Autobahn

Aargauer Regierung wird ungeduldig – der Bundesrat soll die A1 endlich ausbauen

Die A1 soll zwischen Aarau Ost und Birrfeld ausgebaut werden, und zwar auf 6 Spuren.

Die A1 soll zwischen Aarau Ost und Birrfeld ausgebaut werden, und zwar auf 6 Spuren.

Der Bundesrat soll den 6-Spur-Ausbau planen, verlangt der Kanton. Auf die Umnutzung des Pannenstreifens soll verzichtet werden. Dafür sei eine Vorfinanzierung zu prüfen.

Der Aargau fordert, der Bund sagt «Nein» und die Autokolonnen schieben sich weiterhin täglich über die A1. Staus, stockender Verkehr: das übliche Programm. Der Autobahn-Abschnitt zwischen Aarau Ost und Birrfeld soll deshalb auf sechs Spuren ausgebaut und Engpässe beseitigt werden. Seit Jahren verlangt der Kanton Aargau, der Bund solle vorwärtsmachen. Doch der lässt sich nicht hetzen. Der Aargau steht nicht zuoberst auf der Prioritätenliste. Erst im Jahr 2040 soll alles umgesetzt sein. Das ist für dem Kanton zehn Jahre zu spät. Deshalb fordert die Aargauer Regierung in ihrer Stellungnahme zum Sachplan Verkehr den Bund auf, die Planungsarbeiten «unverzüglich aufzunehmen».

Dabei soll von Anfang an auf den 6-Spur-Ausbau gesetzt werden. Auf die Idee, Pannenstreifen auf diesem Autobahnabschnitt umzunutzen, sei zu verzichten: «Das ist in der Umsetzung praktisch gleich aufwendig wie der 6-Spur-Ausbau, bringt aber wenig, weil es keine durchgehende Lösung ist», sagt Carlo Degelo, Leiter Sektion Verkehrsplanung beim Kanton. Deshalb möchte der Kanton, dass der Bund die Kräfte bündelt und sie von Anfang an nur in zusätzliche Spuren steckt.

Zum ersten Mal spricht die Regierung auch von einer Vorfinanzierung durch den Kanton. Sie möchte wissen, welche Möglichkeiten diesbezüglich bestehen. «Wir erhoffen uns, dass das Projekt durch eine Vorfinanzierung vorangetrieben werden kann», sagt Degelo. «Sollte der Bund kurzfristig einen finanziellen Engpass haben und das Geld für den Ausbau deshalb nicht früher sprechen können, müssten wir mit dem Bund eine Vorfinanzierung zulasten des Kantons Aargau prüfen», sagt Degelo. Die Modalitäten zwischen dem Kanton und dem Bund wären in einem weiteren Schritt zu klären.

Der 6-Spur-Ausbau ist das «Baby» von FDP-Nationalrat und TCS-Aargau-Präsident Thierry Burkart. Er hat Ende 2014 in einer Standesinitiative praktisch die gleichen Forderungen nach Bern getragen, wie es die Regierung jetzt tut. Das Bundesparlament hat seine Initiative letztes Jahr abgelehnt. «Ich habe mich natürlich sehr gefreut, als ich die Stellungnahme des Kantons gelesen habe», sagt Burkart. Diese zeige, dass auch die Regierung erkannt habe, dass der Kanton Aargau «einen der grössten Engpässe in der Schweiz» habe und nicht bis 2040 warten könne: «Dann werde ich pensioniert», verdeutlicht Burkart. Eine Vorfinanzierung durch den Kanton hat er selber bereits vorgeschlagen: «An sich sind Vorfinanzierungen eine Unsitte, aber wenn ein Kanton ein Projekt vorantreiben und frühzeitig realisieren will, kommt er nicht darum herum.»

Road Pricing statt neue Strassen

Gar keine Freude haben die Gegner des 6-Spur-Ausbaus an der Stellungnahme: «Die Regierung setzt völlig falsche Prioritäten», sagt SP-Grossrat und VCS-Aargau-Präsident Jürg Caflisch. Er habe den Eindruck, dass beim Kanton Strassenbauer statt Raumplaner den Ton angeben. Er wünscht sich, der Aargau würde in Bezug auf den zunehmenden Verkehr auf der Strasse stabilisierende Massnahmen entwickeln, anstatt einen weiteren Ausbau zu fordern. «Damit meine ich zusätzliche Massnahmen im Bereich Verkehrsmanagement und allenfalls ein Pilotprojekt zu Road Pricing», sagt Caflisch. Auch eine «noch bessere» Förderung des öffentlichen Verkehrs gehöre dazu.

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