Ein Jahr hat er gedauert, der Kampf zwischen dem Online-Riesen Zalando und der Aargauer Auktionsplattform Mylandoo. Zalando verlangte von Mylandoo-Betreiber Fatih Oruc aus Aarau, dass dieser seine Seite umbenennt. Im September 2017 setzten die Anwälte des deutschen Onlinehändlers ihm eine Frist und drohten mit einer Klage. Wenn er den Namen nicht bis Mitte Oktober ändere und eine Erklärung unterzeichne, «Mylandoo» nicht mehr zu verwenden, würden sie gerichtlich gegen ihn vorgehen.

Der deutsche Online-Händler störte sich am Namen des Aargauer Unternehmens: Mylandoo sei Zalando phonetisch zu ähnlich, argumentierten die Anwälte. Oruc hatte dafür kein Verständnis. Einerseits werde Mylandoo anders ausgesprochen als Zalando, andererseits sei es ein komplett anderes Geschäft. Während Zalando Kleider verkauft, betreibe er eine Auktionsplattform. «Wir machen ja nicht einmal dasselbe, also verstehe ich nicht, wo hier das Problem liegen soll», sagte er.

Kam es zum Vergleich?

Nun hat Oruc offenbar nachgegeben: Gibt man im Internet www.mylandoo.ch ein, wird man auf eine neue Seite umgeleitet. Sie sieht praktisch gleich aus wie früher, das Layout und das Farbschema ist dasselbe. Auch das Logo in der linken oberen Ecke der Seite hat noch das gleiche Design, aber dort steht nun ein neuer Name: Aus «Mylandoo» wurde «Odaboo».

Im September 2017 betonte Fatih Oruc noch, dass er für seine Plattform kämpfen und nicht klein beigeben wolle. «Ich habe den Anwälten von Zalando geschrieben, dass ich weder die Firma umbenennen noch die Website löschen werde», sagte er damals gegenüber der dieser Zeitung. Er ging davon aus, dass Zalando ihn verklagen und der Rechtsstreit vor Gericht enden würde.

Hat also ein Gericht gegen Mylandoo und für Zalando entschieden? Oder hat sich Fatih Oruc mit dem Online-Riesen aussergerichtlich geeinigt? Dazu kann sich Nicolas Berg, Teilhaber von Odaboo, nicht äussern, wie er auf Anfrage festhält: «Zu den rechtlichen Vorgängen kann ich nichts sagen.» Dies lässt darauf schliessen, dass es zwischen Zalando und Mylandoo im Namensstreit zu einem Vergleich gekommen ist. Dabei erklärt sich die eine Partei bereit, auf ihre Forderung zu verzichten — meist gegen Zahlung einer vereinbarten Summe. So werden langwierige und teure Gerichtsverfahren vermieden, die grosse finanzielle Risiken bergen.

Ob es tatsächlich zu einem Vergleich mit Zalando gekommen ist, und welche Vereinbarungen getroffen wurden, kommentiert Nicolas Berg nicht. Sein Schweigen lässt sich erklären: Oft ist in Verträgen nach einem Vergleich eine Klausel enthalten, die beiden Parteien verbietet, über den Inhalt der Vereinbarung zu sprechen. Und in manchen Fällen ist es nicht einmal erlaubt, gegenüber Dritten zu bestätigen, dass überhaupt ein Vergleich existiert.

Während Nicolas Berg nichts dazu sagt, wie es zur Namensänderung kam, gibt er über die Bedeutung von «Obadoo» gerne Auskunft. Seit letzter Woche ist der neue Name der Auktionsplattform im Einsatz. «Auf nigerianisch-englisch heisst das Wort ‹Tschüss›», so Berg. Dafür habe man sich entschieden, weil die Bedeutung zum Slogan von Odaboo passe: «Meins wird deins». Zudem klinge das Wort ähnlich wie der alte Name. Auch praktisch: «Wir hatten keine Logokosten», freut sich Nicolas Berg. Man habe die Schrift behalten können, die Endung mit dem doppelten O und den beiden gelben Pfeilen konnte ebenfalls bleiben.

Wie das Geschäft für Obadoo mit dem neuen Namen läuft, werde sich zeigen — die ersten Rückmeldungen seien positiv, sagt Berg, der selber mehrere Start-ups gegründet hat. Das Unternehmen hat jedenfalls grosse Pläne für die Zukunft: «Wir sind noch nicht riesig, das ist uns bewusst. Aber wir sind im Gespräch mit strategischen Partnern, um die Plattform weiterzuentwickeln», erzählt Berg.

Die Plattform ist seit rund fünf Jahren online. Odaboo ist eine Auktionsseite, ähnlich wie Ebay oder Ricardo. Von Autos über Einrichtungsgegenstände bis hin zu Elektrogeräten kann man auf der Seite fast alles ersteigern oder verkaufen.