Per Ende Juli

Aargauer Regierungsrätin Franziska Roth tritt zurück – mit diesen Worten

Regierungsrätin Franziska Roth tritt zurück. (Archivbild)

Regierungsrätin Franziska Roth tritt zurück. (Archivbild)

Am Dienstag fehlte Regierungsrätin Franziska Roth noch krankheitshalber im Grossen Rat – heute gibt die 55-Jährige ihren Rücktritt vom Amt bekannt. Roth war bereits Ende April aus der SVP ausgetreten, Grund dafür war massive Kritik aus der eigenen Partei. Seither übte sie ihr Amt als Parteilose aus.

In ihrem Communiqué richtet sich die abtretende Vorsteherin des Departementes für Gesundheit und Soziales (DGS) an die Aargauerinnen und Aargauer, die sie am 27. November 2016 gewählt haben:   

«Am 27. November 2016 habe ich mich darüber gefreut, dass ich in den Regierungsrat gewählt wurde. Zuversichtlich übernahm ich im Januar 2017 die neue Verantwortung.

Seither habe ich mich nach bestem Wissen und Gewissen für Kanton und Bevölkerung engagiert. Ich danke allen Menschen, welche mich tatkräftig und loyal unterstützt haben.

Wenn ich Ihnen heute meinen Rücktritt per Ende Juli 2019 bekannt gebe, so gibt es einen einzigen Grund, warum mir dies schwer fällt: Ich will das in mich gesetzte Vertrauen nicht enttäuschen. Dieses in mich und in meine Haltung, meine Grundwerte, gesetzte Vertrauen war mir Motivation und Verpflichtung zugleich. Es gab mir Kraft, auch die dunklen, enttäuschenden Momente meiner kurzen Zeit als Regierungsrätin und Departementsvorsteherin zu überstehen.

Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Offenheit, Kollegialität und Unterstützung sind Werte, welche meinem Handeln als Mensch, aber auch als Regierungsrätin und Departementsvorsteherin, zugrunde liegen.

Die Umstände meiner bisherigen Amtszeit haben mich erkennen lassen, dass ich im ganzen System nicht so tätig werden kann, wie ich es mir ursprünglich vorgestellt habe. Ich sehe mich daher beim besten Willen nicht mehr in der Lage, den in mich gesetzten Erwartungen meiner Wählerschaft entsprechen zu können.

Ich bitte Sie daher um Verständnis, wenn das in mich gesetzte Vertrauen nun gebietet, den Aargauerinnen und Aargauern durch meinen Rücktritt zu ermöglichen, eine neue Person ihres Vertrauens zu finden.» 

Verständnis, Dank und Bedauern: die Stellungnahme von Landammann Urs Hofmann zum Rücktritt von Regierungsrätin Franziska Roth:

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Kein Kommentar

Franziska Roth war am Mittwoch für die Medien nicht erreichbar. Stellvertretend erklärt die Sprecherin des DGS, dass die abtretende Regierungsrätin keine weiteren Kommentare zu ihrem Rücktritt geben werde. 

Kritik von der SVP, Parteiaustritt Ende April

In ihrer eigenen Partei war die 55-Jährige so sehr umstritten, dass sie Ende April als Konsequenz aus der SVP austrat, um ihr Amt als Parteilose weiter auszuüben. Einen Wechsel in eine andere Partei schloss sie aus, weil die SVP ihre politische Heimat bilde.

Die SVP habe sie mit diversen diffusen Vorwürfen eingedeckt und sie quasi zum Rücktritt gezwungen, sagte Roth damals. Konkret: Die Führung der SVP Aargau forderte ihren Rücktritt

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Anlässlich der Medienkonferenz in Aarau erklärte Roth die Gründe ihres Austritts, kritisierte die Parteileitung, räumte aber auch Fehler in ihrer Kommunikation ein.

Überraschende Wahl, fehlende Erfahrung

Die frühere Brugger Bezirksrichterin Roth ist seit Anfang 2017 im Amt. Sie hatte sich im zweiten Wahlgang der Aargauer Regierungsratswahlen vom November 2016 überraschend und deutlich gegen Nationalrätin Yvonne Feri (SP) und Grossrätin Maya Bally (BDP) durchgesetzt. Für Franziska Roth war es das erste politische Amt, mit Ausnahme von drei Jahren im Brugger Einwohnerrat.

Mit der Wahl von Roth war die SVP erstmals mit zwei Sitzen in der fünf Mitglieder zählenden Aargauer Regierung vertreten. Roth eroberte nicht nur den Sitz von Susanne Hochuli (Grünen), sondern auch deren Departement Gesundheit und Soziales. (edi)

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