Aktuell besetzen 16 Politiker und Politikerinnen aus dem Aargau einen Nationalratssitz. 5 davon sind Frauen, regulär gewählt wurden im Jahr 2015 vier: Sylvia Flückiger-Bäni (SVP), Yvonne Feri (SP), Corina Eichenberger (FDP) und Ruth Humbel (CVP). Irène Kälin (Grüne) übernahm im November 2017 nachträglich den Sitz von Jonas Fricker (Grüne), damit erhöhte sich der Frauenanteil von 25 auf 31,3 Prozent.

Der Kanton Aargau liegt mit dieser Quote im nationalen Durchschnitt: 32 Prozent aller 200 Nationalratssitze sind aktuell von Frauen besetzt.

Seit Einführung des Frauenwahlrechts im Jahr 1971 hielten auf nationaler Ebene immer mehr Frauen Einzug in die grosse Kammer. Es dauerte aber acht Jahre, bis 1979 mit Ursula Mauch (SP) die erste Nationalrätin aus dem Aargau gewählt wurde. Der Frauenanteil in der Aargauer Vertretung im Nationalrat stieg dadurch von 0 auf 7,1 Prozent. Dies blieb in den nächsten 16 Jahren so.

1995 schafften drei Aargauerinnen den Einzug in den Nationalrat, der Frauenanteil erhöhte sich auf 20 Prozent. Die höchste Marke erreichten die Politikerinnen aus dem Aargau mit einem Anteil von 40 Prozent im Jahr 2007: 6 von 15 Aargauer Sitzen waren von Frauen besetzt.

53 Prozent der Wahlberechtigten sind Frauen

Frauen machen in der Schweiz 53 Prozent der Wahlberechtigten aus. Ein Blick auf die Nationalratswahlen von 2015 zeigt aber: Die Listen waren im Aargau deutlich von Männern dominiert. Wenn man alle Parteien berücksichtigt, kandidierten auf den Listen 105 Frauen und 183 Männer.

Am weiblichsten war die SP-Liste, dort waren 9 von 16 Plätzen mit Frauen besetzt. Bei den Grünen lag der Frauenanteil mit 8 Kandidatinnen bei 50 Prozent. Die männlichsten Listen stellten SVP, BDP und EVP mit jeweils vier Frauen. Das kürzlich formulierte Ziel von 50 Prozent Frauen auf der Liste verfehlten 2015 auch CVP, GLP und FDP. Sie hatten jeweils 6 Frauen auf ihren 16er-Listen.

Die Listen von 2015 zeigen ein Verhältnis von 36,5 (weiblich) zu 63,5 Prozent (männlich). Gut ein Drittel der Listenplätze waren von Frauen besetzt. Mit den regulär gewählten 4 Nationalrätinnen und 12 Nationalräten aus dem Kanton Aargau wurden jedoch nur ein Viertel der Sitze an Frauen vergeben.

Chancen für Frauen steigen

Bei den Nationalratswahlen 2019 stehen die Wahlchancen für Frauen im Aargau tendenziell besser. Dies gilt insbesondere für die SVP: Bei der grössten Partei treten mit Maximilian Reimann, Ueli Giezendanner und Luzi Stamm drei langjährige Nationalräte im kommenden Jahr nicht mehr an.

Zwar kandidiert mit Sylvia Flückiger auch die einzige SVP-Frau nicht mehr, die Nationalratsliste der Volkspartei dürfte dennoch klar weiblicher werden. Mit den Grossrätinnen Martina Bircher, Karin Bertschi, Stefanie Heimgartner, Nicole Müller-Boder und Désirée Stutz stehen fünf profilierte Frauen zur Verfügung.

Bei der FDP tritt mit Corina Eichenberger die einzige Frau im Nationalratstrio nicht mehr an. Auf ihren Sitz, und allenfalls auf einen zweiten, wenn Matthias Jauslin oder Thierry Burkart in den Ständerat gewählt werden, aspirieren die beiden Grossrätinnen Sabina Freiermuth und Maja Riniker. Für die SP dürfte Yvonne Feri den Frauensitz im Nationalrat verteidigen.

Holt die SP den dritten Sitz zurück?

Setzt die Partei ihren Aufwärtstrend fort und holt den 2015 verlorenen dritten Sitz zurück, wäre wohl Parteipräsidentin Gabriela Suter erste Anwärterin. Profiliert hat sich zuletzt auch Viviane Hösli, die Präsidentin der SP Frauen Aargau.

Bei den Parteien, die je einen Sitz im Nationalrat haben, dürfte sich das Geschlechterverhältnis kaum ändern. Dies ist aus Frauensicht allerdings nicht negativ, denn hier ist 50:50 erreicht. Die CVP (Ruth Humbel) und die Grünen (Irène Kälin) sind mit einer Frau in der grossen Kammer vertreten, GLP (Beat Flach) und BDP (Bernhard Guhl) mit einem Mann. Allenfalls denkbar wäre eine Verschiebung zugunsten der Frauen, wenn sich aus einer Verbindung in der Mitte ein Sitz für die EVP (mit Lilian Studer?) ergeben würde.