Pläne lesen, Platten zuschneiden, Platten legen: Vier Tage lang kämpfte Renato Meier an der Berufs-Weltmeisterschaft «Worldskills» in Russland gegen 24 Konkurrentinnen und Konkurrenten, die in ihrem Land die Besten in ihrem Beruf sind.

Es waren vier nervenaufreibende Tage, nicht immer lief alles nach Plan, wie Meier einen Tag nach der Auszeichnung am Telefon erzählt: «Am ersten Tag war ich sehr nervös. Wir haben um neun Uhr morgens die Pläne bekommen und angefangen, Platten zuzuschneiden.

Renato Meier an den World Skills

Renato Meier an den World Skills

 

Dann gab es in den Plänen aber Ungenauigkeiten bei den Massen, weshalb wir diese den Experten zurückgeben mussten.» Die jungen Berufsleute mussten mit ihrer Aufgabe viereinhalb Stunden später wieder von vorne beginnen.

Das Projekt: eine Dusche, bei der zwei Wände belegt und zwei Tritte gebaut werden mussten. Weiter sollte ein Mosaik die Dusche komplettieren. Für jedes Modul wurden täglich Punkte vergeben. Die Arbeit musste innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens erledigt sein.

Eltern und Arbeitskollegen reisten extra nach Russland

Gleichzeitig wurden die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer gefilmt und vom Publikum – darunter Meiers Eltern und Arbeitskollegen – bei der Arbeit beobachtet. Trotz der Ausnahmesituation konnte der junge Plattenleger seine Konzentration behalten: «Ich habe das Publikum nicht wirklich wahrgenommen. Ich kam jeden Tag ans Limit, vor allem zeitlich.» An einem Tag hatte er nur zwei Minuten Zeit übrig, am anderen waren es fünf.

Renato Meier sagt, er habe damit gerechnet, dass er unter den besten fünf Kandidaten sein werde: «Man kann das in etwa einschätzen, wenn man die anderen Arbeiten anschaut. Viele wurden zeitlich nicht fertig, andere hatten gröbere Fehler in ihren Arbeiten.»

Word Skills Goldmedaille in Plattenlegen: Sieger-Interview Renato Meier

Word Skills Goldmedaille in Plattenlegen: Sieger-Interview Renato Meier

Er ist der beste Plattenleger der Welt. An den World Skills Berufsweltmeisterschaften in Kazan, Russland, gewann der Seenger Renato Meier die Goldmedaille. Eine Riesenerfahrung für den Aargauer Handwerker. 

Trotzdem sei es für ihn eine grosse Überraschung gewesen, dass ausgerechnet er der Beste ist: «Bei der Preisverleihung wurden jeweils die Nationen nach vorne gerufen, die sicher eine Medaille gewonnen hatten. Schon da war die Erleichterung gross. Als ich dann meinen Namen hörte, war ich extrem froh, dass ich es geschafft habe.» Der ganze Druck sei auf einmal von ihm abgefallen. «Das hat sich gelohnt.»

Weiterbildung statt Ferienplanung

Der 22-Jährige hatte sein Können bereits letztes Jahr bei den «SwissSkills» bewiesen. Mit grossem Vorsprung gewann er in seiner Berufskategorie die Schweizer Goldmedaille. Insgesamt haben 41 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Schweiz an der Berufsweltmeisterschaft in Kazan teilgenommen.

Das Schweizer Team gewann fünf Gold- und fünf Silbermedaillen. Mit Sandro Sägesser holte ein weiterer Aargauer eine Medaille: Der 21-Jährige aus Balzenwil gewann in der Kategorie der Carrosseriespengler eine der sechs Schweizer Bronzemedaillen.

Die Mannschaft ist früher angereist als die Angehörigen. Die Stimmung unter den Wettkämpfern sei sehr gut gewesen, sagt Meier: «Das ist wirklich wichtig. Auch, weil man sich austauschen kann. Es läuft nicht allen Teilnehmern jeden Tag gut.» Nach der grossen Preisverleihung hätten sie in Russland bereits ein wenig gefeiert: «Gestern Abend gingen wir in den Ausgang. In der Schweiz wird es gleich im Anschluss an die Landung eine Willkommensfeier geben.»

Das Schweizer Team fliegt heute zurück in die Schweiz. Ob es im Geschäft eine Weltmeisterprämie gibt? «Das haben die Chefs nicht gesagt. Sie haben aber gesagt, ich müsse am Abend nach der Arbeit das Auto nicht mehr selber ausladen», sagt Renato Meier und lacht herzlich. Der Seenger arbeitet bei der Weber Ofenbau AG in Erlinsbach.

Ferien habe er noch keine geplant. Der gelernte Ofenbauer will aber weiter an seinen Fähigkeiten arbeiten: «Ich habe eine Weiterbildung als Ofenbaufachmann angefangen.» Die ersten drei Schultage hat er jetzt zwar verpasst, aber er hatte einen gutem Grund.