Mit Blick auf das kommende Jahr hat der Verein Aargauische Spitäler, Kliniken und Pflegeinstitutionen (VAKA) aufgrund der Kostenrechnungsdaten eine Anpassung des Stundenansatzes beantragt. Der Regierungsrat hat den Antrag geprüft und ist zum Schluss gekommen, dass eine Erhöhung begründet ist.

Vor diesem Hintergrund wird der im laufenden Jahr geltende Stundenansatz von 61.40 Franken auf Anfang 2017 um 1.90 Franken auf 63.30 Franken erhöht. Dies entspricht einer Anpassung um 3,1 Prozent. Die Tarifordnung erfährt via Pflegeverordnung eine entsprechende Änderung.

Keine Änderungen ergeben sich in Bezug auf die Spitex-Tarife. Allerdings wird künftig aus rechtlichen Gründen nicht mehr zwischen Inhouse- und ordentlicher Spitex unterschieden.

Aargauer Stundenansatz interkantonal tief

Die höheren Kosten im stationären Pflegebereich sind in erster Linie auf die steigenden Personalkosten, dann aber auch auf die zunehmend komplexen Pflegesituationen zurückzuführen.

Beide Entwicklungen tragen zur Kostendynamik bei und sind in der ganzen Schweiz feststellbar. Dabei ist zu erwähnen, dass der Kanton Aargau im interkantonalen Vergleich immer noch über einen der tiefsten Stundenansätze verfügt.

Dies wird in den kommenden zwei Jahren so bleiben, weil der neue Stundenansatz für die Jahre 2017 und 2018 gilt. Auf diese Weise kann einerseits mehr Zeit für die Analyse der Kosten sowie die Kalkulation der Tarife gewonnen werden, andererseits kann zu einem frühen Zeitpunkt höhere Budgetsicherheit für die Gemeinden geschaffen werden.

Restkosten schlagen bei Gemeinden zu Buche

Aufgrund der Erhöhung des Stundensatzes ist im stationären Bereich mit höheren Restkosten als im laufenden Jahr zu rechnen.

Die Tatsache, dass in der Pflegefinanzierung die beiden Kostenträger Krankenversicherung sowie Pflegeheimbewohnerin respektive Pflegeheimbewohner gemäss Krankenversicherungsgesetz einen fixen Beitrag an den Pflegeheimaufenthalt übernehmen müssen, wiederum führt dazu, dass die höheren Kosten praktisch vollumfänglich bei den Gemeinden zu Buche schlagen.

Für das Jahr 2017 wird im stationären Pflegebereich demnach mit Restkosten für Pflegeheimbewohner mit Wohnsitz im Kanton Aargau in der Höhe von 71,14 Millionen Franken gerechnet.

Dies entspricht einer Steigerung um rund 8,9 Prozent im Vergleich zum entsprechend budgetierten Wert des laufenden Jahres (und mit dem tieferen Stundensatz von 61.40 Franken).

Zusätzlich wird in der Budgetkalkulation von weiterem Aufwand in Höhe von 3,5 Millionen Franken für den Demenzzuschlag und von rund 0,92 Millionen Franken für den Gerontologiezuschlag ausgegangen. Insgesamt wird damit für Pflegeheimbewohner mit Wohnsitz im Kanton Aargau ein Aufwand von rund 75,56 Millionen Franken erwartet.

Bezogen auf die Einwohner einer Gemeinde bedeutet dies durchschnittlich anzunehmende Kosten im stationären Bereich pro Einwohner von rund 113 Franken im Jahr 2017.

Im ambulanten Bereich resultieren aus den aktualisierten Berechnungsparametern (inklusive der Anpassung des Tarifs im Bereich der Inhouse-Spitex) durchschnittlich anzunehmende Kosten pro Fall von rund 740 Franken im Jahr 2017.

Pro Einwohner bedeutet dies durchschnittlich anzunehmende Kosten von rund 2.40 Franken. Insgesamt werden im ambulanten Bereich für das Jahr 2017 Aufwendungen von rund 1,6 Millionen Franken erwartet.

Der Kanton Aargau setzt sich seit Einführung der revidierten Pflegefinanzierung im Jahr 2011 dafür ein, dass eine Lösung gefunden wird, welche eine gleichmässigere Partizipation der Träger an den Mehrkosten ermöglichen soll. Eine Umsetzung dieses Anliegens auf Bundesebene fand bisher jedoch nicht statt.