1. August
Aargauer Hundehalter flüchten vor der Knallerei in den Schwarzwald

Hundeohren sind empfindlich. Vierbeiner leiden vor allem bei den Feuerwerkssalven am Bundesfeiertag Höllenqualen. Darum verbringen viele Schweizer Hundebesitzer mit ihren Lieblingen einen knallfreien Festtag im Schwarzwald.

Ursula Burgherr
Merken
Drucken
Teilen
Hunde sind willkommen im Ferienhotel und Landgasthof Kranz in Görwihl-Segeten
6 Bilder
Aargauer Hundehalter flüchten am 1. August in den Schwarzwald
Zwergpudel Jessica sowie die Königspudel Cora, Cassia und Romera fühlen sich im Schwarzwald pudelwohl
Ernst und Erika Ryf mit Golden Retriever-Baby Clemens
Cornelia Wergin, Bellikon, mit Bolokna-Weibchen Cléo
Annemarie Rüegger, Rothrist, mit Mischlingshünding Fly

Hunde sind willkommen im Ferienhotel und Landgasthof Kranz in Görwihl-Segeten

Ursula Burgherr

Die Hotels, welche Gäste mit ihren Tieren willkommen heissen, sind rappelvoll. Der Landgasthof Kranz in Görwihl-Segeten bietet mit dem Haupthaus im typischen Schwarzwälderstil und den über und über mit Geranien geschmückten Holzbalkonen eine Postkartenidylle. Rund um den 1. August hört man auf der Gartenterrasse fast nur Schweizerdeutsch. Der Eingang ist dekoriert mit Schweizerfähnchen und auf der Speisekarte stehen nicht nur Schwarzwälder Spezialitäten zur Auswahl, sondern es lässt sich auch nachlesen, welche geschichtliche Bedeutung dem Schweizer Nationalfeiertag zugrunde liegt.

Das interessiert die vierbeinigen Gäste - es sind rund 20 Stück - wenig. Während ihre Besitzer tafeln, liegen sie friedlich unter den Tischen, die meisten machen ein Nickerchen oder beschnuppern ihre Umgebung. Später geht es dann auf einen der vielen Spazierwege im nahegelegenen Tannenwald, zur Abkühlung am heissen Sommertag lockt ein Bad in einem der beiden Flüsse Murg oder Alp. Was für ein herrliches Hundeleben!

Aufhören mit der Knallerei aus Rücksicht

Die Angestellten des Landgasthofes Kranz schätzen die Schweizer Gäste, «weil sie nicht so hektisch sind wie die Deutschen.» Die meisten Anwesenden aus helvetischen Gefilden gehören mit ihren tierischen Begleitern mittlerweile zur Stammklientel. Man kennt sich und neue Kontakte werden unter Hundebesitzern schnell geknüpft.

Cornelia und Jürg Wergin aus Bellikon entweichen mit ihrer Golden Retriever-Hündin Shila regelmässig von der Festtagsknallerei in den Schwarzwald. «Es war kaum mit anzusehen, wie sie litt. Shila zitterte, heulte und hechelte vor lauter Angst, wenn es krachte. Ein Bachblüten-Notfallspray half nichts.» Ernst und Erika Ryf aus Magden wollten ihr 13-wöchiges Goldenretriever-Baby Clemens dem Lärm gar nicht erst aussetzen und sind gleich in den Schwarzwald geflüchtet.

Auch Heinz und Vreni Müller aus Kaiseraugst hatten wenig Erfolg mit homöopathischen Mitteln. «Unsere Königspudel versäuberten sich nicht mehr und waren völlig blockiert.» Wie viele andere Hundebesitzer wünschen sie sich, «dass die lästige Knallerei am 1. August aus Rücksicht auf die Tiere abgeschafft wird.» Solange das nicht der Fall ist, gehen sie in den Schwarzwald, nach dem Motto: «Wenn es unseren Hunden wohl ist, fühlen auch wir uns gut.» Annemarie Rüegger ist mit ihrem Mischlingsweibchen Fly aus Rothrist angereist. «Ich suchte zuerst ein Hotel in Todtmoos, aber da war schon alles ausgebucht.»

Die Idylle und Ruhe im Schwarzwald hat sich bei vielen Schweizer Hundebesitzern herumgesprochen, die ihren Lieblingen Angstzustände ersparen wollen. Das freut natürlich auch die Gasthausbesitzer. Kranz-Wirtin Josefa Leber-Späne: «Die meisten reservieren gleich für's nächste Jahr, bevor sie abreisen.» Ein Wiedersehen gibt es sicher mit Rüegger und Fly. Die ehemalige Drogistin ärgert sich: «Es ist einfach verrückt, dass die Kinder schon vierzehn Tage vor den Nationalfeiertag ihr Sackgeld verpulvern und am Waldrand mit Getöse abfackeln. Damit versetzt man nicht nur Hunde in Panik sondern auch viele andere Tiere. Aber mit dem Feuerwerkszeug werden halt riesige Geschäfte gemacht, darum ist ein Ende der Knallerei wohl nicht abzusehen.»