Neue Therapie

Aargauer Kantonsspitäler streiten sich um Pionierrolle im Kampf gegen Prostatakrebs

Die Aargauer Kantonsspitäler streiten sich um Pionierrolle im Kampf gegen Prostatakrebs mit dem neuen «hochintensiven fokussierten Ultraschall»

Die Aargauer Kantonsspitäler streiten sich um Pionierrolle im Kampf gegen Prostatakrebs mit dem neuen «hochintensiven fokussierten Ultraschall»

Obwohl es eigentlich eindeutig ist: In Aarau will man nicht anerkennen, dass Baden bei einer neuen Therapie die Nase vorn hat.

Die Idee, die Kantonsspitäler Aarau und Baden mit zwei Standorten unter einer Führung zu vereinen, scheiterte vor fünf Jahren im Ansatz. Stattdessen wurden die Spitäler darauf verpflichtet, Koordination und Kooperation zu intensivieren und gewisse Behandlungen aus dem Gebiet der spezialisierten Medizin gemeinsam anzubieten und an einem Standort zu konzentrieren.

Das funktioniert in manchen Bereichen gut, in anderen bleibt man harter Konkurrent. Eine Episode um die Einführung eines neuen Verfahrens zur Behandlung von Prostatakrebs veranschaulicht das auf schon fast bizarre Weise:

In der Montagausgabe meldete die az, das Kantonsspital Baden habe erfolgreich die ersten Prostatakrebs-Patienten mit dem neuen «hochintensiven fokussierten Ultraschall» (HIFU) behandelt. Eine Pionierleistung: Baden verfüge als erstes Kantonsspital der Schweiz über dieses neuartige und schonende Therapieverfahren.

Die Antwort aus Aarau liess nicht auf sich warten: Auch hier verfüge man schon seit einigen Monaten über ein HIFU-Gerät, Baden sei somit mitnichten das erste Kantonsspital, das die Technik eingeführt hat. Auf die verlangte Richtigstellung hin traf aber postwendend wieder die Antwort aus Baden ein: «Gegendarstellung». Man sehe sich gezwungen, «zu den zu Unrecht erhobenen Vorwürfen» Stellung zu nehmen. Es sei eine «Tatsache», dass das Kantonsspital Aarau im Gegensatz zu Baden nicht im Besitz eines Geräts für die hochintensive fokussierte Ultraschall-Therapie sei und dort auch noch kein einziger Patient mit dieser neuartigen Therapie behandelt wurde.

Kein Patient in Aarau behandelt

Ja was nun, schmückt sich hier jemand mit fremden Federn - oder doch nicht? Auf Nachfrage hält das Kantonsspital Aarau an seiner Darstellung fest: Man habe ein entsprechendes Gerät zwar nicht in Besitz, sondern nur gemietet, aber es stehe zur Verfügung. Und somit sei auch die Aussage korrekt, dass das neue Therapieverfahren auch in Aarau seit Oktober angeboten wird und Baden nicht das erste Kantonsspital ist, das die neue Technik eingeführt hat.
Doch die Kollegen in Baden sind gut informiert: Das Kantonsspital Aarau musste gestern einräumen, dass hier tatsächlich noch kein Patient behandelt wurde. «Dies haben wir jedoch auch nicht behauptet», so KSA-Sprecherin Andrea Rüegg. Solche Spitzfindigkeiten quittiert man wiederum in Baden mit Kopfschütteln. Entscheidend sei doch wohl, ob die Therapie schon angewendet wurde, meint Sprecher Marco Bellafiore auf die Pionierrolle des Kantonsspitals Baden beharrend.

Kurt Lehmann, der Leitende Arzt der Urologie in Baden, geht übrigens davon aus, dass die neue Technik etwa für einen Viertel der Patienten mit der Neudiagnose Prostatakrebs eine geeignete Alternative zu den herkömmlichen Therapien ist, «Tendenz steigend». Das wären in Baden so um die 30 Fälle im Jahr.

Der Punkt: In vielen Fällen ist wohl ein Prostatakrebs nachgewiesen, aber es besteht nur eine geringe Gefahr, dass die Krankheit tödlich verlaufen würde und somit eine Operation oder Bestrahlung wirklich unumgänglich ist. Mit dem hochintensiven fokussierten Ultraschall steht nun die (an sich nicht neue, aber in den letzten Jahren enorm verfeinerte) Technik für eine organerhaltende Therapie zur Verfügung: Die Ultraschallwellen werden punktgenau gebündelt und die Krebszellen zerstört, die übrige Prostata wird geschont und bleibt erhalten - und somit auch die Funktion des Organs und wichtige Nerven und Gefässe in dessen direkter Nachbarschaft.

Bei den bisherigen Therapiemöglichkeiten wurde immer die komplette Prostata behandelt, nicht selten mit äusserst unangenehmen Folgen wie Inkontinenz und Impotenz. Die neue Ultraschall-Technik ist allerdings nach wie vor nicht kassenpflichtig, erklärt Kurt Lehmann - dabei sei sie kostengünstiger als Operation oder Bestrahlung.

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