SVP-Nationalrat Thomas Burgherr ist Unternehmer und Besitzer einer Holzbaufirma. Fachkräftemangel kennt er aus eigener Erfahrung. «Es ist für uns enorm schwierig geworden, gut ausgebildete Fachleute zu finden, die auch eine Technikerschule oder Fachhochschule absolviert haben», stellt er fest.

Warum das so ist, glaubt Burgherr zu wissen: «Es gibt viel zu wenig Jugendliche, die sich für eine Berufslehre mit anschliessender Zusatzausbildung entscheiden», sagt er.

Der Trend gehe in eine andere Richtung. Beliebt seien vor allem soziale und akademische Berufe. Die klassische Berufslehre rücke immer mehr in den Hintergrund, was Burgherr bedauert. «Die vernachlässigte Förderung der nichtakademischen Berufe könnte sich fatal für den Werkplatz Aargau auswirken», fürchtet Burgherr.

Spielerisches Entdecken

Weil also Handlungsbedarf besteht, hat sich Burgherr bereit erklärt, das Präsidium des neuen Vereins «tunAargau» zu übernehmen. Der Name ist Programm und Abkürzung zugleich, steht doch «tun» für «Technik und Natur». Der Verein, der bereits in einigen Kantonen aktiv ist, versucht mit einem neuen Ansatz, den Fachkräftemangel an der Wurzel zu packen: Kinder und Jugendliche von 6 bis 13 Jahren werden in ein Forscherlabor und eine Erlebniswerkstatt eingeladen.

Schulklassen können hier nach Lust und Laune ausprobieren, tüfteln und staunen. Sie löten einen Elektromotor, stellen Strom her, kreieren ein eigenes Parfüm, programmieren eine App, bauen einen kleinen Roboter, arbeiten mit dem 3-D-Drucker; die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt. «Es geht darum, dass die Kinder spielerisch entdecken, wie unglaublich spannend Technik und Naturwissenschaften sein können», sagt Burgherr.

Die Erlebnisschau funktioniert bereits in mehreren Kantonen erfolgreich; aktuell gastierte die «tunBern» an der BEA vom 28. April bis zum 5. Mai. 170 Schulklassen aus dem Kanton Bern besuchten das Forscherlabor und auch Bundesrat Johann Schneider-Ammann war zu Gast bei den forschenden Kindern und war beeindruckt.

Und was in Bern, Basel und Solothurn bestens funktioniert, soll nun auch im Aargau Einzug halten. Die «tun-Aargau» findet vom 30. Oktober bis 5. November im Knecht Reisezentrum in Windisch statt.

Der Trägerverein «tunAargau» ist eine private Initiative von Wirtschaft und Gewerbe und wird von der Fachhochschule Nordwestschweiz unterstützt. Mit von der Partie ist auch die aargauische Industrie- und Handelskammer. Mit weiteren Partnern werden Gespräche geführt. Gesucht werden nun noch Gönner und Sponsoren, die sich finanziell beteiligen.

Gesucht sind aber auch Firmen, die im Forschungslabor die Kinder experimentieren lassen. Für die erste Austragung der «tunAargau» wünscht sich Burgherr etwa 150 teilnehmende Schulklassen. Der Eintritt zur Erlebnisschau ist frei, die Kinder werden professionell angeleitet; Lehrpersonen erhalten Unterlagen.

Vorbereitung für Berufsschau

Unternehmen, die an der Erlebnisschau mitmachen möchten, können dies gratis tun. Dabei geht es aber nicht darum, dass sich die Unternehmen darstellen, sondern sie leiten die Kinder zum Experimentieren an in einem Umfeld und mit Technologien, zu denen die Kinder im Normalfall keinen Zugang haben. Der Verein «tunAargau» baut dabei auf KMU, die mitmachen, aber auch auf Staatsbetriebe wie Post, Swisscom oder Bahn. Dass die Unternehmen dabei auch Werbung in eigener Sache oder für ihre Produkte machen, sei nicht erwünscht, sagt Thomas Burgherr. Ziel für die erste Ausgabe der Erlebnisschau ist es, rund 30 interaktive Projekte aus den Bereichen Technik und Naturwissenschaften für die 6- bis 13-jährigen Kinder zu inszenieren.

Will die «tunAargau» nun etwa die aargauische Berufsschau konkurrenzieren? «Nein, im Gegenteil», sagt Thomas Burgherr. Die «tunAargau» sei für Schülerinnen und Schüler gedacht, die sich noch nicht mit der Berufswahl auseinandersetzen, und solle neugierig machen. «Die Erlebnisschau ist vielmehr auch eine Vorbereitung auf die Berufsschau, wo dann das Interesse konkretisiert werden kann, wenn es um die Berufswahl geht.»

Weitere Infos «tunAargau» vom 30. Oktober bis 5. November für Firmen, Sponsoren und Lehrpersonen: www.tunaargau.ch