Stromsparen ist seit langem ein Thema. Erst recht seit der Nuklearkatastrophe von Fukushima, die sich am 11. März zum dritten Mal jährt.

Der Atomausstieg ist so sicher, wie dass als Folge der Stromverbrauch gesenkt werden muss. Auch jener der öffentlichen Hand.

Die Strassenbeleuchtung steht dabei doppelt im Fokus. Umweltverbände stören sich nicht nur an den jährlichen Kosten von 150 Millionen Franken, sondern auch an der Lichtverschmutzung.

Der WWF Schweiz sieht ein einfaches Sparpotenzial: Er fordert, dass alle Gemeinden konsequent auf die neuste Lampen-Technik setzen.

Als Grundlage dient ihm eine nicht repräsentative, schweizweite Umfrage über den Stromverbrauch für Strassenbeleuchtung.

Etwa zehn Prozent der rund 2300 Gemeinden haben mitgemacht. Die Ergebnisse klaffen weit auseinander – auch unter den 15 Aargauer Gemeinden. Während Birrhard, Boswil und Magden Spitzenresultate aufweisen, liegt Würenlos abgeschlagen auf dem letzten Platz – wohlgemerkt aller Teilnehmer.

Nur die Hälfte über dem Richtwert

Die Messlatte ist nicht überall gleich hoch. Je grösser die Gemeinde, desto höher darf der Verbrauch pro Strassenkilometer sein, mit dem der WWF zufrieden ist. Dies deshalb, weil Städte mit grossen Strassen stärkere Lampen brauchen und auch mehr Strassen haben (siehe Tabelle).

Würenlos gilt als kleine Gemeinde – und stellt das Ergebnis infrage. Dass man 383 Prozent über dem Richtwert liege, «kann schlichtweg nicht stimmen», meint Richard Weber, Leiter der Technischen Betriebe Würenlos.

Der Umweltverband habe auf seinen Beschwerdebrief aber nicht reagiert. «Von den über 700 Strassenlampen haben wir vor zehn Jahren alle von Quecksilber-Dampflampen entweder auf moderne Natriumhochdrucklampen oder seit vier Jahren auch auf LED umgerüstet.»

Zudem werde ein Grossteil der Beleuchtung von 1 bis 5 Uhr ausgeschaltet. Der WWF sagte auf Anfrage, es handle sich um einen unklaren Grenzfall.

Diese Praxis hat sich auch bei anderen Gemeinden wie in Brugg durchgesetzt. Aarau oder Boswil, das bei den kleinen Gemeinden Platz elf belegt, dimmen wenn möglich ihre Strassenlampen. Für einen Spitzenplatz reichte das allein aber nicht.

«Es ist nur logisch, da wir 2011 unserer Strassenbeleuchtung komplett saniert haben», erklärt der Boswiler Gemeinderat Jakob Dolder. Dabei habe man aus Kostengründen nicht auf LED-Lampen, sondern auf moderne Natrium-Dampflampen gesetzt.

Aarau hat das Label Energiestadt und setzt auf neuste LED-Technologie, ein Drittel der alten Lampen ist schon ersetzt. Dennoch liegt man noch weit über dem Richtwert.

«Die Stadt hat das Ziel, diesen bis 2018 zu erreichen», sagt Barbara Horlacher, Projektleiterin Umwelt der Stadt. Die Massnahmen und Umrüstungen werden nach und nach vollzogen, da die Strassenbeleuchtung nur rund 0,7 Prozent von Aaraus jährlichem Stromverbrauch ausmacht.

Brugg schneidet bereits viel besser ab. Stadträtin Andrea Metzler sieht darin die Folgen des 2012 definierten Leitbilds «Sparen bei öffentlicher Beleuchtung».

Gemäss Thomas Péronnet von der verantwortlichen Arbeitsgruppe «Energieeffizienz und Klimaschutz» konnte alleine mit dem nächtlichen Lampenlöschen so viel gespart werden, dass nur noch erneuerbaren Energien für die Beleuchtung genutzt werden.

Für die Infrastruktur zeichnet in Brugg die IBB Energie AG verantwortlich. Sie plant in den nächsten Jahren, die Stadt zusätzlich komplett auf LED umzurüsten. «Wir erwarten dadurch nochmals Einsparungen von bis zu 25 Prozent», sagt Péronnet.

Baden ist, als einzige Aargauer Stadt mit dem höchsten Label «Energiestadt Gold», in den Erhebungen von WWF nicht vertreten.

Zwar lieferten die für die Beleuchtung in Baden zuständigen Regionalwerke die Zahlen, die Umweltorganisation wies diese aber als «nicht plausibel» zurück. Der Aufruf zur Korrektur blieb laut WWF unbeantwortet. Die Stadt Baden war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.