Der Präsident der Grünen Aargau, Jonas Fricker, dachte sich zuerst: «Oh nein, jetzt also doch.» Er glaube aber, dass die Schweiz und der Aargau bereits auf jenem Weg seien, den es brauche, um künftig solchen Stellenstreichungen entgegenzuwirken: «Auf Bundesebene sind Massnahmen geplant, etwa in den Berufsschulen oder der Wissenschaft», sagt Neo-Nationalrat Fricker. Im konkreten Fall hofft er auf einen guten Sozialplan. Und grundsätzlich, dass sich der Aargau seiner Verantwortung als Industriekanton bewusst ist: «Wir haben Trümpfe wie den offenen Arbeitsmarkt, Innovationskraft, Steuererleichterungen.» In der Koordination sei noch Potenzial vorhanden, doch die Wirtschaftsförderung funktioniere in der Regel gut. «Nichtsdestotrotz tut ein solcher Einschnitt aber weh.»

FDP-Kantonalpräsident Matthias Jauslin zeigt sich von den News aus Baden nicht überrascht: «Wer zuletzt mit Kadermitarbeitern geredet hat, hat mitbekommen, dass es früher oder später zu Restrukturierungen kommen wird.» Dazu gehöre auch – das müsse man dem Konzern zugutehalten – dass das Servicegeschäft im Aargau verbleibe respektive teils neu hier angesiedelt werde. Für den Industriekanton Aargau sei der Einschnitt «hart», die Betroffenen täten ihm leid. Aber im globalen Markt sei es nun mal so, dass man mit solchen Massnahmen rechnen müsse.

Jauslin: «Wir sind nicht ganz unschuldig: Da die erneuerbaren Energien stark subventioniert werden und die Energiepreise absacken, muss man sich nicht wundern, wenn ein Unternehmen, das im herkömmlichen Grosskraftwerkbau tätig ist, zu kämpfen hat. Letztlich sei das eine normale Marktbereinigung, die man akzeptieren müsse.

SVP-Kantonalpräsident Thomas Burgherr, mit eigenem Holzbau- und Holzhandelbetrieb selbst als Unternehmer tätig, sagt: «Dieser Abbau löst bei mir Betroffenheit aus. Er ist ein harter Schlag für die Mitarbeitenden, für die Firma, für die Standortgemeinden und den Kanton.» Er habe zwar erwartet, dass es eine Bereinigung geben werde. «Dennoch bin ich überrascht über die hohe Anzahl der betroffenen Stellen und hoffe, dass sie nicht in diesem Ausmass gestrichen werden.»

Der Abbau zeige «einmal mehr, dass wir der Wirtschaft beste Rahmenbedingungen bieten müssen.» Der Kanton Aargau mache das zwar heute schon gut, wenn er aber bedeutender Industriekanton bleiben wolle, müsse man jetzt «vorwärts machen». «Für mich hiesse das: Schnellere Bewilligungsverfahren, die Bereitschaft für flexible Lösungen sowie tiefe Unternehmenssteuern.» Helfen würde, wenn der die Regierung zuerst beim Staat abbauen würde. Erwartungen hat Burgherr auch an die Gewerkschaften, die weniger ideologische Forderungen stellen sollten. «Ich erwarte von den Gewerkschaften, dass sie wieder bereit und flexibel sind, zusammen mit Arbeitgebern nach machbaren Lösungen zu suchen.»

Markus Zemp, Präsident der CVP Aargau, sagt: «Eine grosse Überraschung ist das nicht. Die Energiebranche steckt in einer gewaltigen Krise, da sind wir noch lange nicht am Ende.» Man müsse aber bedenken, dass die Deindustrialisierung im Kanton Aargau bis jetzt noch nicht stattgefunden habe. «Wir haben in den letzten Jahren viele hochqualifizierte Arbeitsplätze in der Pharma- und Exportindustrie erhalten», erinnert Zemp. Jetzt bekämen die grossen Unternehmen leider den starken Franken mit Verzögerung zu spüren – und bei internationalen Firmen wirke der Standortwettbewerb «natürlich über die Landesgrenzen hinaus».

«Der Kanton kann hier für möglichst gute Rahmenbedingungen sorgen. Mehr kann er nicht machen.» Immerhin würden im Aargau derzeit unter dem Strich noch Arbeitsplätze geschaffen.

Alstom-Abbau: So reagieren Mitarbeiter, Politiker und Gewerkschafter

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Für Mathias Regotz, Leiter Sektor Industrie bei der Gewerkschaft Syna, ist der Stellenabbau «ein Tiefschlag für die Schweizer Industrie». Eineinhalb Jahre lang sei man bei den Übernahmeverhandlungen zwischen GE und Alstom dabei gewesen. Man habe zwar nie geglaubt, dass die Schweiz – und insbesondere der Aargau – schadlos davonkommen würden. «Aber dass es jetzt doch so viele Stellen sind, darüber sind wir schon enttäuscht und entsetzt.»

Vorerst hoffe man auf das Konsultationsverfahren. Darüber hinaus überlege sich die Syna auch, mit Aktionen im Aargau Solidarität zu demonstrieren. Der Zeitpunkt dafür sei aber noch nicht festgesetzt. Regotz: «Jetzt wollen wir erst einmal unsere Arbeitnehmervertreter unterstützen.» Die Schweizer Politik habe eigentlich nichts getan, kritisiert er: «Johann Schneider-Ammann war scheinbar zu gutgläubig.» Etwa mit Standortförderungsmassnahmen hätten der Bund oder der Kanton Aargau präventiv wirken können. «Für uns ist enttäuschend, dass man es nicht einmal richtig versucht hat.»