Kolumne

Aargauer Kulturschaffende haben es nicht leicht

Argovia Philharmonic spielt unter der Leitung von Douglas Bostock.

Argovia Philharmonic spielt unter der Leitung von Douglas Bostock.

Hans Fahrländer schaut in seiner Kolumne zurück auf die letzte Grossratstagung – und wirft einen Blick auf das, was demnächst auf dem Programm steht.

Hurra, der Grosse Rat tagt wieder. Am letzten Dienstag hat er sich allerdings nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Wieder einmal haben – diesmal beim Einbürgerungsgesetz – der linke und der rechte Flügel des Halbrunds zusammen eine vernünftige Lösung verunmöglicht. Politische Blockierung durch Festhalten an der eigenen (Maximal-)Forderung – das kann sich der Aargau zurzeit eigentlich nicht leisten.

Am nächsten Dienstag geht es (wenn die Zeit reicht, die Fraktionsausflüge locken) wieder einmal um Kultur. Traktandiert ist ein Rückblick, ein «Wirkungsbericht»: Wie hat das neue Kulturgesetz von 2010 das kulturelle Leben im Kanton beeinflusst, beengt, bereichert? Vor kurzem hat die Regierung einen 80-seitigen Bericht publiziert, in welchem es neben Rück- auch um Ausblick geht: In der Erstauflage eines «Kulturkonzepts» werden strategische Ziele und operative Massnahmen der Kulturpolitik bis 2022 konkretisiert. Einen Entscheid braucht es dazu im Moment nicht: Es geht am Dienstag bloss um «Kenntnisnahme».

Einfacher ist es für Kulturschaffende im Kulturkanton gewiss nicht geworden. Dem Wirkungsbericht entnehmen wir, dass Kanton und Gemeinden 2012 173 Franken pro Person für die Kultur ausgaben. Damit stand man im Kantonsvergleich nur an 19. Stelle. Basel-Stadt zum Beispiel wendet pro Kopf einen schlappen Tausender auf. Okay, der Aargau ist eben nicht Basel, auch nicht Zürich. Man hat hier kein geldverschlingendes (Kultur-)Zentrum, sondern pflegt die grosse Vielfalt (nein, nicht das Mittelmass). Umso mehr geht es um effizienten Mitteleinsatz – aber auch um Zielgerichtetheit: Wer alle und alles ein bisschen fördert, fördert am End’ niemanden richtig.

Dass im Aargau nicht nur Breite, sondern auch Spitze blüht, war am letzten Montag in Zürich wieder einmal zu hören: Unserem Leuchtturm «argovia philharmonic» – 60 leidenschaftliche, hochprofessionell arbeitende Musiker, welche unter ihrem britischen Leitwolf Douglas Bostock zu einem Schweizer Spitzenorchester gereift sind – gelang in der Tonhalle ein triumphaler Auftritt mit Beethoven. Des Aargauers Herz klopfte rasch und stolz. Und wer war der ebenso umjubelte Solist? Natürlich: ein Aargauer! Der in Umiken aufgewachsene Geiger Sebastian Bohren gehört mit erst 30 Jahren bereits zu den Spitzenkönnern seines Fachs. 2015 erhielt er ein Werkjahr des Aargauer Kuratoriums und war Festival Artist beim Boswiler Sommer. Merke: Zum Aufstieg in den Kulturhimmel gehören Talent, harte Arbeit – aber eben auch Geld.

Hans Fahrländer war Chefredaktor der Aargauer Zeitung und schreibt über Aargauer Politik.

hans.fahrländer@azmedien.ch

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