Forst

Aargauer Gemeinden kritisieren Kanton: Wer hat im Wald wirklich das Sagen?

Der Kanton Aargau bestreitet, dass die Kreisförster zu stark nach Fehlern suchen. Im Bild: Waldweg in Biberstein. (Archiv)

Der Kanton Aargau bestreitet, dass die Kreisförster zu stark nach Fehlern suchen. Im Bild: Waldweg in Biberstein. (Archiv)

Mehrere Aargauer Gemeinden kritisieren, dass sich der Kanton im Wald zu stark einmischt. Dieser wehrt sich, er halte sich nur an das Gesetz.

Im Zusammenhang mit der Waldinitiative meldet sich der Gemeindeammann von Gansingen, Mario Hüsler, zu Wort. In der Frage, wer für den Wald bezahlt und wer im Wald bestimmt, kritisiert er den Kanton scharf. Dass die Gemeinden das letzte Wort haben, sei in der Praxis nicht selbstverständlich, sagt Hüsler: «Der Kanton bestimmt immer mehr die Regeln im und um den Wald.» Ein bis zwei Mal pro Jahr sei der Detektiv – damit meint er den Kreisförster – in den Gemeinden unterwegs: «Er findet immer etwas, das ihm nicht gefällt, sei es ein Holzlager, das zu professionell zugedeckt ist, oder die Oase beim Cheisacherturm, die verschwinden musste.»

An Hüslers Kritik ändert auch das deutliche Nein des Stimmvolks zur Waldinitiative am 25. November nichts. Der Ammann wirft dem Kanton vor, fast überall selbst zu entscheiden. Der Kanton habe das Sagen in den Bereichen Naturschutz, Bautätigkeiten und Veranstaltungen rund um den Wald.

Auch Oberhof beschwert sich

Dass sich der Kanton in Sachen Wald eindeutig zu fest einmischt, sagt auch der Gemeindeammann von Oberhof, Roger Fricker. Die Gemeinden lassen auf eigene Kosten jeweils einen Betriebsplan erstellen, in dem für einen Zeitraum von 15 Jahren unter anderem festgelegt ist, wo geholzt werden soll. «Bereits dort ist vieles vom Kanton vorgeschrieben», sagt Fricker. Der Kanton mische sich auch ein, wenn es darum geht, welche Pflanzen und Baumarten gepflanzt werden sollen. Im Betriebsplan ist zudem vorgeschrieben, wie hoch die jährliche Kubiknutzung des Holzes sein soll. Der Förster mache anhand dieser Vorgabe die Vorschläge für die Holzschläge, welche er mit dem zuständigen Gemeinderat bespricht. Bevor der Förster seine Schläge machen kann, müssen sie aber zusätzlich vom Kreisförster des Kantons bewilligt werden. Das bringe zu viel Bürokratie mit sich, sagt Roger Fricker.

Dass der Wald stark reguliert sei, das stimmt, sagt Marcel Murri, Sektionsleiter Walderhaltung des Kantons. Aber das sei nichts Neues, das Aargauer Waldgesetz regle vieles so, wie es grösstenteils vom Bundesgesetz vorgegeben ist. Die eigentliche Waldbewirtschaftung sei aber Sache der Waldeigentümer, und dies seien zu 70 Prozent die Gemeinden: «Die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung wird durch den Kanton im Sinne der Oberaufsicht überprüft», sagt er. Dies betreffe die maximale Höhe der Holznutzung und zu einem kleinen Teil auch die Baumartenwahl. So dürften nur eine maximale Anzahl an exotischen Bäumen gepflanzt werden. «Diese Vorschriften sorgen gelegentlich für Diskussionen», sagt Murri.

Dass der Kreisförster vermehrt absichtlich durch den Wald läuft und nach Fehlern sucht, streitet er ab: «Der Kreisförster geht an einem Tag im Jahr in die Gemeinde und tauscht sich dort mit dem Förster und teilweise den zuständigen Gemeinderäten über den Holzschlag und andere aktuelle Themen aus. Wenn er illegale Bauten sieht, die nicht den gesetzlichen Vorschriften entsprechen, geht er dem bei Handlungsbedarf nach.» So könne es passieren, dass ein Baugesuch eingereicht oder im schlimmsten Fall etwas abgebaut werden müsse. Eine systematische Suche gebe es nicht.

Hansruedi Hottiger, Stadtammann von Zofingen, äussert sich weniger kritisch als Kollege Hüsler. Der Kanton habe durch das kantonale Waldgesetz die Hoheit: «Die Kreisförster haben klare Kompetenzen, das ist gut für die Einheitlichkeit unserer Wälder, sagt er. Allerdings stört er sich daran, dass der Kanton der kommerziellen Waldbewirtschaftung, so dem Holzen und dem Holzverkauf, weniger Aufmerksamkeit zukommen lässt als anderen Belangen des Waldes. Mit der Holzbewirtschaftung verdienten die Waldbesitzer das Geld. Stattdessen lege der Kanton seinen Fokus mehr auf die Naturschutzziele: «Dort müssen wir uns öfters wehren. Wir wünschen uns ein grösseres Gleichgewicht», sagt er.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1