«Innerhalb von nur einer Minute hat Jonas Fricker seine Politkarriere an die Wand gefahren.» Mit diesen Worten beginnt «TalkTäglich»-Moderator Rolf Cavalli die Sendung zum Fall Jonas Fricker. Der Grünen-Nationalrat hat vergangene Woche den Transport von Schweinen mit der Deportation von Juden während des Holocausts verglichen. Die Frage, ob Fricker ein Antisemit sei, wurde in der Sendung gar nicht diskutiert.

CVP-Chefin Marianne Binder, SVP-Nationalrat Andreas Glarner und Grünen-Präsident Daniel Hölzle sind sich ausnahmsweise einig. «Dieses Gedankengut entspricht ihm nicht», sagt Binder. «Aber die Aussage ist unerträglich.»

Ungleiche Ellen auf allen Ebenen

Uneinig sind sich die Parteivertreter bei der Art und Weise, wie Frickers Aussage von Medien und Öffentlichkeit aufgenommen wurde. «Wenn einer von uns das gesagt hätte, wäre er gar nicht mehr aus dem Saal gekommen. Die Medien hätten auf ihn eingedroschen», sagt Glarner.

Die ganze Parteispitze wäre in Bedrängnis geraten. Auch Binder sieht das so. «Man hätte sofort mit Antisemitismus operiert», sagt sie. Bei Jonas Fricker habe man diesen Vorwurf nicht erhoben.

Und damit leitet Binder zum nächsten Problem über. Denn für sie werde nicht nur zwischen den Parteien mit ungleichen Ellen gemessen, sondern auch innerhalb der Grünen. «Wenn sich gewisse Leute in der eigenen Partei so über diesen Satz empören, hätten die gleichen Leute Geri Müller, der Hamas-Vertreter ins Bundeshaus eingeladen hatte, zutiefst verurteilen müssen.»

Auch Glarner kritisiert den Umgang der Grünen mit dem Fall Fricker, er scheint geradezu Mitleid zu haben: «Bei euch herrscht ein gnadenloses Gehacke», sagt er an Hölzle gerichtet. «Wenn ich einen Seich mache, kann ich darauf hoffen, dass Parteifreunde wirklich noch Freunde sind.» Fricker habe bei Geri Müller dreingehauen, jetzt sei er selbst Opfer geworden.

«Wir sind natürlich eine heterogene Partei», verteidigt sich Hölzle. Insbesondere bei Jonas Fricker, der langjährig gute Arbeit geleistet habe, gebe es natürlich Leute, die Mühe haben mit seinem Entscheid zum Rücktritt. Hölzle sieht auch schon, was auf ihn zukommt. «Da muss ich eine dicke Haut haben.»

Von Partei fallen gelassen?

Glarner will wissen, ob die Kantonalpartei überhaupt noch etwas ausrichten konnte oder ob Fricker von der nationalen Parteiführung schon abgeschrieben worden war. «Es waren verschiedene Voten», sagt Hölzle und verwirft die Hände. «Es haben ihn zu viele wichtige Leute fallen lassen», fasst Cavalli zusammen. «Die Verbindung, die wir untereinander haben, würde es nie zulassen, dass wir so aufeinander eindreschen», formuliert es Glarner.

Für Hölzle ist der Rücktritt der richtige Schritt. «Zuerst müssen wir Jonas Fricker ein wenig Ruhe lassen», sagt er auf die Frage, ob dessen Politkarriere fertig sei. «Ich bin der Meinung, dass Jonas Fricker sich mit diesem Schritt, mit dem er sich klar von der Aussage distanziert hat, wieder alles offenlässt.» Damit schliesst der Präsident auch ein Comeback in den Nationalrat ein. «Das würde ich unterstützen.» Noch sei nichts spruchreif, doch das Thema sei bereits diskutiert worden.

Die ganze Sendung können Sie hier anschauen:

War Jonas Fricker ein Bauernopfer?

TalkTäglich vom 3. Oktober 2017: War Jonas Fricker ein Bauernopfer?