Aargauer Justiz
So viele Fälle wurden im vergangenen Jahr in den Gerichtssälen des Kantons Aargau verhandelt – die meisten im Familienrecht

Die eingegangenen und behandelten Fälle an den Gerichten im Aargau bewegen sich auf dem Niveau des Vorjahres. Auffällig: Zu mehr Konkursen kam es trotz Corona nicht. Für 2021 erwartet das zuständige Amt jedoch eine Zunahme.

Alessandro Crippa
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Hier in Baden wurden 6945 Fälle vor dem Bezirksgericht verhandelt. Im Jahr 2020 ist das der höchste Wert der elf Aargauer Bezirksgerichte.

Hier in Baden wurden 6945 Fälle vor dem Bezirksgericht verhandelt. Im Jahr 2020 ist das der höchste Wert der elf Aargauer Bezirksgerichte.

Chris Iseli

Die Gerichte des Kantons Aargau haben diese Woche ihren Geschäftsbericht für das vergangene, durch Corona geprägte Jahr veröffentlicht. Die kurze und knappe Bilanz besagt: «Insgesamt leistungsstarke Gerichte; Rückgang der Konkurseröffnungen.» Doch es lohnt sich auch ein etwas genauerer Blick auf das 134-seitige Dokument.

Die Belastungssituation in der Aargauer Rechtsprechung zeigte sich 2020 insgesamt ausgeglichen, steht in der Mitteilung der Gerichte. Gegenüber dem Vorjahr blieb die Zahl der eingegangenen Fälle praktisch unverändert – sie haben marginal abgenommen: um 0,7 Prozent.

Hohe Fallzahlen im Bereich Familienrecht

Zahlenmässig liegt die Hauptlast nach wie vor bei den elf Bezirksgerichten. Diese behandelten an ihren Standorten in Aarau, Baden, Bremgarten, Brugg, Laufenburg, Lenzburg, Muri, Rheinfelden, Unterkulm, Zofingen und Zurzach knapp 36'000 Fälle. Davon haben rund 19'500 Fälle das Familienrecht betroffen. Dazu schreiben die Gerichte, dass die Verfahren, die das Familienrecht betreffen, auf dem «hohen Niveau der Vorjahre» von 2014 bis 2019 stagniert haben.

Im Normalfall dauert ein Verfahren weniger als drei Monate. In 25'141 der 35'615 Fälle – oder 71 Prozent – war dies so. In 0,26 Prozent der Fälle – konkret in deren 94 – hat ein Verfahren länger als drei Jahre gedauert.

Nur ein Gericht arbeitet mehr Fälle ab, als eingegangen sind

Betrachtet man die elf Bezirksgerichte, fällt auf, dass bloss an einem der Gerichte mehr Fälle erledigt wurden, als eingegangen sind – nämlich am Bezirksgericht Zurzach. Dasjenige in Zofingen hat genau gleich viele Fälle unter «eingegangen» und «erledigt» aufgeführt. Beides Mal liegt die Zahl bei 3959 Fällen. Die meisten Fälle sind am Bezirksgericht Baden eingegangen (7228) und erledigt (6945) worden, am wenigsten in Muri (1515 eingegangen und 1492 erledigt).

Eingegangene und erledigte Fälle an den Bezirksgerichten

Eingegangen Erledigt
Aarau 5178 5088
Baden 7228 6945
Bremgarten 3598 3546
Brugg 2811 2736
Kulm 2699 2649
Laufenburg 1625 1578
Lenzburg 3611 3580
Muri 1515 1492
Rheinfelden 2337 2301
Zofingen 3959 3959
Zurzach 1717 1741

Was aus der Mitteilung der Gerichte weiter hervorgeht, sind folgende Fakten: Beim Obergericht, beim Zwangsmassnahmengericht, beim Spezialverwaltungsgericht sowie bei den Friedensrichterinnen und Friedensrichtern sind insgesamt über 5500 Falleingänge verzeichnet worden.

Die Zahl der Konkurse war mit rund 780 Eröffnungen im Vergleich zum Vorjahr (840 Konkurseröffnungen) rückläufig. Die Zahl der Firmenkonkurse blieb im Vergleich zum Vorjahr konstant, allerdings hatte das Konkursamt deutlich weniger Konkurseröffnungen über natürliche Personen zu verzeichnen. In den Vorjahren, also 2017 und 2018, wurden im Aargau 815 respektive 858 Konkurse angemeldet. Für das laufende Jahr rechnet das Konkursamt jedoch mit einer Zunahme der Konkurse.

Die Covid-19-Pandemie stellte auch die Gerichte Kanton Aargau vor grosse Herausforderungen, teilen diese mit. Ab Mitte März 2020 sind nur noch dringliche Gerichtsverhandlungen durchgeführt worden. Ab Mai 2020 fanden wieder Verhandlungen statt – allerdings im Rahmen der regelmässig aktualisierten Vorgaben der Justizleitung.

Wenn immer möglich, hätten die Mitarbeitenden ihre Tätigkeiten im Homeoffice verrichtet. Dadurch habe der Gerichtsbetrieb jederzeit aufrechterhalten und die Rechtssicherheit gewährleistet werden können, schreiben die Gerichte.