Ausschnitte gibt es noch keine – bis gestern war der neuste DOK-Film des Schweizer Fernsehens nicht fertiggestellt. Einzig einige Stills vom Bildschirm im Schnittraum hat SRF vorab veröffentlicht (siehe oben). Spätestens heute Abend muss das Team seine Arbeit vollenden: Um 20.05 Uhr wird «Inside Bundeshaus» auf SRF 1 ausgestrahlt. Auf den Tag genau drei Jahre, nachdem die SVP ihre Volksinitiative «Gegen Masseneinwanderung» lancierte.

«Inside Bundeshaus»: Der Trailer zum SRF-Dok

Was zu sehen sein wird, wird für Ruth Humbel (CVP), Cédric Wermuth (SP), Andreas Glarner (SVP) und Kurt Fluri (FDP) eine Überraschung sein. Die vier Nationalräte mit Sitz in der staatspolitischen Kommission liessen sich ein Jahr lang bei den Verhandlungen über die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative begleiten. SRF-Dokumentarfilmerin Karin Bauer befragte ihre Protagonisten vor, zwischen und während der vertraulichen Besprechungen vor dem Kommissionszimmer 3. Filmte beim Zmittag im Bundeshaus-Restaurant, bei der Nachtarbeit im Berner Hotel – im Schützenstand, in der Waschküche, auf dem Kreuzfahrtschiff.

Interviews nur vor der Tür

Gleich drei der vier Protagonisten sind Aargauer, Kurt Fluri ist Solothurner. Ist diese geografische Konzentration gewollt? Nein, sagt Autorin Karin Bauer: «Es ist reiner Zufall. Ich wählte Politiker, die in der massgebenden staatspolitischen Kommission des Nationalrats sitzen und die Bundesratsparteien vertreten.» Fluri als Gruppenchef seiner Delegation, Glarner und Wermuth, weil sie «durch Provokationen bekannt geworden sind», Humbel wegen ihrer langjährigen Bundeshaus-Erfahrung. «Die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative schien mir der ideale Moment, um zu zeigen, was die ‹dort oben› in Bundesbern überhaupt machen», sagt Bauer. Grösste Herausforderung sei es gewesen, das Kommissionsgeheimnis zu schützen. Die Beratungen der Politiker waren vertraulich, Interviews durften nur vor der Tür des Kommissionszimmers geführt werden. Glücklicherweise habe man zusätzlich Strategiesitzungen filmen können, die in der Mittagspause stattfanden.

Ja, das liebe Kommissionsgeheimnis: Das war auch für die Protagonisten ein ständiges Ringen. Ruth Humbel sagt: «Man hätte teilweise natürlich gerne mehr erzählt, als man durfte.» Und Cédric Wermuth sagt es so: «Ich verstehe das Anliegen, dem Volk erklären zu wollen, wie es in Bern abläuft. Aber vieles läuft halt wirklich hinter den Kulissen. Das kann man nicht mit der Kamera einfangen.» Der Film, der das bislang am besten schaffte, wurde 2003 zum Publikumserfolg und ist seither ein Klassiker im Klassenzimmer: «Mais im Bundeshuus». Doch in den 14 Jahren seither hat sich einiges verändert. Wermuth: «Die Sensibilität ist heute eine ganz andere als damals bei ‹Mais im Bundeshuus›. So offen aus den Sitzungen zu berichten, wie es die Protagonisten damals taten, würde heute nicht mehr akzeptiert.»

Nicht ganz stubenrein

Andreas Glarner, bekannt dafür, geradeheraus zu sagen, was er denkt, pflichtet seinem politischen Gegner bei: «Es war eine ständige Gratwanderung. Man musste höllisch aufpassen. Wenn sich Cédric drinnen tödlich aufgeregt hatte, durfte ich das nicht vor der Kamera erzählen.»

Ob man das Kommissionszimmer nach Sitzungsende bloss für einen Kaffee oder den Gang auf die Toilette verlassen habe, habe keine Rolle gespielt: «Das Fernsehteam stand immer draussen und packte einen.» Zum Teil sei er «echt genervt» gewesen, weil die Fragen sehr einseitig gestellt worden seien: «Ich habe Frau Bauer auch gesagt, dass sie gelinde gesagt eine linke Journalistin sei.» Haben Sie sich mal verplappert, Herr Glarner? «Ich hoffe nicht.» Aber für den Film sei auch mit seinem 76-jährigen Vater gedreht worden. «Er macht halt auch mal einen Spruch, der vielleicht nicht ganz stubenrein ist.»

Keine schlechtes Gewissen

Jetzt erwarten die Protagonisten mit Spannung, was heute Abend zu sehen sein wird. Unisono bestätigen sie: Wir haben keine Ahnung, welche Szenen ausgewählt wurden. Cédric Wermuth: «Ob positiv oder negativ – es kann alles sein. Inhaltlich habe ich auf jeden Fall kein schlechtes Gewissen.» Glarner erwartet «nicht viel Gutes», und Ruth Humbel ist schlicht «gespannt».
Und was sagt Macherin Bauer? Wenn man das persönliche Schicksal einer medienungewohnten Person verfilme, biete man an, den Film vor der Ausstrahlung sehen zu können. «Bei unseren Protagonisten und der Protagonistin aber handelt es sich um Medienprofis. Ihnen legte ich jene Aussagen vorgängig vor, die mit dem Kommissionsgeheimnis kollidieren könnten, dort hatten sie ein Mitspracherecht.»

Um 20.05 Uhr auf SRF 1 wird das Geheimnis gelüftet.