternehmern war spürbar gross. Mit der Bekanntgabe der Ausweitung der Kurzarbeitsbestimmungen sowie den weiteren Massnahmepaketen hat sich die Situation ein wenig beruhigt. Der Sozialdienst befindet sich jedoch nach wie vor in engem Austausch mit den betroffenen Personen.»

Auch Cécile Wisler, Leiterin Bereich Soziales in Zofingen, verzeichnet «zahlreiche Rückfragen»: «Die Coronasituation stellt die Menschen vor grosse Herausforderungen und verunsichert die Betroffenen.» Man stelle zwar eine leichte Fallzunahme fest, aber ob dies auf die Coronakrise zurückzuführen sei, könne noch nicht abschliessend beurteilt werden. Je nachdem wie stark die Fallzahlen später noch ansteigen, könne dies auch zu einer befristeten Stellenaufstockung führen.

«Sicher werden unsere Fälle die nächsten Monate über zunehmen», sagt Gabriela Reimann, Leiterin Soziales in Frick. «Ob wir mehr Angestellte für die Bewältigung benötigen, können wir noch nicht abschätzen. Wir vier werden wohl ein grösseres Pensum bewältigen müssen und halt arbeiten, arbeiten, arbeiten... In zwei Monaten wissen wir mehr.»

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