Asyl

Aargauer Notspitäler bleiben wohl geschlossen

Flüchtlinge im Spital Muri, dessen geschützte Operationsstelle temporär als Asylzentrum diente. (Archiv)

Flüchtlinge im Spital Muri, dessen geschützte Operationsstelle temporär als Asylzentrum diente. (Archiv)

Noch im April rechnete der Kanton mit einem deutlichen Anstieg der Asylgesuche in den Sommermonaten – dieser ist jedoch ausgeblieben.

Es war eine Notlösung: Als die Flüchtlingskrise in den Jahren 2015 und 2016 ihren Höhepunkt erreicht hatte, öffnete der Kanton die vier geschützten Operationsstellen (Gops) bei den Spitälern in Aarau, Baden, Muri und Laufenburg. Die unterirdischen Anlagen wurden kurzfristig zu Asylzentren umfunktioniert, obwohl der Kanton das Prinzip verfolgte, wenn immer möglich oberirdische Unterkünfte zu nutzen. Dies unter anderem, weil die Notspitäler mehr Sicherheitspersonal benötigten und damit höhere Kosten verursachten, aber auch wegen Konflikten unter den Bewohnern, die in der ungemütlichen, beengten Atmosphäre der unterirdischen Zentren entstanden (AZ vom 12. Oktober).

Bis zu 800 Asylsuchende lebten zeitweise in den Geschützten Operationsstellen. Zudem wurde auch der ehemalige Führungsbunker des Aargauer Regierungsrats auf der Liebegg in Gränichen als Unterkunft genutzt. Und der Kanton erarbeitete eine Liste mit den Standorten von Zivilschutzanlagen, die bei einem noch stärkeren Zustrom als Notunterkünfte genutzt werden sollten. Dazu kam es allerdings nicht, und als die Flüchtlingswelle wieder abebbte, schloss der Kanton die Notspitäler nach und nach. «Seit der Schliessung der Gops Aarau Ende Juni 2017 betreibt der Kanton keine unterirdischen Anlagen für die Unterbringung von Asylsuchenden mehr», sagt Michael Stauffer vom Aargauer Sozialdepartement.

Die Nutzung der Notspitäler habe sich vor dem Hintergrund der sehr hohen Zuweisungszahlen des Bundes «als richtig und wichtig erwiesen», hält Stauffer fest. Nicht zuletzt dank der guten Zusammenarbeit mit den Standortspitälern und -gemeinden sei die Verbundaufgabe im Asylwesen «vorbildlich» gelöst worden. Dennoch soll sich die unterirdische Einquartierung von Asylsuchenden, wenn möglich, nicht wiederholen. Stauffer geht nicht davon aus, dass sich die Unterbringungssituation in den kommenden Monaten derart verschärfen wird, «dass der Betrieb der Gops wieder in Betracht zu ziehen wäre».

Zuweisungszahlen rückläufig

Bei der Beurteilung der künftigen Flüchtlingszahlen bleibt der Kanton allerdings vorsichtig. Noch im April hiess es aus dem Sozialdepartement, in der warmen Jahreszeit müsse mit einem saisonal bedingten Anstieg der Asylgesuche gerechnet werden. Dies ist laut Stauffer nicht eingetroffen, seit Januar 2016 ist die Zahl der Asylbewerber, die dem Aargau vom Bund zugewiesen werden, rückläufig. Ende September lebten in den 68 kantonalen Unterkünften insgesamt 1803 Asylbewerber, im Frühling 2016 waren es rund 800 Personen mehr. Es sei aber heute noch zu früh, um aus dieser Entwicklung konkrete Schlüsse für die künftigen Zuweisungszahlen zu ziehen, hält Stauffer fest.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1