Gesundheit und Betreuung

Aargauer Schule nutzt deutsches Lehrmittel, obwohl es diese Ausbildung in Deutschland gar nicht gibt

Die Ausbildung gibt es in Deutschland gar nicht - und doch wird in der Schweiz mit deutschem Lehrmittel gelehrt. (Themenbild)

Die Ausbildung gibt es in Deutschland gar nicht - und doch wird in der Schweiz mit deutschem Lehrmittel gelehrt. (Themenbild)

CVP-Grossrätin und Pflegefachfrau Theres Lepori kritisiert eigenmächtigen Entscheid einer Berufsfachschule. Diese bezieht für die Berufsfelder Fachfrau/mann Gesundheit (FaGe) und Betreuung (FaBe) deutsche Lehrmittel, obwohl es diese Ausbildungsgänge in Deutschland gar nicht gibt.

Die Berufsfachschule Gesundheit und Soziales in Brugg bildet Lernende in den Berufsfeldern Fachfrau/mann Gesundheit (FaGe) und Betreuung (FaBe) aus. Auf das neue Schuljahr wechselt die Schule das obligatorische Lehrmittel, mit dem dann auch die ausbildenden Betriebe zu arbeiten haben.

Dieser von der Schule eigenmächtig vorgenommene Wechsel des verbindlichen Lehrmittels stört Grossrätin Theres Lepori (CVP). Denn das neue Lehrbuch stammt aus Deutschland. Und in Deutschland kenne man den Ausbildungsgang FaGe oder FaBe nicht. Folglich habe das Buch gar keinen direkten Bezug zur beruflichen Realität der Auszubildenden im Aargau. Und die Lehrbetriebe wie etwa das Kantonsspital Aarau seien nun gezwungen, sich bei der Ausbildung auf ein Lehrmittel zu beziehen, das nicht kohärent mit der Situation sei, welche die Lernenden hier antreffen. Das kritisiert Lepori, die als ausgebildete Pflegefachfrau und Präsidentin der höheren Fachschule Gesundheit/Soziales in Aarau das Metier gründlich kennt. Sie stellt fest, dass viele der betroffenen Betriebe in der Akut- wie auch der Langzeitpflege, die den Entscheid als Tatsache hinnehmen müssen, grosse Vorbehalte gegen das neue Lehrmittel haben. «Die Branche ist irritiert», sagt Lepori.

Zudem weist Lepori darauf hin, dass fast die ganze übrige Schweiz inklusive Westschweiz und Tessin das bisherige, auf die Schweiz zugeschnittene Lehrmittel aus einem Zürcher Verlag weiterhin berücksichtigen wird. Der von der Berufsfachschule in Brugg nicht abgesprochene Wechsel des Lehrmittels hat Theres Lepori veranlasst, eine Interpellation einzureichen, die nicht nur Fragen zum Lehrmittelwechsel stellt, sondern auch ganz allgemein Auskunft über die Kompetenzen der Rektoren an den kantonalen Schulen verlangt.

Wer kontrolliert die Rektoren?

So möchte Lepori vom Regierungsrat wissen, wer die Rektoren von kantonalen Schulen in ihrem Wirken kontrolliert und wem sie unterstellt sind, aber auch, wo die Kompetenzen geregelt sind. Weiter fragt sie, wer denn zuständig sei für die Auswahl der Lehrmittel an den kantonalen Schulen, wer die Aufträge vergibt und ob es eine übergeordnete Strategie gebe, welche den Rahmen betreffend Einkauf und Auftragsvergabe bei Lehrmitteln steckt.

Vom überraschend vorgenommenen Lehrmittelwechsel sind aktuell 19 Klassenzüge betroffen und Dutzende von Lehrbetrieben. «Existiert eine übergeordnete professionelle Informationsstrategie, die bei so einschneidenden Veränderungen zum Tragen kommen müsste?», will Lepori wissen; im aktuellen Fall seien die Betroffenen vom kurzfristigen Entscheid der Schule überrumpelt worden. Weiter erkundigt sich Lepori, wer die Zusatzaufwendungen trägt, die den Betrieben nun entstehen. Schliesslich möchte sie vom Regierungsrat wissen, was die Regierung grundsätzlich vom Entscheid der Berufsfachschule hält, zu einem deutschen Lehrbuch zu wechseln.

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