Der Prozess gegen drei Aargauer Polizisten entdete am 29. April vor dem Strafgericht Bremgarten mit zwei Schuldsprüchen und einem Freispruch.

Zwei der Männer gehören der Spezialeinheit Argus an. Die drei Männer waren Teil eines Polizeieinsatztes, bei dem 2009 eine Wohnung in Wohlen gestürmt wurde. Dabei schoss ein Polizist dem 30-jährigen Mieter in den Bauch. Ein zweiter hatte daraufhin noch einen Taser abgefeuert. Der Angeschossene wurde schwer verletzt. Er starb Jahre später, laut Obduktionsbericht allerdings nicht an den Folgen dieses Einsatzes. Der dritte Angeklagte war der Pikettoffizier jenes verhängnisvollen Abends.

Der Angeschossene war während der Erstürmung der Wohnung stark alkoholisiert mit einem Messer auf die Polizisten zugegangen. Die Polizisten auf den Plan gerufen hatte die besorgte Ehefrau des Mannes.

Bereits nach dem Urteilsspruch am Strafgericht Bremgarten hatte die Anwälte der Verurteilten (der Argus-Polizist und der Pikettoffizier) erklärt, die Urteile – eines wegen schwerer Körperverletzung – ans Obergericht weiterzuziehen. Der Verband der Kantonspolizisten (VKP) begrüsst dies, wie er in einer offiziellen Mitteilung vom Mittwoch schreibt.

Das Urteil von Bremgarten wurde vom Verband der Kantonspolizisten nämlich mit «Unverständnis» aufgenommen, wie der Verband im Communiqué festhält. Der Grund: «Sollten diese Urteile durch die oberen Instanzen bestätigt und die Schuldsprüche damit in Rechtskraft erwachsen, wird die Arbeit der Polizistinnen und Polizisten inskünftig erschwert werden.»

Der Polizeiverband erklärt deshalb er sei «bestürzt und verunsichert über die Urteile des Strafgerichts Bremgarten.

Bereits der Anwalt des Argus-Polizisten, Markus Leimbacher, hatte ähnlich argumentiert. Der Mann, dessentwegen der Einsatz erfolgt sei, sei ausser Rand und Band gewesen. Zum Zeitpunkt der Schussabgabe sei er in Bewegung gewesen – einen halben bis einen Meter vom Polizisten entfernt. Er habe das Messer mit einer etwa zehn Zentimeter langen Klinge auf diesen gerichtet. Der Anwalt fragt: «Wie soll da der Polizist in einer Zehntelsekunde Nahkampf versuchen?» Und er gab zu bedenken: Man könne mit einem Messer auch durch eine Schutzweste stechen.

«Wir müssen den abräumen, wir können da nicht Gugus machen»: Ausschnitte aus dem Polizeifunk.

«Wir müssen den abräumen, wir können da nicht Gugus machen»: Ausschnitte aus dem Polzeifunk.

An einer nicht repräsentativen Umfrage der az Aargauer Zeitung hatten sich in den vergangenen Tagen rund 1500 Personen beteiligt. Die Frage: Finden Sie die Urteile gegen die Aargauer Polizisten richtig?

Knapp über 90 Prozent von ihnen empfinden die Urteile als ungerecht. Das Top-Argument der Kritiker: Ein Messer sei gefährlicher einzustufen als eine Schusswaffe, womit die Notwehrsituation für die Polizisten gegeben war.

Das Top-Argument der Befürworter der Urteile: Die Polizisten seien im Nahkampf ausgebildet und waren in der Überzahl.

Fall Wohlen: Drei Polizisten angeklagt

Fall Wohlen: Drei Polizisten angeklagt

2009 schoss ein Polizist der Sondereinheit Argus auf einen Mann, der ihn mit dem Messer bedroht hatte. Nun haben er und zwei weitere Polizisten eine Klage am Hals.