Jagdstatistik
Aargauer Jäger haben gut und oft getroffen

Die Aargauer Jagdstatistik zeigt: Aargauer Jäger haben 2015 mehr Wild geschossen. Jedoch gab es auch mehr Schäden von Wildschwein und Dachs.

Mario Fuchs
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Hat sich erholt: der Dachs.

Hat sich erholt: der Dachs.

Oliver Giel

Vor einem Jahr sagte Ralf Bucher, Geschäftsführer des Aargauer Bauernverbandes, in der az: «Grund für Jubel gibt es nicht. Die Abschlusszahlen müssen wieder steigen, um die Schäden in Grenzen zu halten.» Damals waren die gemeldeten Wildschäden massiv zurückgegangen, gleichzeitig schossen die Aargauer Jäger nur halb so viele Wildschweine (831) wie im Jahr davor (1226). Kurz: Bucher hätte sich freuen können. Doch weil es auch in einem «guten» Jahr einzelne Landwirtschaftsbetriebe gibt – Bucher nennt sie «Hotspots» – die alleine Zehntausende Franken von Schäden vermelden, weil sie mitten in einem Wildschweingebiet liegen, war ihm nicht zum Feiern zumute.

Elektrozäune nützten wenig

Jetzt hat der Kanton Aargau die Jagdstatistik 2015 veröffentlicht. Sie zeigt: Es wurden wieder deutlich mehr Wildschweine erlegt als noch 2014: 1506. Doch jubeln will Ralf Bucher auch heuer nicht: «Erfreulich hohe Zahlen in der Jagdstatistik sind immer ein wenig ein zweischneidiges Schwert». Wenn es höhere Abschusszahlen gebe, gebe es auch höhere Wildschäden. Das korreliere auch in diesem Jahr wieder. Der Bauernverband hat sich eine maximale Schadenssumme von 250 000 Franken zum Ziel gesetzt, 2015 beliefen sich die Schäden laut Bucher auf über 400 000 Franken. «Über alles gesehen», sagt Bucher, «sind die Rahmenbedingungen seit dem neuen Jagdgesetz bedeutend besser geworden. Aber wir sind noch lange nicht dort, wo wir hin wollen.»

Reto Fischer, Fachspezialist in der Sektion Jagd und Fischerei der Abteilung Wald des Kantons Aargau, sagt: «Es hat sich wieder gezeigt, dass die Wildschweine ein sehr grosses Potenzial haben, sich schnell zu vermehren.» Die Tiere seien sehr aufwendig zu bejagen – deshalb könne auch die Abschusszahl von Jahr zu Jahr extrem schwanken. Grossen Einfluss auf die Population habe das Wetter und das davon direkt beeinflusste Nahrungsangebot.

Fischer erklärt es so: «Im letzten Jahr war es lange trocken. Irgendwann konnten Wildschweine auf Nahrungssuche die Erde auf den Feldern nicht mehr aufbrechen.» Im Wald blieben die Böden länger feucht, entsprechend hatte es dort im 2015 mehr Nahrung. Die Konsequenz: Im Sommer verursachten die Wildschweine zwar weniger Schäden auf Wiesen und Weiden.

Im Getreide hingegen blieben die Schäden laut Fischer relativ hoch, da es selbst im Wald irgendwann sehr trocken geworden sei und die Tiere nur noch im Mais etwas zu fressen fanden. Elektrozäune nützten wenig bis gar nichts, da trockene Böden kaum Strom leiten.

Laut Bauern-Geschäftsführer Ralf Bucher hat die tiefere Zahl an Wieslandschäden auch mit der angehobenen Bagatellschadengrenze zu tun. Aus Spargründen hatte der Kanton diese von 100 auf 150 Franken pro Fall erhöht. «Wieslandschäden fallen selten so hoch aus, weshalb es jetzt weniger Meldungen gibt.»

Dachs auf dem Vormarsch

Ein anderes Tier, das 2015 aufgefallen ist, ist der Dachs. «Um sich zu erholen, hatte der Dachsbestand länger gebraucht als etwa der Fuchs», sagt Fischer. Seit fünf Jahren stelle man eine kontinuierliche Zunahme fest. Auch der Dachs richtet Schäden an, vor allem in Maisfeldern, wo er Maiskolben frisst. In Obst- oder Beerenkulturen findet der Allesfresser ebenfalls Nahrung. «Wir hatten letztes Jahr im Kanton verstreut einzelne Dachsschäden. Das deutet darauf hin, dass der Dachs künftig wieder breiter auftreten wird», sagt Fischer. Ralf Bucher bestätigt: «Die Dachsproblematik hat zugenommen. Der Dachs ist nicht einfach zu bejagen.» Laut Fischer sind die Dachsschäden im Vergleich zu den Wildschweinschäden aber bis jetzt minim. Optisch ist der Dachs- vom Wildschweinschaden gar nicht so leicht zu unterscheiden. Fischer: «Unsere Spezialisten versuchen es, es gelingt aber nicht in allen Fällen eindeutig.»

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