Musik-Clip

Aargauer Klassikformation Chaarts gewinnt Hauptpreis des New York Festivals

Gewinnerfilm «EQUAL - a vision of beauty» von Chaarts

Gewinnerfilm «EQUAL - a vision of beauty» von Chaarts

Auszug aus dem Violinkonzert op. 61 von Ludwig van Beethoven Der Film wurde während der Aufnahmesession im Kloster Rheinau von avista films produziert.

Die Aargauer Klassikformation Chaarts gewinnt für einen Musik-Clip am New York Festival die Gold World Medal. Intendant und Cellist Andreas Fleck weiss, dass man manchmal lieber Beethoven sprechen lassen soll, und dass die meisten von uns ständig Klassik hören, ohne es zu merken.

Andreas Fleck, Sie haben zum neuen Album von Chaarts mit dem Geiger Sebastian Bohren den Filmclip „Equal“ gedreht. Warum ein Violinkonzert als Film?

Andreas Fleck: Der musikalische Aufhänger ist das Larghetto von Beethovens Violinkonzert. Paradox an diesem Werk ist, dass es als das klassische Werk gilt und den Geigen-Solisten auf eine überirdisch-erhabene Stufe stellt. Die Melodien aber liegen im Orchester.

Der Solist ist also gar nicht so überirdisch?

Er begleitet die über 40 Musiker des Orchesters. Mit dem Film „Equal“ stellen wir die Beteiligten auf eine Ebene, da es in der Musik keine unwichtigen Rollen gibt.

Der Film wurde gestern am New York Festivals Awards mit der Gold World Medal ausgezeichnet – für den weltweit besten Film in seiner Kategorie. Ist Beethoven nicht nur ein genialer Komponist für Klassik-Fans, sondern auch ein genialer Stoff für Film-Fans?

Uns ging es um die Schönheit seiner Musik und dazu haben wir die Bilder komponiert. Der Dreh fand auf der Insel Rheinau statt – ein unvergleichbarer kontemplativer Ort. Die eminente Wirkung von Musik in Filmen wird sicher unterschätzt und viele wissen nicht, dass sie oft klassische Musik hören.

Was ist Ihnen und Regisseur Michael Spindler haben Sie besser gemacht als andere?

In Filmen zu Musik gibt es meist Interviews. In unserem Film kommt niemand zu Wort. Die Bilder und Gesichter sprechen für sich. Das verlangt eine besondere Sorgfalt.

Sie sind einer der innovativsten Klassik-Veranstalter der Schweiz. Wie entstand die Idee, gemeinsam einen Filmclip zu drehen?

Chaarts hat eine grosse Fangemeinde im Internet. Wir wollten über den Spirit dieses Ensembles im Allgemeinen und die Beethoven-Produktion im Speziellen erzählen.

Die Musiker von Chaarts sind es gewohnt zu performen. War es für sie ein kleiner Schritt von der Bühne vor die Kamera?

Beim Aufwachen oder Duschen gefilmt zu werden ist sicherlich ungewohnt. Michael Spindler aber ist sehr sensibel und schafft Vertrauen für seine Ideen.

Der Clip zeigt Musik als Vision. Die Musiker träumen, stehen auf, tagträumen. Das ist ästhetisch, das ist wunderschön, entspricht aber wenig dem realen Probealltag...

Genau darum geht es. Wer sich und anderen zuhört, kann eintauchen und sich in seinem Spiel verknüpfen. So entsteht auch die kraftvolle Ausstrahlung von Chaarts.

Auch Beethovens Musik hat eine ungeheure Kraft. Ist sie immer auch die Utopie einer besseren Welt?

Beethovens Musik ist so universal wie menschliche Fähigkeiten überhaupt sein können. Deshalb ist wohl auch eine Schallplatte mit seiner Cavatina seit 1977 für mindestens 500 Millionen Jahre mit Voyager 1 und 2 unterwegs durchs Weltall.

Stichwort Zukunft: Viele sinfonische Werke sind für einen Videoclip zu lang. Sie haben Beethoven gekürzt. Muss man manchmal mit den Heiligtümern der Klassik brechen, um neue Formate zu finden?

Um einen 45-minütigen Konzert-Film ist es uns nicht gegangen, das gibt es in ausreichender Zahl. Hier wird von einem Prinzip erzählt, der Vision von Zusammenspiel und Schönheit.

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Autorin

Anna Kardos

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