Er hatte Bongo eine rote Schleife um den Hals gebunden, als er den Welpen zum ersten Mal seiner Mutter zeigte. «Ich habe mich sehr darüber gefreut», sagt die Angeklagte Maria (alle Namen geändert) vor dem Bezirksgericht Bremgarten. «Ich hatte schon immer den Wunsch, einen Hund zu kaufen», sagt die 48-Jährige schulterzuckend.

Sie sei in ihrem Heimatland mit Hunden aufgewachsen, ihr Vater war Jäger. Ihr Sohn Ivan hatte sie damit überrascht, als seine Eltern 2018 von den Sommerferien zurückgekehrt waren. Dass sie wegen dieses Geschenks bis vor Gericht ziehen müsste, damit hatte sie zu diesem Zeitpunkt nicht gerechnet.

Hundelisten kantonal geregelt

Das Problem: Bongo ist ein American Bully. Eine Rasse, die im Aargau als Hund mit erhöhtem Gefährdungspotenzial, gilt. «Ich hatte nie geplant, einen Listenhund zu kaufen», sagt Ivan, der als Zeuge vor Gericht aussagt. Er selber ist nicht im Kanton Aargau wohnhaft und hatte den Welpen im Kanton St. Gallen aus dem Wurf eines Freundes übernommen: «Dort sind American Bullys nicht auf der Liste», sagt Ivan. Tatsächlich ist das Hundegesetz in der Schweiz kantonal geregelt. Während einige Kantone gar keine Listen kennen, sind in gewissen Kantonen bestimmte Rassen ganz verboten, einige brauchen eine Bewilligung. So sind im Aargau neun Hunderassen sowie deren Mischlinge bewilligungspflichtig.

Als der Vater von Ivan den Hund zum ersten Mal sah, machte er seine Frau sofort darauf aufmerksam, dass Bongo ein Listenhund ist. Maria, die in Wohlen lebt, stellte beim Aargauer Veterinärdienst den Antrag für eine Halteberechtigung und wartete. «Während dieser Zeit war der Hund immer bei mir», sagt Ivan aus. Maria hätte ihn zu sich genommen, sobald die Papiere da gewesen wären. «Ich hatte mich auch für eine Hundeschule angemeldet», sagt Maria. Doch der Veterinärdienst lehnt den Antrag ab. Unter anderem mit der Begründung, Maria hätte in der Schweiz noch nie einen Hund gehalten.

Während der Zeit, in der Maria den Antrag gestellt hatte, kam die Polizei vier Mal bei ihr und ihrem Mann vorbei. Sie wollten schauen, ob Bongo bei ihnen lebt. «Sie haben die ganze Wohnung durchsucht», sagt ihr Sohn Ivan. Er selber wurde damals von der Polizei aufgeboten und befragt. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Als Maria den Antrag für eine Bewilligung gestellt hat, soll sie den Listenhund Bongo bereits bei sich gehalten haben. Damit hätte sie sich strafbar gemacht.

Bongo wohnte nicht bei Maria

Nicht nur erhielt Maria keine Bewilligung für Bongo, die Staatsanwaltschaft erhob einen Strafbefehl gegen die Pflegerin. Sie musste eine Busse von 1000 Franken und eine Strafbefehlsgebühr von 700 Franken bezahlen. Sie wehrte sich aber dagegen und erhob Einsprache, was sie vor Gericht brachte. «Es erstaunt mich, dass wir uns treffen müssen», sagt ihr Verteidiger gegenüber Gerichtspräsident Raimond Corboz. Bongo sei zu keinem Zeitpunkt im Besitz seiner Mandantin gewesen. Geplant war, dass der Hund nach Erteilung der Berechtigung zu ihr zieht. Er verlangt einen Freispruch. Bei all den Kontrollbesuchen durch die Polizei sei Bongo nie in der Wohnung angetroffen worden. Der Hund sei immer im Besitz des Sohnes gewesen, dieser habe seine Eltern mit dem Vierbeiner einige Male besucht. Mittlerweile ist Bongo ein Jahr alt und wohnt dauerhaft bei Ivan.

Nach einer viertelstündigen Pause eröffnet Gerichtspräsident Corboz das Urteil. «Die Staatsanwaltschaft hat es versäumt, mir glaubhaft machen zu können, dass Sie Bongo bei sich hielten.» Maria wird freigesprochen und muss keine Busse zahlen. Ob sie künftig wieder versuchen wird, einen Hund zu halten, wisse sie nach den ganzen Anstrengungen nicht: «Ich bin so enttäuscht. Ich habe keine Lust mehr.»