Debatte
Aargauer Parlament soll 178 Millionen für Limmattalbahn sprechen

Die Limmattalbahn wird kommen. Am Dienstag dürfte der Aargauer Grosse Rat der unbestrittenen Vorlage zustimmen. Nicht klar ist eine wesentliche Frage: Welche Kasse wird welchen Anteil an das Grossprojekt zahlen?

Mathias Küng
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Visualisierung der Endstation der geplanten Bahn in Killwangen-Spreitenbach.

Visualisierung der Endstation der geplanten Bahn in Killwangen-Spreitenbach.

ZVG

Am Dienstag befasst sich der Grosse Rat mit einem Riesenprojekt – der Limmattalbahn (vgl. Box) zum Preis von 755 Millionen Franken. Den Löwenanteil der Kosten für die 13,4 Kilometer lange Bahn von Zürich Altstetten bis Killwangen-Spreitenbach übernimmt allerdings der Kanton Zürich, zumal der grösste Teil der Strecke über Zürcher Gebiet führt.

Der Aargau soll für «seinen» 3,3-Kilometer-Abschnitt aufkommen. Dafür sind 178 Millionen Franken budgetiert. Nach heutigem Stand kann der Aargau vom Bund eine Beteiligung von 59 Millionen Franken erwarten. Zudem beantragt die Kantonsregierung, einen Anteil von 34 Millionen Franken dem Strassenfonds zu entnehmen.

Keller: Endstation Killwangen

Die Vorlage als solche dürfte unbestritten sein. Kommissionsmitglied Martin Keller (SVP) trägt sie als Limmattaler aus Obersiggenthal mit. Allerdings fordert er, dass im Limmattal parallel dazu auch der Individualverkehr von Verbesserungen profitieren müsse. Für ihn ist aber der Beitrag aus der Strassenkasse mit 34 Millionen eindeutig zu hoch.

Stadtbahn für eine Boomregion

Die Limmattalbahn ist ein Projekt der Kantone Zürich und Aargau. 2017 sollen die Bauarbeiten beginnen können. Ab 2019 soll diese Stadtbahn schrittweise die Arbeitsplatz- und Wohngebiete im Limmattal mit Zürich Altstetten verbinden – auf einer Gesamtlänge von 13,4 Kilometern. Durchgehend bis zum Bahnhof Killwangen-Spreitenbach soll der Betrieb Ende 2022 beginnen. Die Bahn wird Killwangen und Spreitenbach auf Aargauer Seite sowie Dietikon, Urdorf, Schlieren und Zürich auf Zürcher Seite verbinden. Sie soll mit der Bremgarten-Dietikon-Bahn und dem anschliessenden Busnetz Teil des öffentlichen Verkehrs im Limmattal werden.

Im Zürcher Kantonsrat ist der Zürcher Abschnitt bereits gutgeheissen worden – mit nur einzelnen Gegenstimmen. Derzeit sammelt allerdings ein Referendumskomitee Unterschriften, um die Vorlage vors Volk zu bringen. Politbeobachter rechnen damit, dass die nötigen Unterschriften zusammenkommen. Falls ja, dürfte die Volksabstimmung im kommenden November stattfinden. (MKU)

Ginge es nach ihm, fände er maximal 20 Millionen angemessen. Die Kommissionsempfehlung für 25 Millionen sei aber ein guter Kompromiss. Wie geht es nachher weiter? Soll die Bahn in einem nächsten Schritt bis Baden oder noch weiter verlängert werden? Für Keller ist klar: «Der Bahnhof Killwangen-Spreitenbach ist Endstation. Man brächte die Bahn ja noch irgendwie durch Wettingen, aber wie ins Zentrum nach Baden? Der regionale Busbetrieb RVBW erschliesst die Agglomeration und die Bahnhöfe sehr gut, die Routen können flexibel angepasst werden. Das ist ausreichend.»

Caflisch: Jahrhundertprojekt

Naturgemäss etwas anders sieht dies Kellers SP-Parlamentskollege und VCS-Präsident Jürg Caflisch. Er hat seinerzeit mit einem Antrag dafür gesorgt, dass der Richtplan einem allfälligen späteren Weiterbau bis Baden und möglicherweise darüber hinaus nicht im Wege stünde. Ein Weiterbau mache längerfristig auch Sinn. «Doch jetzt», betont Caflisch, «geht es um den Bau dieser Stadtbahn bis Killwangen-Spreitenbach, um ein Jahrhundertprojekt.»

Er hofft auf eine möglichst geschlossene Zustimmung des Grossen Rats. Deswegen signalisiert er Bereitschaft, über den Kostenanteil der Strassenkasse zu diskutieren. Er überlegt sich, je nach Verlauf der Debatte als Einzelvotant einen Kompromissvorschlag zu machen, der zwischen den 34 Millionen der Regierung und den 25 Millionen der Kommission liegen könnte. Dies mit dem Ziel, dass am Schluss möglichst viele Grossrätinnen und Grossräte hinter der Vorlage stehen und sie ein klares Signal pro Limmattalbahn aussenden.

Gautschy: Klar Handlungsbedarf

Kommissionspräsidentin Renate Gautschy (FDP) ist überzeugt von der Vorlage. Es sei absolut gerechtfertigt, «dort zu investieren, wo eine riesige Entwicklung stattfindet». Sie selbst als Frau Gemeindeammann von Gontenschwil kommt aus einer Gegend, in der die Entwicklung auch stattfindet, aber nicht im gleichen Ausmass oder in einem anderen Tempo. Gautschy: «Das ist für mich aber absolut kein Grund, eine gute Verkehrslösung für Wohn- und Arbeitsplätze für das Limmattal abzulehnen. Denn dort besteht zurzeit Handlungsbedarf.»

Das Ziel – individueller Fernverkehr auf Schnell- und individueller Ortsverkehr auf Gemeindestrassen – könne so erreicht werden. Die neue Bahn entlaste die Strasse, indem sie einen Grossteil des erwarteten Wachstums aufnehme. Deshalb findet sie es auch wertvoll, dass ein Teil des Geldes aus der Strassenkasse kommt. Gautschy: «Der grösste Teil stammt ja aus allgemeinen Mitteln.»

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