Wahlen 2015
Aargauer Jungfreisinnige verteilen 12'000 falsche Wahlcouverts im Kanton

Im Rahmen einer Werbeaktion verteilen die Aargauer Jungfreisinnigen Tausende Umschläge, die sich auf den ersten Blick nicht von den echten Wahlcouverts unterscheiden. Damit wollen sie aber nicht nur Werbung machen.

Matthias Hug
Drucken
Teilen
Silvano Ammann (links) und Adrian Schoop mit den Wahlcouverts.

Silvano Ammann (links) und Adrian Schoop mit den Wahlcouverts.

ZVG

Bis zum 20. September werden rund 12 000 Stimmbürger in den 20 grössten Gemeinden im Kanton Aargau vermeintliche Wahlunterlagen im Briefkasten finden. Im Couvert, das auf den ersten Blick beinahe identisch mit dem offiziellen Wahl- und Abstimmungscouvert ist, befindet sich kein Wahlzettel, sondern Flyer der Drahtzieher-Partei – den Jungfreisinnigen.

Die Vorderseite des Wahlcouverts der Jungfreisinnigen: Auf den ersten Blick nicht vom Original zu unterscheiden.

Die Vorderseite des Wahlcouverts der Jungfreisinnigen: Auf den ersten Blick nicht vom Original zu unterscheiden.

Zur Verfügung gestellt

Damit keine Verwechslung mit echten Wahlcouverts entsteht, trägt das Werbematerial einen angepassten Text. Zudem wurde mit roter Farbe «Persönliche Wahlempfehlung» aufgedruckt. Auch sind die Umschläge nicht wiederverschliessbar: Die markante perforierte Öffnung ist aber trotzdem vorhanden.

Auf Wahlrecht hinweisen

Mit der Aktion will die Jungpartei auch Eigenwerbung betreiben, der Fokus liegt aber darauf, möglichst viele Stimmbürger zum Urnengang zu bewegen: Bei den letzten Wahlen betrug die Wahlbeteiligung nur 48,5 Prozent. «Mit dem Verteilen der Wahlcouverts wollen wir auf das Wahlrecht und seine Bedeutung aufmerksam machen. Eine zweite Chance gibt es in den nächsten vier Jahren nicht mehr. Wir hoffen, dass die Adressaten mit dieser Massnahme die Wahlen besonders in Erinnerung behalten und zur Wahl bewogen werden», so Anna Wartmann, die Parteipräsidentin in einer Medienmitteilung.

Auch die Rückseite des Stimmcouvert sieht zuerst nach dem Original aus.

Auch die Rückseite des Stimmcouvert sieht zuerst nach dem Original aus.

Zur Verfügung gestellt

Und Wahlkampfleiter Severin Hohler ergänzt: «Vor 40 Jahren hatten wir noch über 50 Prozent Stimmbeteiligung. Wir wollen, dass wieder mehr Leute den Gang zur Urne machen.»

Selbst verteilen

Doch ist die Aktion auch legal? Es sei nicht das erste Mal, dass der Hersteller dieses Umschlagformat im Auftrag von Dritten verschickt habe und auch die Post habe zugesichert, dass sie ein solches Couvert versenden würde, sagt Hohler. Um Geld zu sparen, vertragen es die Parteimitglieder lieber selber. Die Kosten der Aktion lassen sich nur ungefähr beziffern. Die Umschläge sind rund 4000 Franken teuer.

«Im Vergleich zum restlichen Wahlkampf ist das nicht besonders viel. Trotzdem könnten wir es ohne Unterstützung der FDP und unserer Gönner nicht bewerkstelligen.» Möglichen Kritikern entgegnet Hohler: «Als Jungpartei muss man etwas forsch sein, um auf sich aufmerksam zu machen.» Die Jungpartei wolle damit zeigen, dass das Wahlcouvert nicht mehr so heilig ist wie früher. «Wenn sich jemand darüber aufregt, soll er genau darum wählen gehen.»

Aktuelle Nachrichten