Statistik
Aargauer Kantonspolizei geht gegen telefonierende Autofahrer vor: «Das Resultat erschreckt mich»

Unaufmerksamkeit ist seit Jahren eine häufige (Mit-)Ursache für Verkehrsunfälle. Nebst dem Handy werden Autofahrer auch durch viele Verkehrsschilder, Mitfahrer und durch Musik abgelenkt.

Dominic Kobelt
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Knapp ein Drittel der kontrollierten Personen telefonierten während dem Fahren. (Symbolbild)

Knapp ein Drittel der kontrollierten Personen telefonierten während dem Fahren. (Symbolbild)

mt

Die Kantonspolizei führte während einer Woche eine Schwerpunktaktion gegen Ablenkung durch. Dabei wurden 400 Fahrzeuge kontrolliert, 120 Fahrer wurden erwischt, wie sie ohne Freisprecheinrichtung telefonierten. Das entspricht wohl in etwa dem Durchschnitt, wie eine Umfrage der Beratungsstelle für Unfallverhütung (Bfu) unlängst zeigte. 30 Prozent der Autofahrer telefonieren oft bis gelegentlich am Steuer. Wer dabei erwischt wird, den erwartet eine Ordnungsbusse von 100 Franken.

Bei der Schwerpunktaktion konnte die Polizei auch 30 Personen stoppen, die auf ihrem Telefon herumdrückten. Diese wurden bei der Staatsanwaltschaft verzeigt. Für sie könnte es wesentlich teurer werden, die Anzeigen können zu hohen Geldbussen oder auch zum Entzug des Führerausweises führen. Im schlimmsten Fall droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

Ob die Massnahmen wirklich greifen, sprich ob sich die Autofahrer langfristig vernünftiger verhalten, lasse sich schwer sagen, erklärt Roland Pfister, Mediensprecher der Kantonspolizei. «Die meisten fühlen sich ertappt, zeigen sich einsichtig und akzeptieren die Strafe. Oft haben sie auch eine Erklärung parat, warum der Anruf besonders wichtig war.» Schwieriger sei es bei denjenigen, die bei einer Manipulation, wie das Herumhantieren am Handy im Fachjargon heisst, erwischt werden. «Weil da eine höhere Strafe droht, wird öfters nach einem Beweis gefragt.» Manche Fahrzeuge der Polizei sind mit Videokamera ausgestattet, so dass etwa das Fahren in Schlangenlinien dokumentiert werden kann. Grundsätzlich kann sich die Staatsanwaltschaft aber auch auf die Aussagen der Polizeibeamten abstützen.

Die Polizei habe nicht sonderlich viele Ressourcen, um nach Autofahrern Ausschau zu halten, die telefonieren, erklärt Pfister. «Jetzt haben wir eine Woche lang einen Schwerpunkt darauf gelegt – das Resultat erschreckt mich.»

Handy hat häufig Mitschuld

Ein Blick in die Statistik zeigt: Unaufmerksamkeit beim Fahren ist seit Jahren eine häufige Unfallursache. Dabei wird unterschieden, ob die Ablenkung nur zum Unfall beigetragen hat, oder ob es die Hauptursache war. Pro Unfall kann die Polizei bis zu drei Ursachen erfassen.

Die gute Nachricht: Die Unfälle mit Hauptursache «Unaufmerksamkeit und Ablenkung» haben in den letzen vier Jahren leicht abgenommen. Trotzdem scheint das Handy bei vielen Unfällen eine Mitschuld zu tragen, wie die zweite Kategorie zeigt:

Allerdings ist das Mobiltelefon nicht der einzige Grund für Ablenkung. Die Bfu schreibt zu den Ursachen:

  • Ausserhalb des Fahrzeugs: Auffällige Personen, attraktive Panoramen oder zu viele Schilder beeinträchtigen die visuelle Informationsaufnahme.
  • Aktivitäten innerhalb des Fahrzeugs: Diese können kognitive Ressourcen binden (z. B. Telefonieren), die Bedienung des Fahrzeugs beeinträchtigen (z. B. Rauchen) oder die visuelle Informationsaufnahme hemmen (z. B. nach einem in Bewegung geratenen Objekt greifen).
  • Schliesslich kann Ablenkung auch durch innere Stimuli hervorgerufen werden (z. B. Träumerei oder über Probleme nachdenken).

Das Gefahrenpotenzial variiere dabei beträchtlich. «Aufgrund der bekannten Forschungsresultate lässt sich herleiten, dass Handybenutzung am Steuer, Stimuli von ausserhalb des Fahrzeugs, Interaktion mit Passagieren sowie das Abspielen von Musikgeräten die sicherheitsrelevantesten Ablenkungsarten sind.» Andere Ablenkungsarten wie freihändig fahren sowie das Greifen nach in Bewegung geratenen Gegenständen seien zwar auch sehr gefährlich, kämen jedoch relativ selten vor.

Wie eine Studie gezeigt hat, ist selbst das Telefonieren mit Freisprechanlage nicht folgenlos. Sie kam zum Schluss, dass die Reaktionszeit um 0,2 Sekunden ansteigt. Andere Forscher kamen gar zu Ergebnissen von einer Erhöhung der Reaktionszeiten von 30 bis 50 Prozent, unabhängig davon, ob mit oder ohne Freisprechanlage telefoniert wird.

Die Kantonspolizei Aargau rät deshalb:

  • Halten Sie auf einem Parkplatz oder Ausstellplatz an, um zu telefonieren.
  • Bedienen Sie das Navigationsgerät vor der Fahrt.
  • Wechseln Sie die CD nicht während der Fahrt.
  • Konzentrieren Sie sich auf die Verkehrssituation und lassen Sie sich nicht ablenken.

Polizeibilder vom März

Zuchwil SO, 29. März: Eine Fahrradfahrerin wird auf dem Fussgängerstreifen von einem Auto erfasst und schwer verletzt ins Spital gebracht.
44 Bilder
Gansingen AG, 29. März: Nach einer Kollision zwischen einem Personenwagen und einem Lastwagen verstirbt der 83-jährige PW-Lenker noch auf der Unfallstelle.
Frick AG, 28. März: Ein Gartenhaus gerät nachts in Brand. Verletzt wird niemand. Die Brandursache ist unklar, die Polizei sucht Zeugen.
Urdorf ZH, 27. März: Ein Lastwagen ist in der Rechtskurve der Autobahneinfahrt Urdorf-Süd Richtung Bern/Zürich umgekippt. Die Einfahrt wurde für mehrere Stunden gesperrt. Der Chauffeur blieb unverletzt, es entstand jedoch ein Sachschaden.
Schmerikon SG, 26. März: Ein Brand hat eine Lagerhalle vollständig zerstört. Es entstand ein Sachschaden von mehr als einer Million.
Luven GR, 25. März: In der Ortschaft Luven im Bündner Oberland ist eine 59-jährige Frau mit ihrem Auto von der Strasse geraten und einen Abhang hinunter gestürzt. Mit mittelschweren Verletzungen wurde sie hospitalisiert.
Grenchen SO, 23. März: In Grenchen gerät ein Teil einer Lagerhalle in Brand. Die Feuerwehr konnte den Brand rasch löschen, die Brandursache ist unbekannt.
Baden AG, 23. März: Unbekannte brechen in eine Waldhütte ein und legen Feuer. Der Sachschaden beläuft sich nach Polizeiangaben auf mehrere Tausend Franken.
Pratteln BL, 22. März: Ein Autofahrer gerät auf die Gegenfahrbahn und kollidiert mit einem parkierten Auto.
Dierikon LU, 22. März: Ein Chauffeur ist mit seinem Lastwagen tödlich verunfallt. Der Lastwagen kam von der Strasse ab und kippte auf die Seite. Der Chauffeur wurde dabei im Fahrzeug eingeklemmt und erlitt tödliche Verletzungen.
A7/Gachnang TG, 22. März: Eine Frau ist bei einem Selbstunfall verletzt worden. Ihr Auto durchbrach die Leitplanke, prallte in den Wildzaun und blieb auf der Seite liegen.
Moosleerau AG. 20. März: Auf einem Feldweg in Moosleerau ist ein schwerer landwirtschaftlicher Anhängerzug umgekippt, der mit 25'000 Liter Gülle beladen war, die fast komplett auslief. Der Fahrer blieb unverletzt. Die Feuerwehr konnte eine grössere Gewässerverschmutzung verhindern.
Menzingen ZG, 16. März (1): Ein Junglenker verliert die Kontrolle über sein Auto. Dieses kam von der Fahrbahn ab, wurde abgehoben, überschlug sich und blieb auf dem Dach liegen.
Menzingen ZG, 16. März (2): Die Beifahrerin wurde eingeklemmt und lebensgefährlich verletzt.
Strada GR, 15. März: Im Unterengadin ist ein Patrouillenfahrzeug der Kantonspolizei Graubünden bei einem Zusammenstoss total beschädigt worden. Die 26-jährige Polizistin am Steuer und ihr Kollege kamen mit dem Schrecken davon.
Sarnen OW, 14. März: Ein Auto ist nach einer Kollision erst in einem Garten zum Stillstand gekommen. Eine Person wurde dabei leicht verletzt, es entstand erheblicher Sachschaden.
Zug, 14. März: Ein 85-Jähriger ist vom Brems- aufs Gaspedal gerutscht. Dabei krachte das Auto ins Schaufenster eines Kleidergeschäfts, verletzt wurde niemand.
Malters LU, 14. März: Ein 70-jähriger Autofahrer ist bei einer Frontalkollision mit einem Lastwagen verstorben. Der Lastwagenfahrer blieb unverletzt.
Vorderthal SZ, 14. März: Ein 18-Jähriger durchbrach mitten in der Nacht mit seinem Auto die Leitplanke und fuhr die Böschung hinunter. Der Lenker wurde eingeklemmt und musste schwer verletzt mit der Rega ins Spital geflogen werden. Insgesamt wurden vier Personen verletzt.
Cham ZG, 13. März: Die Irrfahrt einer alkoholisierten Autofahrerin hat auf einer Stützmauer ein abruptes Ende genommen. Die 53-Jährige war von der Quartierstrasse abgekommen und durch einen Vorgarten gefahren.
Oberwil-Lieli AG, 13. März: Ein 31-jähriger Schweizer kam mit seinem Ford im Umfahrungstunnel auf die Gegenfahrbahn. Dort prallte er frontal mit einem BMW zusammen. Die Lenkerin, eine 37-jährige Slowakin wurde im komplett eingedrückten Auto eingeklemmt. Die BMW-Fahrerin musste von der Feuerwehr mit grossem Aufwand geborgen und mit Verdacht auf mittelschwere Verletzung per Rettungshelikopter ins Spital geflogen werden.
Opfikon ZH, 12. März: Ein Küchenbrand in der Parterrewohnung eines Mehrfamilienhauses hinterliess einen Sachschaden von mehreren zehntausend Franken. Zwei Frauen wurden mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Spital gebracht.
Siblingen SH, 11. März: Auf der schneebedeckten Fahrbahn geriet ein Sattelschlepperfahrer von der Strasse ab und kollidierte mit einer Leitplanke und schlitterte noch 100 Meter weiter. Am Fahrzeug und an der Leitplanke entstand erheblicher Sachschaden.
Rheinfelden AG, 11. März: Ein 55-jähriger Motorradfahrer stürzte abends in Richtung Kaiseraugst aus noch unbekannten Gründen und verletzte sich mittelschwer. Die Unfallursache wird durch die Kantonspolizei abgeklärt. Am Motorrad entstand Totalschaden.
Unterwasser SG, 11. März: Bei einer Frontalkollision wurde eine Beifahrerin verletzt. Aufgrund der Strassenverhältnisse verlor der Fahrer die Kontrolle über sein Auto. Der Sachschaden beläuft sich auf 20'000 Franken.
Mels SG, 11. März: Im Dachboden einer Scheuen brach ein Mottbrand aus. Der Sachschaden beläuft sich auf 10'000 Franken.
Rabius GR, 10. März: Ein Brand in der Eventhalle hat grossen Sachschaden verursacht. Verletzt wurde niemand.
Küssnacht SZ, 9. März: Ein Autofahrer kam in der Linkskurve von der Strasse ab und prallte in eine Infotafel. Das Auto überschlug sich durch den Aufprall, der Fahrer wurde nur leicht verletzt.
Oberägeri ZG, 9. März: Den Fuss unter dem Bremspedal eingeklemmt hat eine 31-jährige Autofahrerin bei einem Unfall am Samstag in Oberägeri. Sie wollte einem Tier ausweichen, kam von der Strasse ab und prallte in einen Holzbrunnen. Der Rettungsdienst brachte sie ins Spital.
Würenlingen AG, 9. März: Bei einem heftigen Zusammenstoss mit einem Kandelaber verunfallte eine 54-Jährige Lenker am Samstag in Würenlingen. Die Lenkerin musste durch die Feuerwehr geborgen und ins Spital gebracht werden. Am Fahrzeug entstand Totalschaden.
Zugersee, 8. März: Auf dem Zugersee ist ein Sportruderboot mit vier Frauen an Bord gekentert. Die Opfer konnten stark unterkühlt aber unverletzt aus dem See gerettet werden, vermisst wird niemand.
Maienfeld GR: Bei einem Auffahrunfall mit anschliessender Folgekollision sind drei Lenker verletzt worden. Ein Auto war nach einem Überschlag auf dem Dach gelandet. Der Verkehr wurde stundenlang umgeleitet.
Mägenwil/Birrfeld/A1, 7. März: Auf der Autobahn A1 ereignete sich ein Unfall, in den insgesamt 13 Fahrzeuge involviert waren. Ein Mann wurde verletzt.
Hergiswil NW, 6. März: Sachschaden von mehreren hunderttausend Franken hat ein Lastwagen auf der Autobahn A2 zwischen Luzern und Hergiswil NW angerichtet. Der Chauffeur hatte wohl ein gesundheitliches Problem, als er die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor.
Reinach BL, 4./5. März: Ein unbekanntes Fahrzeug ist auf einer Kreiselmitte mit einer Birke kollidiert. Der Baum wurde dabei ausgerissen und fiel zu Boden.
Bonstetten ZH, 4. März: 24-jähriger Autolenker gerät aus noch unbekannten Gründen auf die Gegenfahrbahn und kollidiert Frontal mit dem Auto einer 48-Jährigen. Der 24-jährige Mann wurde nur leicht verletzt, während sich die 48-jährige Frau mittelschwere Verletzungen zuzog.
Breitenbach SO, 2.März: Ein Auto krachte in parkierte Fahrzeuge und überschlug sich. Der 70-jährige Lenker musste mittelschwer verletzt mit der Rega ins Spital geflogen werden.
Oensingen SO, 1.März: Auf der Autostrasse zwischen Oensingen und Balsthal kam es zu einer Kollision zwischen drei Personenwagen. Zwei Personen wurden dabei verletzt.
Unfall auf dem Kaistenberg vom 1. März 2019
A2 bei Hägendorf SO, 28.Februar: Ein Autoanhänger kippte auf die Seite. Der Lenker zog sich leichte Verletzungen zu. Die Autobahn A2 in Richtung Luzern war mehrere Stunden gesperrt.
Lohn GR, 28. Februar: Im Viamala-Tunnel auf der A13 ist ein Lieferwagen mit einem Wohnmobil zusammengestossen. Die Fahrerin des Wohnmobils wurde beim Unfall eingeklemmt und leicht verletzt.
Gretzenbach SO, 26. Februar: Automobilist weicht entgegenkommendem Kleinwagen aus und prallt in Baum. Der Verunfallte zog sich leichte Verletzungen zu. Der Lenker des Kleinwagens fährt ohne Hilfeleistung weiter.
Gretzenbach SO, 26. Februar: Automobilist weicht entgegenkommendem Kleinwagen aus und prallt in Baum. Der Verunfallte zog sich leichte Verletzungen zu. Der Lenker des Kleinwagens fährt ohne Hilfeleistung weiter.
Baden-Dättwil, AG: Ein 31-jähriger Automobilist fährt über Rot und prallt mit einem Auto zusammen.

Zuchwil SO, 29. März: Eine Fahrradfahrerin wird auf dem Fussgängerstreifen von einem Auto erfasst und schwer verletzt ins Spital gebracht.

Kapo SO