Steueramt
Aargauer Gemeinden haben Mühe, ihre Steuerämter selber zu führen

Aargauer Gemeinden weichen immer häufiger auf private Unternehmen aus, die für sie die umfassende Arbeit eines Steueramtes übernehmen. Jetzt rät der Kanton Aargau von externen Steuerfirmen ab: Die Lösung sei oft teurer als eigene Mitarbeiter.

Fabian Hägler
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Keystone

Fast fünf Jahre lang führte die KSG Kompetenzzentrum für Städte und Gemeinden AG in Aarau das Steueramt Rottenschwil.

Auf den 1. Oktober übernahm das regionale Steueramt Oberwil-Lieli das Mandat und stellte diverse Missstände fest.

«Es gab falsche Angaben im Steuerregister, es waren Leute eingetragen, die nie in Rottenschwil gewohnt haben, Landverkäufe waren nicht korrekt registriert und in mehreren Fällen wurden Steuern nicht veranlagt», sagt Eugène Bento, Leiter des regionalen Steueramtes.

Kommentar: Steuern sind keine Privatsache

von Fabian Hägler

Steuereinnahmen bilden die Grundlage der öffentlichen Finanzen und damit aller Leistungen einer Gemeinde.

Aus dieser Perspektive ist die Führung eines Steueramtes eine staatliche Kernaufgabe.

Anderseits ist der Arbeitsmarkt bei den Steuerfachleuten ausgetrocknet, die Gemeinden finden kaum noch Personal für ihre Steuerämter.

Dass die Gemeinden deshalb auf private Anbieter zurückgreifen, die ein Steueramt auf Mandatsbasis führen, ist verständlich.

Ein Vorteil der externen Steueramtsmitarbeiter ist, dass sie keine persönlichen Beziehungen in den oft kleinen Gemeinden haben und deshalb bei der Beurteilung von Steuererklärungen unabhängig sind.

Und sie beschäftigen sich ausschliesslich mit dem Steuerbereich, sind also Profis in ihrem Fachgebiet.

Doch die Interessen der zwei Partner widersprechen sich: Die private Steuerfirma will Geld verdienen, die Gemeinde hingegen möglichst wenig Geld ausgeben für die Führung ihres Steueramts.

Wenn eine Gemeinde den Preis stark drückt, erhält sie von der Firma eine weniger gut geschulte Arbeitskraft.

Dass dann Steuersubstrat verloren gehen kann oder Abläufe nicht mit demselben Know-how ausgeführt werden, versteht sich.

Aber: Unabhängige, gut qualifizierte, pflichtbewusste und
loyale Mitarbeiter gibt es nicht nur in privaten Firmen.

Statt einzelner Steuerämter mit kleinen Pensen bieten sich Verbundlösungen mit regionalen Steuerämtern an, wo ganze Teams arbeiten.

Denkbar sind auch Ansätze wie im benachbarten Kanton Solothurn, wo Steuerämter teilweise bezirksmässig organisiert sind.

Max Ledergerber, stellvertretender Leiter des kantonalen Steueramtes, erklärt: «Wir haben Kenntnis von den Problemen bei der Firma KSG.»

Es handle sich nicht um strafrechtlich relevante Vergehen, deshalb laufe auch kein Verfahren. «Aber wir empfehlen den Gemeinden, im Steuerbereich nicht mehr mit dieser Firma zusammenzuarbeiten», hält Ledergerber fest.

Hanspeter Frischknecht, Inhaber und Geschäftsführer der KSG, entgegnet: «Meine Firma ist allein in den letzten drei Monaten mit der Führung von zwei Steuerämtern beauftragt worden. Die Aufträge erhielten wir auf Empfehlung der zuständigen kantonalen Steuerkommissäre.»

Ausserdem weist der KSG-Chef darauf hin, «dass wir verschiedenste Steuerämter wie Bettwil, Herznach, Mettauertal oder Leimbach seit mehreren Jahren ohne Probleme führen».

Weil eine private Firma, die ein Steueramt führt, keine Bewilligung braucht, hat der Kanton keine Übersicht, wie viele Gemeinden diesen Bereich ausgelagert haben.

Klar ist aber: Immer mehr Gemeinden haben Mühe, ihr Steueramt selber zu führen. 120 der 213 Aargauer Gemeinden führen ein eigenes Steueramt, 93 sind einem regionalen Steueramt oder einem Verbund angeschlossen.

Stefan Eggmann, Präsident des Verbands der Steuerfachleute Aargauer Gemeinden, findet die Führung von Steuerämtern durch externe Firmen problematisch.

«Diese Lösung ist meist teurer als eine mit fest angestellten Mitarbeitern», begründet er. Zudem zeigten Gemeindeangestellte «eine grössere Identifikation mit dem Arbeitgeber und sind auch grundlegender daran interessiert, dass die Arbeit umfassend erledigt wird».

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