Sieben Moscheen im Aargau werden von der Türkisch-Islamischen Stiftung für die Schweiz unterstützt, einem Ableger der türkischen Religionsbehörde Diyanet. In fünf Moscheen predigen Imame, die aus der Türkei entsandt wurden und direkt von Diyanet bezahlt werden – dies ergaben Recherchen der az diese Woche. Experten befürchten eine Beeinflussung der Moscheebesucher im Sinn des türkischen Staatspräsidenten Erdogan und kritisieren, die Imame würden einen konservativen, rückständigen Islam predigen.

Nun äussert sich erstmals der Verband Aargauer Muslime zu den Vorwürfen. Mediensprecher Abdul Malik Allawala sagt: «Die Moscheevereine, die in unserer Vereinigung vertreten sind, sind eigenständig und arbeiten gemäss den schweizerischen Gesetzen. Jeder Verein regelt seine organisatorischen und finanziellen Angelegenheiten selbst.» Die Moscheevereine finanzieren sich laut Allawala aus Mitgliederbeiträgen, Spenden und Einnahmen aus Anlässen. «Dass sie sind nicht im Geld schwimmen, kann jedermann selbst bei einem Besuch feststellen.»

Imame aus der Türkei «legitim»

Allawala bestätigt, dass die Türkei in gewissen Fällen Imame in die Schweiz schicke und die Kosten dafür übernehme, «um die Bedürfnisse der türkischen Bürger in der Schweiz zu befriedigen». Er betont: «Dies ist genauso legitim wie die Unterstützung von verschieden Regierungen, einschliesslich jener der Schweiz, für ihre im Ausland lebenden Bürger.» Die Imame werden laut Allawala gemäss einem Abkommen zwischen der Schweiz und der Türkei entsandt und unterliegen geltendem Recht. Solange dies der Fall sei, sei nichts dagegen einzuwenden. Er hält fest: «In diesem Zusammenhang ist dem Verband Aargauer Muslime keine Rechtswidrigkeit bekannt.»

Er sagt weiter, die Religionsbehörde Diyanet sei nicht erst jetzt von Präsident Erdogan gegründet worden. «Sie existiert bereits seit mehreren Jahrzehnten und alle Vorgänger-Regierungen haben Diyanet unterstützt und Imame ins Ausland geschickt.» Die Aufgabenfelder und Tätigkeiten der Imame seien in der türkischen Verfassung verankert. «Im Fall einer politischen Aktivität droht den Imamen ein Dienstverweis», erklärt Allawala. Dem Verband Aargauer Muslime sei kein Fall bekannt, wo ein Imam politische Aktivitäten in der Moschee durchgeführt habe. «Jede Moschee, auch jene, die von der Türkisch-Islamischen Stiftung für die Schweiz unterstützt werden, ist für alle zugänglich und offen. Jeder darf ungehindert am Gebet teilnehmen und den Imam zuhören. Auch deshalb ist es für einen Imam unmöglich in der Freitagspredigt für Erdogan zu werben.»

Stiftung «strikt apolitisch»

Zafer Terkesli, Geschäftsführer der Türkisch-Islamischen Stiftung für die Schweiz (TISS), geht nicht auf konkrete Fragen der az zu den Moscheen im Aargau ein. Er hält aber grundsätzlich fest: «Uns sind keine Verletzungen des Verbots von politischer Aktivitäten oder Aussagen in Moscheen bekannt, die von unserer Stiftung betreut werden.» Terkesli weiter: «Sollten solche Fälle auftreten, distanziert sich die Stiftung in aller Form davon und sichert zu, die geeigneten Massnahmen zu treffen, um solche Verstösse zu verhindern.» Terkesli sagt, es gebe nicht genug Imame, die in der Schweiz ausgebildet worden seien und die türkischen Muslime religiös betreuen könnten. Deshalb werden laut der Stiftung ausgewählte türkische Imame, welche die für Auslandstellen relevanten Prüfungen bestanden haben und im Besitz des geforderten Sprachzertifikats sind, in die Schweiz entsandt. Terkesli betont, es würden keine Imame eingesetzt, «die nicht von den schweizerischen Behörden zugelassen und genehmigt worden sind».

Der Geschäftsführer der Stiftung betont, der Grundsatz des Laizismus, also der Trennung von Religion und Staat, sei in der türkischen Verfassung verankert. Terkesli hält fest: «Politische Aktivitäten oder Aussagen von religiösen Betreuungspersonen über Parteien, Politiker oder zu einzelnen politischen Sachthemen sind gesetzlich verboten. Der Geschäftsführer ergänzt, die Stiftung sei aufgrund ihrer Statuten strikt apolitisch.

Bosniaken zahlen Imam selber

Anders als bei gewissen türkischen Moscheevereinen im Aargau, werden für die bosnischen und albanischen Gemeinschaften keine Imame aus dem Heimatland entsandt. Asja Kospo, Sprecherin der Islamischen Gemeinschaft der Bosniaken des Kantons Aargau, sagt auf Anfrage, dass der Lohn ihres Imams durch Vereinsmitglieder finanziert werde. Unser Verein zählt 650 bis 700 Mitglieder, sie bezahlen regelmässig den Mitgliederbeitrag», erklärt Kospo. Zudem würden manche von ihnen zusätzlich einen freiwilligen Beitrag zahlen. «Aus diesen beiden Fonds zahlen wir den Lohn für unseren Imams aus. Zum Glück können wir uns diese Ausgaben leisten, da wir weder von einer anderen Institution noch unserem ursprünglichen Heimatland finanziert werden», sagt die Sprecherin.