Dominik Wyss
Aargauer Hotelier über schlechtes Halbjahr: «Ich lasse die Ausrede mit dem starken Franken nicht gelten»

Dominik Wyss, Präsident von AargauHotels, äussert im Interview die Befürchtung, dass die Zimmerauslastung in den Aargauer Hotels noch weiter sinken wird.

Nicola Imfeld
Merken
Drucken
Teilen
Dominik Wyss, Präsident von AargauHotels: «Wir sind zurzeit bei etwa 75 Prozent»

Dominik Wyss, Präsident von AargauHotels: «Wir sind zurzeit bei etwa 75 Prozent»

Andre Albrecht

Die durchschnittliche Zimmerauslastung in der Aargauer Hotellerie lag von Januar bis Juni nur bei 43,9 Prozent. Im Vorjahr waren noch 46,5 Prozent der Zimmer besetzt. In der Schweiz stieg die Zahl der Logiernächte im ersten Halbjahr 2017 um 4,4 Prozent an. Im Aargau haben aber etwa 3000 Personen (-0,9 Prozent) weniger übernachtet als noch 2016. Die az hat bei Dominik Wyss, Präsident von AargauHotels, nach Gründen gefragt.

Herr Wyss, wie erklären Sie den Rückgang bei der Auslastung?

Dominik Wyss: Diese Entwicklung schmerzt uns Hoteliers natürlich enorm. Der Hauptgrund sind die neu geschaffenen Kapazitäten, die wir nicht auslasten konnten. In Aarau wurde beispielsweise das Hotel Kettenbrücke im Frühling 2016 mit 27 neuen Zimmern eröffnet, oder in Lenzburg ging das «Barracuda» mit sechs Zimmern auf. Der Aargau ist keine Touristendestination. Deswegen gehe ich davon aus, dass im vergangenen halben Jahr weniger Geschäftsseminare gebucht wurden. Dieses Segment ist für uns unheimlich wichtig.

Glauben Sie, dass die Zimmerauslastung bis Ende Jahr wieder steigt?

Nein, die nahe Zukunft sieht nicht gerade rosig aus. In Spreitenbach wird im Herbst ein Hilton-Hotel mit 117 neuen Zimmern eröffnet. In Neuenhof entsteht ein Zwei-Sterne-Hotel mit 100 Zimmern. Diese Kapazitäten sind einerseits gut für den Tourismus im Aargau, da eine internationale Hotelgruppe wie «Hilton» neue Kunden in den Kanton bringt. Anderseits bedeutet dies für die Hoteliers eine grössere Konkurrenz und somit oft auch eine geringere Zimmerauslastung.

Warum fällt der Aargau bei den Übernachtungszahlen dermassen ab?

Es ist normal, dass es in Halbjahresvergleich zu Korrekturen kommt. Aktuell befinden wir uns etwa auf dem Niveau von 2015. Da der Aargau in den letzten Jahren nicht solch heftige Einbrüche zu verzeichnen hatten wie die restliche Schweiz, spüren wir jetzt auch den Aufschwung kaum. Es gibt aber noch viel Luft nach oben.

Wo kann der Aargau aufholen?

Wir sind zurzeit bei etwa 75 Prozent. Ich möchte dabei gleich vorwegschicken, dass ich die Ausrede mit dem «starken Franken» nicht gelten lasse. Wenn die Leistung stimmt, dann kommen auch die Gäste. Als Beispiel führe ich oft das erste iPhone an: Als diese Weltneuheit vor zehn Jahren auf den Markt kam, war fast die ganze Welt auf einen Schlag bereit dazu, dass Dreifache für ein Handy auszugeben als zuvor. Weshalb sollte es bei einer oder mehreren Übernachtungen in einem Hotel anders sein? Wenn wir im Aargau noch freundlicher werden und einen noch besseren Service anbieten, dann können wir noch viel mehr Geschäftsreisende und Touristen als bisher in unseren Kanton holen.