Schwarze Liste

Aargauer sollen wissen dürfen, ob nebenan ein Sexualstraftäter wohnt

Der Vater der getöteten Marie wünscht sich, dass seine Tochter das letzte Opfer dieser Art ist. Das will auch SVP-Grossrat Jean-Pierre Gallati und fordert eine schwarze Liste für verurteilte Sexualstraftäter.

Nach amerikanischem Vorbild sollen auch im Aargau verurteilte Sexualstraftäter mit Foto, Straftat und genauer Adresse im Internet abgerufen werden können. Das fordert SVP-Grossrat Jean-Pierre Gallati.

Im Fall Marie hätte das Umfeld so vielleicht das Opfer warnen können, mutmasst er. Denn auch Maries Mörder war ein verurteilter Mörder und Vergewaltiger.

Sexualstraftäter sollen öffentlich an den Pranger gestellt werden

Sexualstraftäter sollen öffentlich an den Pranger gestellt werden

Täterschutz sei zu gross

Mit dieser schwarzen Liste könnte jeder im Internet nachschlagen, ob in seiner Umgebung ein verurteilter Sexualstraftäter wohnt.

Wer will, kann sich per Mail auch darüber informieren lassen, wenn ein Triebtäter neu ins Quartier zieht.

Bedenken aus Datenschutzgründen hat Rechtsanwalt Jean-Pierre Gallati nicht. «Der Datenschutz pervertiert den Täterschutz.»

Dass eine Resozialisierung eines Täters durch eine schwarze Liste verunmöglicht wird, sei in Kauf zu nehmen.

Wichtiger als die Resozialisierung sei der Schutz von jungen Frauen und Kindern. Ausserdem sagt er: «Ich glaube nicht an die Resozialisierung von Sexualstraftätern.»

Straftaten mit vorbestraften Sexualstraftätern hätten sich in letzter Zeit gehäuft «Wir müssen darum das System ändern.»

In seiner Interpellation will der SVP-Grossrat vom Regierungsrat darum wissen, ob es möglich wäre die Porträts von frei gelassenen Sexualstraftätern zu veröffentlichen und falls nicht: Welche rechtlichen Bestimmungen dagegen sprechen, wisse er wirklich nicht, sagt Rechtsanwalt Gallati.

«Es verstecken sich in solchen Fragen alle hinter dem Amtsgeheimnis und dem Datenschutz.»

In den USA hat der Bundesstaat Maine seine Liste mit Treibtätern wieder vom Netz genommen, nachdem zwei registrierte Straftäter erschossen worden sind.

Dass die von ihm geforderte schwarze Liste auch zu Lynchjustiz führen könnte, nimmt Gallati in Kauf. «Im Extremfall lieber ein erschossener Sexualstraftäter, als eine junge Frau, die getötet wird.»

Susanne Nielen Gangwisch ist die Leiterin der Beratungsstelle Opferhilfe Aargau Solothurn. Sie glaubt nicht, dass eine schwarze Liste Opfer schützen würde. Sinnvoll fände sie aber spezifische Listen.

Zum Beispiel für verurteilte Sexualstraftäter, die als Trainer in Sportvereinen aktiv sind.

Diese Liste wäre aber nicht öffentlich, sondern nur für bestimmte Personen einsehbar. So könnte verhindert werden, dass ein Trainer nach einem Übergriff in einen anderen Kanton zieht und wieder straffällig wird, sagt Nielen.

Daniel H. Verteidiger ist gegen schwarze Liste

Im Aargau war es das Au-pair-Mädchen Lucie, das 2009 im Aargau vom vorbestraften Sexualstraftäter Daniel H. ermordet wurde.

Sein Verteidiger Matthias Fricker hält nichts von einer öffentlichen Liste, auf der Täter wie Daniel H. aufgelistet wären.

Diese Liste würde einem Täter die Integration in die Gesellschaft komplett verunmöglichen, sagt Fricker.

Werde ein Sexualstraftäter aber nach Verbüssung seiner Tat als ungefährlich eingestuft und freigelassen, müsse die Gesellschaft ihm auch die Möglichkeit der erneuten Integration in die Gesellschaft geben, sagt Fricker.

«Gibt man ihm diese Möglichkeit nicht, kann er ebenso gut im Gefängnis bleiben.» Wichtig sei, dass die bestehenden gesetzlichen Massnahmen gut umgesetzt werden.

«Wer gefährlich ist, darf gar nicht rausgelassen werden», so Fricker.

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