Am 18. Mai gelangt die 2012 eingereichte Volksinitiative «Ja für Mundart im Kindergarten» zur Abstimmung. Der Grosse Rat empfiehlt sie ohne Gegenvorschlag mit 92:34 zur Ablehnung.

Die Regierung kommt den Initianten entgegen, indem Kindergärtnerinnen ab 1. August bis zu drei Drittel in Mundart unterrichten sollen (bisher nur bis zur Hälfte). Das Volk entscheidet jetzt, ob das genügt oder ob es nur Mundart will.

1 Was verlangt die Initiative und warum?

Sie will, dass im Kindergarten grundsätzlich Mundart als Unterrichtssprache gilt. Die Initianten argumentieren, die Kinder sollen im Kindergarten vor allem das soziale Verhalten erleben und stärken können. Das sei am besten möglich mit der Ausdrucksweise der Muttersprache – der Mundart. Eine zusätzliche Sprache – Hochdeutsch – nähre den Boden für sprachliche Verunsicherung.

2 Warum gilt nebst Mundart auch Hochdeutsch im Kindergarten?

Im Kindergarten sollen die Voraussetzungen für das schulische Lernen geschaffen werden. Dazu gehört auch die Sprachförderung für deutsch-, aber auch für anderssprachig aufwachsende Kinder. Eine moderate Vermittlung von Hochdeutsch soll den Übergang zur Primarschule erleichtern, wo grundsätzlich in Hochdeutsch unterrichtet wird. Die Kinder kennen Hochdeutsch schon aus Medien wie TV, Märchen-DVDs usw. Ob sie im Kindergarten selbst teilweise Hochdeutsch sprechen wollen, ist freiwillig. Sie können einfach Mundart reden. Die Sprach-Vorgabe gilt nur für die Kindergärtnerin.

3 Wie handhaben es Aargauer Kindergärten genau?

Seite 2008/09 gilt im Aargau: Mindestens zur Hälfte soll im Kindergarten Hochdeutsch gesprochen werden. Dies aufgrund eines Versuchs in 30 Kindergarten-Abteilungen. Die Kinder hätten mit Offenheit und Neugierde darauf reagiert, schreibt die Regierung: «Durch spielerisches Ausprobieren und Vergleiche von Unterschieden zwischen Mundart und Standardsprache erhöhten sie generell ihr Sprachbewusstsein.» Die Regierung kommt den Initianten aber entgegen, indem die Kindergärtnerinnen ab 1. August 2014 nur noch während mindestens einem Drittel der Unterrichtszeit Hochdeutsch und bis zwei Drittel Mundart sprechen sollen.

4 Was ist, wenn die Kindergärtnerin selbst nur hochdeutsch spricht?

In solchen Fällen entscheidet die Schulführung vor Ort, ob allenfalls Massnahmen zur Verbesserung der Mundartkompetenzen erforderlich sind. Da seit diesem Schuljahr überall Heilpädagogik angeboten wird, werden teilweise zwei Lehrpersonen anwesend sein, von denen eine Mundart spricht.

5 Was tun andere Kantone?

Von 21 deutsch- oder mehrsprachigen Kantonen haben 9 (darunter der Aargau) eine verbindliche Regelung zu Hochdeutsch und Mundart. In 8 Kantonen gilt primär Mundart, es wird aber auch der Zugang zu Hochdeutsch gefördert. In Zürich gilt seit einer Volksabstimmung 2011 generell Mundart. Luzern kennt seit einer Abstimmung 2013 die gleichwertige Förderung von Mundart und Hochdeutsch. In Basel-Stadt gelten ebenfalls seit einer Abstimmung 2011 gleichwertige Lernziele.