Antwort auf Interpellation
Aargauer Regierung übt massive Kritik an den «Mobilen Ärzten»

Die Kritik stütze sich auf Umfragen bei Ärztinnen und Ärzten. Auch Rettungsdienste äusserten sich mehrheitlich «primär negativ».

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Der Kanton Aargau übertrug der Baselbieter Privatfirma die Aufgabe für die Anordnung von fürsorgerischem Freiheitsentzug. (Archivbild)

Der Kanton Aargau übertrug der Baselbieter Privatfirma die Aufgabe für die Anordnung von fürsorgerischem Freiheitsentzug. (Archivbild)

Screenshot TeleM1

Der Einsatz der Mobilen Ärzte anstelle der früheren Amtsärzte führt zu Problemen. Dies hat der Regierungsrat in der Antwort auf einen parlamentarischen Vorstoss eingeräumt. Ärzte, Institutionen, Polizei und Behörden sind mit der Arbeit des privaten Leistungs­erbringers nicht zufrieden. Das System der Amtsärzte wurde im Aargau vor vier Jahren abgeschafft, da es immer schwieriger geworden war, Hausärzte zu finden, die diese Aufgaben im Milizsystem übernahmen.

Von den heutigen Leistungserbringern ist der wichtigste Player das private Unternehmen Mobile Ärzte AG mit Sitz in Allschwil BL. Der Kanton Aargau übertrug der Baselbieter Privatfirma die Aufgabe für die Anordnung von fürsorgerischem Freiheitsentzug – in der Regel eine zwangsweise Einweisung in die Psychiatrie – sowie Prüfungen der Haftfähigkeit vor Haftantritt wie auch Prüfungen der Einvernahmefähigkeit.

Schlechte Sprachkenntnis, fehlende Empathie

In der Praxis gibt es jedoch viele Probleme, wie aus der Regierungsantwort zu einer EVP-Interpellation hervorgeht. Die Sprachkenntnisse der Ärzte seien schlecht, es bestehe eine mangelnde Empathie den Angehörigen und Patienten gegenüber und es würden hohe Rechnungen gestellt. In der Psychiatrie sei die Kompetenz mangelnd, hält der Regierungsrat fest. Das führe zu Beschwerden von Patienten, auch vor dem Verwaltungsgericht, und Kritik von Medizinalpersonen der Psychiatrischen Dienste Aargau. Auch formale Aspekte wie falsch oder unleserlich ausgefüllte Formulare oder fehlende Unterschriften führten immer wieder zu einem grösseren administrativen Aufwand.

Oft nicht innerhalb der vorgegebenen Zeit vor Ort

Die Regierung stützt sich bei dieser Kritik auf Umfragen bei Ärztinnen und Ärzten. Auch die Rettungsdienste äusserten sich in einer Umfrage mehrheitlich «primär negativ». Die Mobilen Ärzte stammten oftmals aus dem Ausland, hätten geringe Kenntnisse des schweizerischen Gesundheitswesens, insbesondere hinsichtlich regulatorischer Vorgaben, heisst es. Wegen langer Wartezeiten ergäben sich bei der Prüfung der Hafterstehungsfähigkeit vor Haftantritt oder bei der Prüfung der Einvernahmefähigkeit Probleme. Die Mobile Ärzte AG sei oft nicht innerhalb der vorgegebenen 60 Minuten ab Aufgebot vor Ort.

Die Regierung will nun in einer Anpassung des Leistungsvertrags das Controlling verstärken.