Bildung

Aargauer Schulleiter kritisieren, dass sie zu viel arbeiten müssen

Schulleiter arbeiten im Schnitt 17 Prozent mehr, als ihr Pensum vorsieht. Sie können diese Zeit in der Regel aber nicht kompensieren und sie wird auch nicht entlöhnt. (Symbolbild)

Schulleiter arbeiten im Schnitt 17 Prozent mehr, als ihr Pensum vorsieht. Sie können diese Zeit in der Regel aber nicht kompensieren und sie wird auch nicht entlöhnt. (Symbolbild)

Der Verband Aargauer Schulleiter kritisiert die Schlüsse, welche die Kantonsregierung aus der Arbeitsplatzanalyse zieht, als ungenügend.

Die Ergebnisse der Arbeitsplatzanalyse sind eindeutig und unbestritten: Die Ressourcen reichen nicht aus, um den Berufsauftrag in allen Teilen erfüllen zu können. Schulleiter arbeiten im Schnitt 17 Prozent mehr, als ihr Pensum vorsieht. Sie können diese Zeit in der Regel aber nicht kompensieren und sie wird auch nicht entlöhnt. Das bedeutet, dass ein im Vollpensum angestellte Schulleiter pro Jahr rund 340 unbezahlte Überstunden leistet.

Auf der 4-stufigen Skala «unzufrieden/eher zufrieden/zufrieden/sehr zufrieden» liegt der Schnitt der für die Untersuchung befragten 167 Schulleiter bei «eher zufrieden». «In Schulnoten ausgedrückt sind das zwei von vier Punkten. Und das bedeutet ungenügend», sagt Philipp Grolimund, Co-Präsident der Aargauer Schulleiter. «Es gibt zwar Schulleitungen, die zufrieden sind, viele aber sind unzufrieden mit der Situation.» Das komme im Bericht nicht klar genug zum Ausdruck.

Fragmentierte Arbeitstage

Eine zweite Erkenntnis der Analyse: Zahlreiche Schulverwaltungen haben zu kleine Pensen, sodass viele Verwaltungsarbeiten durch die Schulleitungen erbracht werden müssen und nicht delegiert werden können. Das bedeutet nicht nur Mehrarbeit, sondern hat auch Konsequenzen auf den Inhalt der Tätigkeit: Rund 40 Prozent der Schulleiter erledigen Tätigkeiten, die im offiziellen Berufsauftrag gar nicht vorgesehen sind, indem sie etwa gewöhnliche Sekretariatsarbeiten ausführen oder sich um Bauvorhaben kümmern müssen.

Zudem sind fragmentierte Arbeitstage die Regel, das bedeutet, dass der Schulleiter selten über längere Zeit an einer Sache arbeiten kann, er wird oft, manchmal im Minutentakt unterbrochen (siehe Box am Ende des Artikels). Dabei kämen zentrale Themen wie Qualitäts-, Unterrichts- oder Personalentwicklung zu kurz.

Die Arbeitsplatzanalyse der Schulleitungen im Aargau wurde ausgelöst durch ein Postulat von BDP-Grossrätin Maya Bally; vorgenommen hat sie das Institut für Bildungsmanagement und -ökonomie der pädagogischen Hochschule Zug. Grolimund erstaunen die Resultate der Analyse nicht. «Sie hat zutage gebracht, was die Schulleitungen schon lange wissen», sagt er: Ressourcen und Pensen von Schulleitungen und Schulverwaltungen reichen nicht aus.

Schulleiter zu sein, verliere zunehmend an Attraktivität. «Bereits heute ist es zunehmend schwierig, für die Schulleitungsfunktion fähige und qualifizierte Leute zu finden», sagt Grolimund. Erschwerend komme hinzu, dass ein Schulleiter kaum den Lohn eines Sek-1-Lehrers erreiche, rechne man die rund 340 unbezahlten Überstunden hinzu.

Verbesserungen erst ab 2022?

Klar ist, dass Handlungsbedarf besteht. Das kantonale Bildungsdepartement sieht drei Massnahmen: Die Schulleitungen werden eingeladen, Kurse zu Themen wie Selbstmanagement an der Fachhochschule zu besuchen. Die Schulleitungen vor Ort sind angehalten, sich rege mit der Schulpflege auszutauschen, und das Schulsekretariat soll eine Art Vorzimmer-Funktion übernehmen und dadurch die Schulleiter entlasten.

Schliesslich empfiehlt der Kanton, allenfalls die Pensen der Schulverwaltungen anzupassen. Eine Empfehlung, die den Kanton nichts kostet, da die Gemeinden für die Schulverwaltungen aufkommen müssen. Vorgesehen ist auch, dass wirkungsvolle und nachhaltige Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitssituation der Schulleitungen in Angriff genommen werden. Dies geschieht im Rahmen des Projektes «Optimierung der Führungsstrukturen», das aber frühestens 2018 gestartet wird.

Diese Schlüsse seien «völlig ungenügend» kritisiert Grolimund. «Wir sehen die Ergebnisse schöngeredet und beschönigend kommuniziert.» Es sei zwar sinnvoll, Weiterbildungen für Schulleitende anzubieten. Es reiche aber nicht, den Gemeinden zu empfehlen, angemessene Pensen bei den Schulsekretariaten einzurichten. «Der Kanton soll klare Angaben machen», fordert Grolimund.

Denn von sich aus werden die Gemeinden kaum handeln, befürchtet er. Und wenn der Kanton das Projekt «Optimierung der Führungsstrukturen» tatsächlich erst im Jahr 2018 in Angriff nehme, dann seien die neuen Schulpflegen, die man ja allenfalls abschaffen möchte, bereits wieder für vier Jahre im Amt. Also würde sich frühestens ab dem Jahre 2022 etwas ändern.

Es sei wenig motivierend, wenn man einem Schulleiter mitteilen müsse, die schwierige Situation sei erkannt, aber bis sich wirklich etwas ändere, müsse er sich noch fünf Jahre gedulden. Deshalb fordert Philipp Grolimund, dass die Regierung schon früher handelt, Pensen und Lohn anpasst und Schulleiter nicht bloss mit Kursen und Durchhalteparolen auf eine bessere Lösung in fünf Jahren vertröstet.

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