Deutliches Ja
Aargauer Parlament spricht 180-Millionen-Kredit für Limmattalbahn

Nach dem Zürcher Kantonsrat hat sich auch der Aargauer Grosse Rat klar für den Bau der Limmattalbahn ausgesprochen. Das Kantonsparlament hat am Dienstag einen Verpflichtungskredit von 179,5 Millionen Franken bewilligt.

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Rund 3,3 Kilometer des Limmattalbahn-Trassees verlaufen auf Aargauer Boden. Hier eine Visualisierung der Haltestelle SCS/Tivoli in Spreitenbach.

Rund 3,3 Kilometer des Limmattalbahn-Trassees verlaufen auf Aargauer Boden. Hier eine Visualisierung der Haltestelle SCS/Tivoli in Spreitenbach.

zvg

Alle Parteien stellten sich hinter das Vorhaben. Das Projekt für die Limmattalbahn zwischen Zürich-Altstetten und Killwangen AG erhielt im Grossen Rat viel Lob. Der Entscheid fiel mit 117 zu 11 Stimmen.

Die vorberatende Kommission sprach von einem "Jahrhundertprojekt". Die Bahn werde die Gemeinden und die Region optimal erschliessen. Die SP bezeichnete die geplante Bahninfrastruktur als "mutig und umsichtig".

Das Entwicklungspotentials des Limmattals strahle auch auf den gesamten Kanton Aargau aus, hiess es bei der CVP. Die Bahn werde ein wichtiger qualitativer Treiber sein.

Es sei ein sehr teures Zukunftsprojekt, hielt die FDP fest. Auch die Betriebskosten müssten berücksichtigt werden. Es werde wohl pro Jahr ein Defizit von vier bis fünf Millionen Franken anfallen.

Auch eine Mehrheit der SVP sprach sich für das Vorhaben aus. Die Limmattalbahn dürfe aber nicht zu einer Unfallbahn werden wie die Bahn im Glattal.

Baudirektor Stephan Attiger (FDP) sagte, es sei ein Generationenprojekt. Das Limmattal sei eine Boomregion. Es sei eine einmalige Gelegenheit, die Investition gleichzeitig mit dem Bevölkerungswachstum zu tätigen. Die Weiterführung der Bahn bis nach Baden sei frühestens ab dem Jahr 2030 ein Thema.

Das Projekt in Kürze

Der Zürcher Kantonsrat hat sich bereits für ein Limmattaler Gesamtverkehrsprojekt ausgesprochen, dessen Herzstück die Limmattalbahn ist. Sie soll auf 13,4 Kilometern 27 Haltestellen verbinden.

Zum Projekt gehören drei Elemente: die erste Etappe der Bahn von Altstetten bis Schlieren, die zweite Etappe von Schlieren bis Killwangen und ein Kredit für Strassen-Anpassungen und Kapazitätserweiterungen. Auf den Kanton Zürich entfällt ein Anteil von 510,3 Millionen für die Limmattalbahn – wobei sich dieser noch auf knapp 380 Millionen reduziert, wenn der Bund sich, wie in Aussicht gestellt, auch an der zweiten Etappe beteiligt. Für die erste Etappe hat er bereits 66,7 Millionen gesprochen.

Der Kredit von 136,3 Millionen für das Strassenprojekt ist an die Bahn gebunden und wird nur eingesetzt, wenn diese gebaut wird. Geplant sind Anpassungen entlang des Neubautrasses und Kapazitätssteigerungen im Bereich Bernstrasse und Überlandstrasse. Weil die Zentren von Schlieren und Dietikon vom Verkehr entlastet werden sollen, wird dorthin ein Teil des Verkehrs von der Zürcher- und Badenerstrasse verlagert.

Bis die Limmattalbahn wirklich gebaut werden kann, muss sie noch eine weitere Hürden nehmen. Am 5. Mai hat sich der Aargauer Grosse Rat für einen Kredit von 179 Millionen Franken ausgesprochen. Doch haben die Gegner des Projekts das Referendum angekündigt. Kommt es zustande, hat das Stimmvolk das letzte Wort.

Bis Ende Jahr sollte der Entscheid fallen, wer die Bahn betreiben wird. Zurzeit können mögliche Betreiber bei den beiden Bestellerkantonen Offerten einreichen. Laut ZVV-Direktor Franz Kagerbauer sind VBZ, BDWM und SZU im Rennen. Gebaut werden soll die erste Etappe der Bahn ab 2017. (BHI)

Weniger Geld aus der Strassenkasse

Der Regierungsrat fuhr trotz der klaren Zustimmung des Grossen Rates zum 179,5-Millionen-Kredit eine kleine Niederlage ein. Er hatte vorgeschlagen, dass 34 Millionen für den Gesamtkredit aus der sogenannten Strassenkasse entnommen werden sollen.

Der Grosse Rat folgte allerdings dem Antrag der vorberatenden Kommission: Die Strassenkasse leistet nun nur 20 Millionen Franken ans Bahnprojekt. Weitere fünf Millionen aus diesem Geldtopf sollen für Anpassungen bei Strassen verwendet werden.

Der Zürcher Kantonsrat hatte sich Ende März für die Limmattalbahn ausgesprochen und dafür 510 Millionen Franken bewilligt. Das letzte Wort hat voraussichtlich das Zürcher Volk.

Die Gesamtkosten für die Bahn betragen 755 Millionen Franken. Nach Abzug des Bundesbeitrages teilen sich die Kantone Zürich und Aargau die Kosten gemäss Streckenanteil im Verhältnis von drei Vierteln zu einem Viertel.

Die Limmattalbahn soll die südlich der Limmat gelegenen Wohn- und Arbeitsplatzgebiete zwischen Zürich-Altstetten und Killwangen AG erschliessen. Mit dem Bau soll 2017 begonnen werden, wie es in der Botschaft des Aargauer Regierungsrates heisst.

Mit insgesamt 27 Haltestellen werden die Gemeinden Schlieren, Urdorf, Dietikon sowie die beiden Aargauer Gemeinden Spreitenbach und Killwangen besser an die S-Bahn in Killwangen-Spreitenbach, Dietikon, Schlieren und Altstetten angebunden.

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