Jagdgesetz

Aargauer Komitee will Biber und Co. vor dem Abschuss retten

Die Biber sind im Kanton Aargau auf dem Vormarsch. Er ist eines jener Tiere, die bei einem Ja zum neuen Jagdgesetz auf der Abschussliste landen könnten.

Die Biber sind im Kanton Aargau auf dem Vormarsch. Er ist eines jener Tiere, die bei einem Ja zum neuen Jagdgesetz auf der Abschussliste landen könnten.

Die Gegner des neuen Jagdgesetzes, über das am 27. September abgestimmt wird, haben den Abstimmungskampf eröffnet. Sie wollen das «missratene Abschussgesetz» verhindern; auch zum Schutz des Waldes.

Am 27. September können die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger im Aargau gleich über fünf eidgenössische und drei kantonale Vorlagen entscheiden – darunter auch das nationale Jagdgesetz. Naturschutzverbände haben gegen das aus ihrer Sicht «missratene Abschussgesetz» das Referendum ergriffen.

Im Aargau hat sich ein regionales Komitee formiert, das für ein Nein kämpft. Das neue Gesetz betreffe auch den Aargau, sagt Matthias Betsche, Präsident von Pro Natura Aargau. «Auch bei uns leben geschützte Tierarten, die auf die Abschussliste kommen könnten», sagte er am Freitag vor den Medien.
So etwa der Biber, wie Grünen-Nationalrätin Irène Kälin ausführte. Dieser sei schon einmal auf der Abschussliste gewesen und wieder rausgefallen. «Das Risiko ist aber real, dass der Biber wieder auf der Liste kommt.» Für Kälin verletzt das neue Gesetz die Balance zwischen Schutz, Regulierung und Jagd in krasser Art und Weise.

Aarau hat ein neues Hobby: Biber-Spotting an der Aare

Biber beim Zurlindensteg an der Aare in Aarau (Juli 2017)

Bundesrat kann die Abschussliste nach Belieben anpassen

Das Komitee kritisiert, dass der Bundesrat die Liste der geschützten Tieren, die geschossen werden können ohne Parlamentsbeschluss oder Volksabstimmung beliebig erweitern kann. Neben Steinbock und Wolf könnten plötzlich weitere Tierarten wie Biber, Luchs oder Graureiher betroffen sein.

Das Aargauer Gegenkomitee ist breit abgestützt – neben der SP, den Grünen und Naturschutzverbänden, bekämpfen auch Mitglieder der CVP und FDP sowie Jäger und Förster das neue Gesetz. Einer von ihnen ist Thomas Burger. Er stört sich daran, dass der Wolf künftig auch zur «Erhaltung regional angemessener Wildbestände» reguliert werden soll. «Für mich sind Wolf und Luchs Ergänzungen zu einer ökologischen Jagd und nicht primär Konkurrenten der Jäger», sagte er.

Biber knabbern Bäume – und Äpfel, wie dieses Video aus einem Aarauer Garten zeigt

Biber knabbern Bäume – und Äpfel, wie dieses Video aus einem Aarauer Garten zeigt (Juli 2018)

Wer nahe an der Aare wohnt, kann schon mal Besuch von einem Biber bekommen. Dieser hier raschelte am heiterhellen Tag durch einen Aarauer Garten und knabberte genüsslich an den Äpfeln, die dort im Gras lagen. 

«Es geht auch um den Schutz des Waldes»

In die gleiche Richtung argumentierte SP-Nationalrätin Gabriela Suter: «Es geht nicht nur um Artenschutz, sondern auch um den Schutz des Waldes.» Luchs und Wolf würden den Wildbestand auf natürliche Art regulieren, dadurch würden Rehe weniger Schäden an jungen Bäumen anrichten.

Für CVP-Grossrätin Sabine Sutter-Suter wird das Wort Wildschutzgebiet «zur Farce, wenn geschützte Arten darin gejagt werden dürfen». Biobäuerin und Grünen-Grossrätin Gertrud Häseli kritisiert, dass mit dem Gesetz geschützte Tiere abgeschossen werden können, «ohne dass vorher zumutbare Massnahmen zum Herdenschutz ergriffen wurden». Sie sagte weiter, die Verluste durch den Wolf seien im Verhältnis zu vernachlässigen.

FDP-Nationalrat Mathias Jauslin fehlte an der Medienkonferenz. Doch auch er bekämpft das neue Jagdgesetz – genau wie seine Kantonalpartei. Die Geschäftsleitung der FDP Aargau hat die Nein-
Parole beschlossen, obwohl einige Parteimitglieder, wie Nationalrätin Maja Riniker, im Pro-Komitee sind.

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