Kino
Aargauer Kinos: Bis zu 15 Prozent weniger Eintritte im 2013

Es gab im vergangenen Jahr keinen Kinohit. Das spürten alle Aargauer Kinobetreiber. Geteilt sind die Meinungen, ob daran der Schweizer Film schuld ist oder ob er vielmehr die Rettung des schwachen Kinojahrs war.

Aline Wüst
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Leere Plätze in den Kinos: Auch in den Aargauer Spielstätten 2013 fast ein Dauerzustand.

Leere Plätze in den Kinos: Auch in den Aargauer Spielstätten 2013 fast ein Dauerzustand.

Keystone

«Cinema 8»-Betreiber Rolf Häfeli wird die Aargauer Kinolandschaft dieses Jahr auf den Kopf stellen: Voraussichtlich im Herbst eröffnet er sein neues Megakino in Schöftland.

Aufs Dach bekommen hat aber auch Häfeli im vergangenen Jahr: 15 Prozent weniger Eintritte verkaufte er gegenüber dem Vorjahr. Damit verlor der Landkino-Betreiber sogar noch ein bisschen mehr Kinogäste als seine Mitbewerber in Aarau und Baden.

Trotzdem ist Häfeli guten Mutes – der Bauer ernte schliesslich auch nicht jedes Jahr gleich viele Kartoffeln, sagt er. Schwankungen seien in diesem Geschäft normal. Für Häfeli ist klar, dass der Ausbau des Kinos der einzig richtige Weg ist. Ausbau bedeutet bei Häfeli: Plus vier Leinwände, zwei Restaurants, Hotel, Bowlinganlage und eigene Brauerei im Kinokomplex. Investitionen von rund 16 Millionen Franken.

Keine Kassenschlager

«Mutig», nennen die Mitbewerber im Aargauer Kinogeschäft die Pläne von Rolf Häfeli. Einer davon ist Rolf Portmann, der die Aarauer Kinos «Schloss und «Ideal» mit insgesamt 1000 Plätzen betreibt. Zehn Prozent weniger Besucher schauten sich bei ihm 2013 einen Film an. Im Schnitt verloren Schweizer Kinobetreiber im vergangenen Jahr rund elf Prozent ihrer Gäste, wie die «Schweiz am Sonntag» meldete. Verantwortlich dafür sei das Wetter und die eher schwachen Filme, sagt Portmann. 2013 fehlten die Überflieger. Anders im 2012: Da liessen «Skyfall» und «Intouchables» jede Kinokasse klingeln.

Portmann ärgert sich aber über etwas anderes – die Schweizer-Filmproduktion, die kaum Leute in seine Kinosäle ziehe. Anders in Deutschland, dort sei das Kinojahr dank heimischer Produktionen gut gewesen. Schweizer Filme seien hingegen oft zu künstlerisch und zielten an den Wünschen des Publikums vorbei. Portmann hofft, dass die Fördergelder künftig besser verteilt werden und wieder einmal ein Schweizer-Film die Kinosäle füllt – wie damals bei «Herbstzeitlosen», oder «Achtung, fertig, Charlie!»

Die Filme noch besser auswählen

Ganz anders sehen das die Sterk-Kinobetreiber in Baden: Der Schweizer-Film sei das einzige erfreuliche, wenn man die Zahlen des vergangenen Jahres anschaue, sagt Alexandra Sterk. 60 Prozent mehr Eintritte als im Vorjahr verzeichneten ihre drei Kinos mit Schweizer Filmproduktionen. Alles in allem waren es auch in Baden zehn Prozent weniger Eintritte als 2012. Was die Sterk-Familie tun will, damit 2014 besser wird? Noch besser auswählen – von den 1000 angebotenen Filmen, können in den zwei Badener und dem Wettinger Kino 300 Filme gezeigt werden. Zudem werde im Kino «Trafo» renoviert, eine Kino-App entwickelt und die Website erneuert.

Alles beim Alten bleibt im «Fricks Monti. Das Fricker Kino mit 177 Plätzen, Restaurant, Bar und Kulturbühne hat das schwache Kinojahr weniger hart getroffen als andere. Minus fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr, bilanziert Philipp Weiss. Er betreibt das Kino zusammen mit Martina Welti bereits seit über 20 Jahren. Weiss erzählt, dass das Kinogeschäft unberechenbar sei wie ein Glücksspiel – dafür extrem lebendig halte. Wünschen würde Weiss sich trotzdem jedes Jahr einen James-Bond-Film. Er ist nicht der Einzige mit diesem Wunsch. Alle Aargauer Kino-Betreiber sprechen schon vom neuen James Bond, der voraussichtlich 2015 erscheinen wird.

Eine Ausnahme ist Hansjörg Beck, der das Kino Rex in Wohlen betreibt. Er freut sich auf den Film «Dr Goalie bin ig», der im Februar anläuft. Zahlen zum vergangenen Jahr, hat er noch keine. Aber Schwankungen im Kinogeschäft seien kein Drama. Und ein Film, der überraschend zum Publikumsliebling werde, sei auch dieses Jahr noch möglich, sagt Beck.