Flugzeugabsturz Birrfeld
Aargauer Oberstaatsanwalt war jahrelang Flugunfall-Experte: «Bei Absturz meist mehrere Ursachen»

Der leitende Oberstaatsanwalt Philipp Umbricht war vor seiner Tätigkeit im Aargau bei der Militärjustiz zuständig für die Untersuchung von Flugunfällen. Er erklärt, wie das Verfahren läuft.

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Philipp Umbrich und das Flugzeugwrack.

Philipp Umbrich und das Flugzeugwrack.

Keystone/Ennio Leanza; AZ/Mario Heller

Offenbar gibt es Videoaufnahmen von Dash-Cams in Autos und Verkehrskameras an der Autobahn, welche den Absturz zeigen. Was auf den Videos zu sehen ist, sagt die Polizei nicht, das Verfahren liege bei der Staatsanwaltschaft. Der leitende Oberstaatsanwalt Philipp Umbricht war vor seiner Tätigkeit im Aargau bei der Militärjustiz zuständig für die Untersuchung von Flugunfällen. Doch die Verfahrensleitung hat er nicht: «An der Untersuchung sind die Schweizerische Sicherheits-Untersuchungsstelle Sust und die Bundesanwaltschaft beteiligt, die Aargauer Staatsanwaltschaft war nur zu Beginn auf Platz, um den Start der Ermittlungen zu koordinieren», sagt er.

Über die Ursache für den Absturz auf dem Birrfeld will der Flugunfallexperte nicht spekulieren, «das wäre unseriös». Er erklärt aber, wie das Verfahren lauft. Im Verlauf der Untersuchungen geht es für die Bundesanwaltschaft darum, ein allfälliges strafrechtlich relevantes Verhalten zu ermitteln. «Dies könnte zum Beispiel eine vernachlässigte Wartung des Flugzeugs, ein Konstruktionsfehler des Modells oder etwas Ähnliches sein», sagt Umbricht. Wenn kein solcher Fehler von Dritten feststellbar ist, und sich der Verdacht auf den Piloten konzentrieren würde, müsste das Verfahren eingestellt werden, weil gegen Verstorbene nicht ermittelt wird.

Flugzeugabsturz Birrfeld 14.5.2019
14 Bilder
Der 66-jährige Pilot verlor offenbar kurz nach dem Abheben die Kontrolle über die Maschine des Typs «Alfa 207» ...
...und stürzte – nur wenige Meter neben der Autobahn – praktisch senkrecht in den Boden. Die Maschine brannte sofort lichterloh.
Nur wenige Minuten später ist vom Flugzeug nur noch ein schwarzes Wrack übrig.
Der erfahrene Pilot, der auf dem nahe gelegenen Flugplatz gestartet war, kam beim Absturz ums Leben. Er wohnte in Niederweningen ZH.
Der Pilot war kurz nach 17 Uhr vom Flugplatz Birrfeld in Richtung Osten gestartet und verlor weniger später die Kontrolle über das Flugzeug.
Etliche Zeugen beobachteten, wie das Flugzeug fast senkrecht abstürze und in einer Wiese unmittelbar neben der stark befahrenen Autobahn A1 aufschlug.
Der Pilot hatte sich alleine im Flugzeug befunden.
Die Feuerwehr und ein Helikopter der AAA Alpine Air Ambulance, der auf dem Flugplatz Birrfeld stationiert ist, ...
... waren rasch bei der Absturzstelle.
Die Feuerwehr löschte den Brand rasch – für den Piloten des einmotorigen Flugzeugs kam jede Hilfe zu spät.
Für den Verkehr auf der A1 ging vom Brand gemäss der Kantonspolizei keine Gefahr aus.
Die Absturzursache ist noch unklar. Die Polizei hat zusammen mit der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) ihre Ermittlungen aufgenommen.
Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach eröffnete eine Untersuchung und ordnete beim Verstorbenen eine Obduktion an.

Flugzeugabsturz Birrfeld 14.5.2019

ENNIO LEANZA

Meist mehrere Ursachen

Die Sust konzentriert sich auf die technischen und fliegerischen Aspekte. Sie versucht die Unfallursache zu ermitteln und allenfalls Empfehlungen zu formulieren, wie solche Unfälle künftig verhindert werden können. «Aus meiner Erfahrung ist es so, dass in den
allermeisten Fällen mehrere Ursachen zusammenspielen und kein einzelner Faktor für den Absturz verantwortlich ist», sagt Umbricht. Die Sust prüfe deshalb auch Aspekte wie Routenplanung, Schwerpunktberechnungen, Treibstoffbeladung oder Wetterverhältnisse.

Obwohl das Flugzeug beim aktuellen Unfall auf dem Birrfeld ausgebrannt ist, geht der Staatsanwalt davon aus, dass sich bei der Untersuchung des Wracks wichtige Hinweise finden werden. «Dies ist mit modernen Methoden auch bei stark zerstörten Maschinen möglich, wie der Swissair-Absturz bei Halifax zeigt.» Umbricht sagt weiter, je häufiger ein Flugzeugtyp sei, umso intensiver würden die Untersuchungen geführt. «Bei einem Eigenbau-Flugzeug, das relativ selten ist, wird eher weniger tiefgreifend ermittelt als bei einem Verkehrsflugzeug», sagt der Experte.