Killwangen

Aargauer Schüler wurde so lange gemobbt, bis die Eltern die Schulaufsicht einschalteten

Mobbing-Fall an der Schule Killwangen: Der betroffene Schüler soll auch getreten und geschlagen worden sein. (gestellte Szene).

Mobbing-Fall an der Schule Killwangen: Der betroffene Schüler soll auch getreten und geschlagen worden sein. (gestellte Szene).

Ein Primarschüler wurde über ein Jahr lang an der Schule Killwangen gemobbt. Als ein Gespräch mit dem Klassenlehrer und der Schulleitung nichts änderte, wandten sich die Eltern an die kantonale Schulaufsicht. Was sagt die Schulleitung zu diesem Fall?

An der Schule Killwangen ist es zu einem Fall von Mobbing gekommen. Primarschüler Felix* soll 2016 von seinen Klassenkameraden über ein Jahr lang gequält worden sein, insbesondere von einem Mitschüler, wie der Vater des Jungen gegenüber der «Limmatwelle» schildert.

Bei den Attacken soll es auch zu Schlägen und Tritten gekommen sein. Es seien mehrere Schüler tyrannisiert, andere zum Mobben angestiftet worden, sagt der Vater gegenüber dem «Badener Tagblatt».

Die Eltern von Felix suchten zuerst das Gespräch mit dem Klassenlehrer. «Er war ein guter Lehrer, aber beim Mobbing konnte er nichts erreichen, unter anderem, weil sich ein Teil der Vorfälle ausserhalb der Schule ereignete», sagt der Vater von Felix.

Als sich die Situation nicht besserte, wandten sich die Eltern Ende 2016 an die Schulleitung. Doch geschehen sei nichts. Deshalb zogen die Eltern im Juni 2017 die kantonale Schulaufsicht hinzu. Erst danach, im Herbst, sei der Mitschüler an eine andere Schule versetzt worden.

Doch für Felix habe sich nicht viel geändert, wie die «Limmatwelle» weiter schreibt. Der Junge wurde von Mitschülern weiter angegriffen. Der inzwischen neue Lehrer habe keine Sensibilität gegenüber der Situation und Felix aufbringen können, wie der Vater sagt. «Mein Sohn wurde aggressiv, hatte Albträume und Panik, weshalb wir ihn Ende Februar von der Schule nehmen mussten.»

Allerdings verstösst es gegen das Schulgesetz, ein Kind ohne Zeugnis nicht mehr in die Schule zu schicken. «Wir konnten aber so schnell kein Zeugnis von unserer Kinderärztin erhalten, da diese bei einem längeren Zeitraum erst die Meinung eines Facharztes einholen muss. Die dafür zuständigen Psychiatrischen Dienste Aargau haben aber eine Warteliste von mehreren Monaten», erzählt der Vater.

Ende März sei klar gewesen, dass die Fortsetzung des Unterrichts in einer anderen Schule organisiert ist. Trotzdem habe die Schule die Eltern angezeigt. Seit gut einem Monat besucht Felix eine neue Schule und gehe seither wieder gerne zum Unterricht, sagt der Vater.

Frage bleibt unbeantwortet

Offen bleibt, wieso im Fall Felix erst etwas passierte, als die kantonale Schulaufsicht hinzugezogen wurde. Die «Limmatwelle» schreibt: «Die Frage, ob die Schule Fehler gemacht habe, beantwortet Daniel Vontobel, Schulpflegepräsident Killwangen, nicht.»

Auf Anfrage des amtlichen Publikationsblatts schreibt Vontobel: «An unserer Schule wird kein Mobbing geduldet, und die Schulführung würde sofort reagieren.» Aus Schutzpflicht gegenüber den Beteiligten könne sich die Schulpflege nicht zu konkreten Fällen äussern. Auch für das «Badener Tagblatt» gibt es keine weitere Auskunft.

Schulleiter Urs Bolliger verweist in Sachen Kommunikation auf den Schulpflegepräsidenten. Dieser wiederum lässt ausrichten, dass man bereits alles, was man sagen dürfe und was es dazu zu sagen gebe, der «Limmatwelle» geschrieben habe.

Fakt ist: Die kantonale Schulaufsicht bestätigt, in den vergangenen Monaten zu mehreren Themen Kontakt zur Schule Killwangen gehabt zu haben.

Eine Mutter, die selber mehrere Kinder an der Schule hat und mit zahlreichen Eltern gut vernetzt ist, sagt gegenüber dem «Badener Tagblatt»: «Das Thema Mobbing scheint inzwischen gelöst zu sein, zumindest sind keine Vorfälle mehr bekannt geworden in den letzten Monaten.» Auch habe sich die Kommunikation der Schule gegenüber den Eltern merklich verbessert.

10 Schulwechsel in 10 Jahren

Die beiden Jungen sind nicht die einzigen Kinder, welche die Schule gewechselt haben. In den vergangenen zehn Jahren haben in Killwangen insgesamt zehn Schulkinder unfreiwillig oder auf Wunsch die Schule gewechselt.

Solche Schulwechsel würden für alle Beteiligten eine Entspannung bedeuten und unter Umständen eine Sonderschulung verhindern, sagt Vontobel gegenüber der «Limmatwelle». Die Schule helfe in solchen Fällen im Rahmen ihrer Möglichkeiten bei der Suche nach einem geeigneten Schulort und der Abwicklung des Wechsels.

Diese Zahlen seien nicht ausserordentlich und widerspiegelten die Situation in anderen Gemeinden, sagt Markus Schmid (CVP), der als neuer Gemeinderat seit Anfang Jahr das Ressort Schule und Kindergarten leitet.

Unstimmigkeiten geklärt

Auch die Schulevaluation, die der Kanton jeweils durchführt, zeigt, dass in Killwangen im letzten Jahr nicht alles rundlief. So habe sich beim Qualitätsmanagement eine kleine Schwäche gezeigt, wie Vontobel sagt. Man sei sich dieser bewusst und habe sich auf strategischer wie auch auf operativer Ebene und teilweise mithilfe der Schulaufsicht des Themas angenommen.

Noch im vergangenen Sommer herrschten zwischen Schulpflege, dem Schulleiter und einem Teil des Gemeinderates Unstimmigkeiten. Die Behörden waren sich nicht einig über die Ausübung der Führungsfunktion des Schulleiters und die strategische Tätigkeit der Schulpflege.

Etwa zur gleichen Zeit, wie sich die kantonale Schulaufsicht eingeschaltet hatte, sind zwei Mitglieder der Schulpflege, darunter die Vizepräsidentin, zurückgetreten. «Seit der Neukonstitution der Schulpflege und dem Ressortwechsel im Gemeinderat funktioniert die Zusammenarbeit bestens», sagt Gemeinderat Markus Schmid gegenüber der «Limmatwelle».

*Name von der Redaktion geändert.

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