Das Reinigungspersonal der Kantonsschulen richtet in einem offenen Brief klare Worte an die Adresse des Regierungsrats: «Wir sind enttäuscht.» Die 38 Mitarbeiterinnen stören sich an den Plänen des Bildungsdepartements, die Kantonsschulhäuser in Aarau, Wettingen und Wohlen sowie in der kantonalen Schule für Berufsbildung Aarau künftig nicht mehr von den eigenen Angestellten, sondern von privaten Reinigungsfirmen putzen zu lassen.

Sie befürchten, die Auslagerung könnte die Arbeitsbedingungen verschlechtern und einigen von ihnen gar den Job kosten. «Viele von uns Angestellten in der Gebäudereinigung sind zudem Frauen über 50, die in kleineren und mittleren Pensen seit Jahren eine gute Arbeit leisten», heisst es im offenen Brief weiter.

Unterstützung erhält das Reinigungspersonal von der Gewerkschaft VPOD. Die Aargauer Regionalleiterin Silvia Dell’Aquila sagt: «Die Betroffenen sind enttäuscht darüber, dass der Kanton sie loswerden will. Sie sehen nicht ein, warum dieser Schritt nötig sein soll.»

Dell’Aquila bezweifelt den Nutzen der geplanten Auslagerung: «Die Erfahrung zeigt, dass Outsourcing unter dem Strich oft teurer kommt. Die Gebäude müssen trotzdem gereinigt werden und die Unternehmen wollen mit dem Auftrag auch Geld verdienen.» Firmen, die in der Vergangenheit das Reinigungspersonal ausgelagert hätten, seien teilweise zurückgekehrt zum alten System, weil es doch billiger und effizienter komme.

Ausserdem kritisiert Gewerkschafterin Silvia Dell’Aquila die Kommunikation des kantonalen Bildungsdepartements. Die Betroffenen wüssten nicht, wann ihre Stelle ausgelagert werde und was sich für sie dadurch konkret ändert.

Dell’Aquilas Befürchtung: Die Arbeitsbedingungen in Bezug auf Lohn, Ferien, Lohnfortzahlung bei Krankheit oder Pensionskasse könnten sich spürbar verschlechtern. Für die Gewerkschafterin steht deshalb fest: «Der Kanton muss handeln.» Die Unterzeichnerinnen des offenen Briefs hoffen, dass die Auslagerung gestoppt, überdacht und angepasst wird.

Kanton erwartet Einsparungen

«Unser Kerngeschäft ist Bildung, nicht Reinigung», begründet Michael Umbricht, Generalsekretär des Departements Bildung, Kultur und Sport, die Auslagerung. Die erwarteten Einsparungen seien nicht ausschlaggebend.

Wie gross der Betrag ist, der sich einsparen lässt, kann Umbricht nicht genau beziffern. Zu Entlassungen werde die Auslagerung nicht führen, kündigt der Generalsekretär an: «Die Unternehmen verpflichten sich, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein vergleichbares Angebot zu machen.»

Ausserdem gelte für eine Übergangsfrist von ein bis drei Jahren Besitzstandswahrung, beispielsweise in Bezug auf den Lohn. Geht es nach den Plänen des Bildungsdepartements, ist die Auslagerung bis Ende Jahr umgesetzt. Der definitive Entscheid der Regierung sei aber noch nicht gefallen, sagt Umbricht.