Die Kantonspolizei führte während einer Woche eine Schwerpunktaktion gegen Ablenkung durch. Dabei wurden 400 Fahrzeuge kontrolliert, 120 Fahrer wurden erwischt, wie sie ohne Freisprecheinrichtung telefonierten. Das entspricht wohl in etwa dem Durchschnitt, wie eine Umfrage der Beratungsstelle für Unfallverhütung (Bfu) unlängst zeigte. 30 Prozent der Autofahrer telefonieren oft bis gelegentlich am Steuer. Wer dabei erwischt wird, den erwartet eine Ordnungsbusse von 100 Franken. 

Bei der Schwerpunktaktion konnte die Polizei auch 30 Personen stoppen, die auf ihrem Telefon herumdrückten. Diese wurden bei der Staatsanwaltschaft verzeigt. Für sie könnte es wesentlich teurer werden, die Anzeigen können zu hohen Geldbussen oder auch zum Entzug des Führerausweises führen. Im schlimmsten Fall droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

Ob die Massnahmen wirklich greifen, sprich ob sich die Autofahrer langfristig vernünftiger verhalten, lasse sich schwer sagen, erklärt Roland Pfister, Mediensprecher der Kantonspolizei. «Die meisten fühlen sich ertappt, zeigen sich einsichtig und akzeptieren die Strafe. Oft haben sie auch eine Erklärung parat, warum der Anruf besonders wichtig war.» Schwieriger sei es bei denjenigen, die bei einer Manipulation, wie das Herumhantieren am Handy im Fachjargon heisst, erwischt werden. «Weil da eine höhere Strafe droht, wird öfters nach einem Beweis gefragt.» Manche Fahrzeuge der Polizei sind mit Videokamera ausgestattet, so dass etwa das Fahren in Schlangenlinien dokumentiert werden kann. Grundsätzlich kann sich die Staatsanwaltschaft aber auch auf die Aussagen der Polizeibeamten abstützen. 

Die Polizei habe nicht sonderlich viele Ressourcen, um nach Autofahrern Ausschau zu halten, die telefonieren, erklärt Pfister. «Jetzt haben wir eine Woche lang einen Schwerpunkt darauf gelegt – das Resultat erschreckt mich.»

Handy hat häufig Mitschuld

Ein Blick in die Statistik zeigt: Unaufmerksamkeit beim Fahren ist seit Jahren eine häufige Unfallursache. Dabei wird unterschieden, ob die Ablenkung nur zum Unfall beigetragen hat, oder ob es die Hauptursache war. Pro Unfall kann die Polizei bis zu drei Ursachen erfassen.

Die gute Nachricht: Die Unfälle mit Hauptursache «Unaufmerksamkeit und Ablenkung» haben in den letzen vier Jahren leicht abgenommen. Trotzdem scheint das Handy bei vielen Unfällen eine Mitschuld zu tragen, wie die zweite Kategorie zeigt:

Allerdings ist das Mobiltelefon nicht der einzige Grund für Ablenkung. Die Bfu schreibt zu den Ursachen:

  • Ausserhalb des Fahrzeugs: Auffällige Personen, attraktive Panoramen oder zu viele Schilder beeinträchtigen die visuelle Informationsaufnahme.
  • Aktivitäten innerhalb des Fahrzeugs: Diese können kognitive Ressourcen binden (z. B. Telefonieren), die Bedienung des Fahrzeugs beeinträchtigen (z. B. Rauchen) oder die visuelle Informationsaufnahme hemmen (z. B. nach einem in Bewegung geratenen Objekt greifen).
  • Schliesslich kann Ablenkung auch durch innere Stimuli hervorgerufen werden (z. B. Träumerei oder über Probleme nachdenken).

Das Gefahrenpotenzial variiere dabei beträchtlich. «Aufgrund der bekannten Forschungsresultate lässt sich herleiten, dass Handybenutzung am Steuer, Stimuli von ausserhalb des Fahrzeugs, Interaktion mit Passagieren sowie das Abspielen von Musikgeräten die sicherheitsrelevantesten Ablenkungsarten sind.» Andere Ablenkungsarten wie freihändig fahren sowie das Greifen nach in Bewegung geratenen Gegenständen seien zwar auch sehr gefährlich, kämen jedoch relativ selten vor.

Wie eine Studie gezeigt hat, ist selbst das Telefonieren mit Freisprechanlage nicht folgenlos. Sie kam zum Schluss, dass die Reaktionszeit um 0,2 Sekunden ansteigt. Andere Forscher kamen gar zu Ergebnissen von einer Erhöhung der Reaktionszeiten von 30 bis 50 Prozent, unabhängig davon, ob mit oder ohne Freisprechanlage telefoniert wird. 

Die Kantonspolizei Aargau rät deshalb:

  • Halten Sie auf einem Parkplatz oder Ausstellplatz an, um zu telefonieren.
  • Bedienen Sie das Navigationsgerät vor der Fahrt.
  • Wechseln Sie die CD nicht während der Fahrt.
  • Konzentrieren Sie sich auf die Verkehrssituation und lassen Sie sich nicht ablenken.

Polizeibilder vom März