Der Bericht des Regierungsrats umfasst eine Bestandesaufnahme der Fremdsprachensituation an der aargauischen Volksschule. Er zeigt, dass die von der Bundesverfassung und der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektion (EDK) verlangte Harmonisierung im Kanton Aargau teilweise noch nicht erfüllt ist.

Handlungsbedarf im 5. Primarschuljahr und an der Oberstufe

Gemäss EDK-Sprachenstrategie von 2004 lernen die Primarschülerinnen und -schüler eine erste Fremdsprache ab der 3. Klasse und eine zweite ab der 5. Klasse. Im Aargau wird heute zwar ab der 3. Klasse Englisch unterrichtet, der Französischunterricht jedoch erst ab der 6. Primarschulklasse mit vier Wochenlektionen aufgenommen.

An der Realschule, dem Leistungszug der Sekundarstufe I mit den tiefsten Anforderungen, sind Französisch und Englisch Wahlfächer. Das bedeutet, dass Schülerinnen und Schüler dieses Leistungszugs die Oberstufe gänzlich ohne Fremdsprachenunterricht durchlaufen können.

Somit erreichen sie die im Sprachengesetz des Bundes (SpG Art. 15, Abs. 3) gesetzten Ziele am Ende der Volkschule kaum. 

Mögliche Anpassungen ab dem Schuljahr 2020/21

Trotz Handlungsbedarf erachtet der Regierungsrat den aktuellen Zeitpunkt für Änderungen am Fremdsprachenunterricht aufgrund verschiedener noch unklarer Entwicklungen in den einzelnen Kantonen und auf Bundesebene als ungünstig.

Eine Harmonisierung der Ziele der Bildungsstufen gemäss Bundesverfassung soll deshalb mit der Einführung des neuen Aargauer Lehrplans ab dem Schuljahr 2020/21 erfolgen.

Die Vorverschiebung der Französischlektionen an der Primarschule und die Einführung einer Fremdsprachenpflicht an der Realschule kann so im Rahmen der neuen Stundentafel vorgenommen werden.

Bis zu diesem Zeitpunkt wird sich auch zeigen, ob der Bund bezüglich der Volksschulbildung und des Sprachenunterrichts in die Bildungshoheit der Kantone eingreifen wird.

Keine Änderung der Fremdsprachenfolge

Im Bericht nimmt der Regierungsrat auch Stellung zur Frage, ob Englisch weiterhin die erste Fremdsprache sein soll oder ob sich ein Wechsel der Sprachenreihenfolge aufdrängt.

Aus Sicht des Regierungsrats ist dies nicht der Fall. Mit Englisch als erster Fremdsprache ist der Kanton Aargau kongruent mit dem Kanton Zürich sowie der gesamten Ost- und Zentralschweiz.

Eine Änderung hätte zudem markante Auswirkungen im Schulsystem. Die heute verwendeten Lehrmittel für Englisch und Französisch müssten ersetzt werden und der Bedarf an Fachlehrpersonen für die beiden Fächer würde sich stark verändern. Eine Verschiebung des Französischunterrichts an die 3. Primarschulklasse würde zudem erhebliche Einführungskosten verursachen.

Bericht im Auftrag des Grossen Rats

In der Beratung zum Aufgaben- und Finanzplan 2016-2019 hatte der Grosse Rat im November 2015 Entlastungsmassnahmen im Bereich der Aargauer Volkschule beschlossen. Im Rahmen der Debatte wurde auch eine Verschiebung des Beginns des Englischunterrichts von der 3. in die 4. Klasse beziehungsweise in die 5. Klasse der Primarschule vorgeschlagen.

Beide Vorschläge wurden vom Grossen Rat abgelehnt. Das Parlament beauftragte jedoch den Regierungsrat, die Fremdsprachensituation an der Volksschule zu überprüfen und dem Grossen Rat im Herbst 2016 darüber Bericht zu erstatten.