Jagdstatistik
Aargauer Jäger schossen nur noch halb so viele Wildschweine – droht jetzt Plage?

Auch Wildschäden gingen massiv zurück. Der Präsident der Aargauer Jäger erklärt die Gründe.

Mathias Küng
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Der milde Winter sorgt für einesteigende Population bei den Wildschweinen. CHR/Archiv

Der milde Winter sorgt für einesteigende Population bei den Wildschweinen. CHR/Archiv

Letztes Jahr haben die Jäger im Aargau 831 Wildschweine geschossen. Das zeigt die soeben publizierte kantonale Jagdstatistik. Im Jahr davor waren es noch 1226 Wildschweine. Im Vergleich zu 2012 haben die Jäger letztes Jahr sogar nur noch halb so viele Wildschweine geschossen. Damals waren es 1628.

Haben die Jäger etwas falsch gemacht, droht jetzt eine neue Wildschweinplage? Rainer Klöti, Präsident der Aargauer Jäger, winkt ab: «Nein, die sinkenden Abschusszahlen sind ein Zeichen dafür, dass sich der Bestand der Wildschweine stabilisiert, eventuell dass er sogar leicht abgenommen hat. Das lässt sich auch daran ablesen, dass nicht nur weniger Wildschweine geschossen worden sind, sondern dass auch die gemeldeten Schäden in der Landwirtschaft rückläufig sind.»

Die Situation hänge natürlich stark vom Nahrungsangebot ab. Klöti: «Vieles hängt von Zufällen ab. Doch hatten wir 2014 einen feuchten und kühlen Sommer, der bei Ferkeln eine erhöhte Sterblichkeit bewirkt haben könnte.» Wenn man sich über geringe Schäden freue, so sei ihm schon bewusst, so Klöti, «dass dies jenen Bauern, deren Felder in einem ’Hotspot’ von Wildschweinschäden liegen, nichts hilft.»

Jäger-Präsident Rainer Klöti hat eine besondere Erklärung für die geringeren Abschüsse sowohl bei Wildschweinen als auch bei Rehen: «Die Gesamtbestände haben im Kanton Aargau jetzt ein für eine gesunde Population oberes Mass erreicht, die Landschaften im Aargau sind mit wild lebenden Tieren gefüllt.»

Nahrung hat grossen Einfluss

Der Umweltingenieur Reto Fischer von der Abteilung Wald, Sektion Jagd und Fischerei beim Kanton betont, dass die Abschüsse und Wildschäden von Jahr zu Jahr stark schwanken. Er teilt aber Klötis Einschätzung, dass die geeigneten Gebiete im Aargau (die Autobahn ist eine massive Ausbreitungshürde) inzwischen grossflächig besiedelt sind.

Weitere Anhaltspunkte für tiefere Abschusszahlen seien, dass es aufgrund vorheriger grösserer Abschüsse weniger Tiere gebe. Zudem bekam der nasse Frühling vielen Frischlingen nicht gut. Einen grossen Einfluss auf die Wildschäden hat das Nahrungsangebot. Wenn die Tiere im Wald genug Futter finden, meiden sie Maisfelder und Wiesen eher.

Dazu kommt aber auch, so Fischer, dass sich ganze Rotten auf Futtersuche ohne weiteres 20 Kilometer verschieben, weshalb auch die Schadengebiete nicht immer am selben Ort sind.

Über 200 000 der 243 000 Franken an gemeldeten Schäden wurden in den Bezirken Laufenburg, Rheinfelden, Zurzach und Brugg registriert. Die grössten gab es mit allein 13 000 Franken im Jagdrevier Möhlin-Nord im Bezirk Rheinfelden.

Bauern fordern mehr Abschüsse

Ralf Bucher, Geschäftsführer des Bauernverbandes Aargau, freut sich über die weniger gemeldeten Schäden, bleibt aber vorsichtig. Schliesslich seien die jüngsten Winterschäden noch nicht Teil der Statistik.

Die verbesserte Situation führt er auf die jüngste Anpassung des Jagdrechts zurück. Dank diesem hätten sich frühere massive Schaden-Hotspots etwas entschärft. Bucher: «Die Wildschweine sind aber immer noch sehr zahlreich und verursachen Schäden. Grund für Jubel gibt es nicht. Die Abschusszahlen müssen wieder steigen, um die Schäden in Grenzen zu halten.»

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