Fischbestand

Aargauer Fischer steigern Fangquote – doch erwischt werden auch viele Köderfische

Forellen mögen kühles Wasser. Archiv

Forellen mögen kühles Wasser. Archiv

Im Aargau wurden 2016 mehr Fische gefangen. Darunter sind aber auch viele Köderfische. Die Fischer kritisieren die Statistik.

Letztes Jahr wurden im Kanton Aargau 14 Prozent mehr Fische gefangen. Dies besagt die neuste Fangstatistik. Insgesamt waren es 89'000 Fische. Das sind 11'000 mehr als im Vorjahr, und sogar 20'000 mehr als 2014. In den Flüssen wurden 22 Prozent mehr Fische gefangen, im Hallwilersee 13 Prozent. Ein Fangminus wird einzig aus Bächen, Weihern und Teichen gemeldet.

Das Plus im Hallwilersee sei sehr erfreulich, sagt der kantonale Fischereiexperte Christian Tesini. Mit Blick auf die letzten 15 Jahre erkennt er eine langsame Steigerung. Geht die auf die Seebelüftung zurück? Der See sei am Gesunden, sagt Tesini. Doch ob die Zunahme damit zusammenhänge, könne man nicht sagen: «Von einer Fangstatistik kann man nicht auf den Fischbestand eines Gewässers schliessen. Die hängt stark davon ab, wie viele Personen wie und wie lange fischen. Zudem sind die Bestände eines Sees nicht konstant. Und die Zahl der Fischer ist stark rückläufig.»

Weniger «Gutfische» wie Forellen

Tesini relativiert die Fangzunahme in den Flüssen: «Da sind sehr viele kleine Karpfenartige darunter, die mehrheitlich als Köderfische dienen, um zum Beispiel Hechte zu fangen.» Überhaupt bereiten Tesini die grossen Flüsse Sorgen. Es gebe kaum naturnahe Strecken, durch den Kraftwerksbetrieb alle paar Kilometer fehle es den Fischen an natürlichem Lebensraum, an kiesreichen Kinderstuben.

Wegen der vielen Staustufen funktioniert die Fischwanderung nicht. Dazu kommen zunehmend Mikroverunreinigungen im Wasser, etwa von Medikamenten und Pestiziden. Deshalb müssen die Abwasserreinigungsanlagen sukzessive nachgerüstet, oder bei einem Neubau zusätzlich ausgerüstet werden. Tesini setzt grosse Hoffnungen auf die jetzt anlaufenden Projekte zur Sanierung des Geschiebehaushalts der Flüsse und für den sukzessiven Einbau von Fischtreppen an Kraftwerken.

Kurt Braun, Präsident des Aargauischen Fischereiverbandes, unterstreicht die Relativierung des Fangerfolges durch den kantonalen Fachspezialisten Tesini: «Die Felchenfangzahlen im Hallwilersee sind gut, das ist aber nur eine Momentaufnahme.» Sorge bereiten auch ihm die Flüsse. Braun: «Entgegen den Zahlen der Statistik gehen hier die effektiven Fangerträge der ‹Gutfische› massiv zurück, besonders bei Forellen und Äschen.» Die Statistik erfasse auch die kleinen Weissfischarten, die als Köder benutzt werden. Somit ergebe sie ein falsches Bild. Braun:» Das Konzept der Statistik sollte den heutigen Bedürfnissen angepasst werden, damit eine repräsentative Aussage gemacht werden kann.»

Kieslaicher: Zu wenig Lebensraum

Die Fische, deren Fangzahlen rückläufig sind, laichen im Kies. Sie hätten zu wenig Lebensraum, so Braun, da die vielen Kraftwerke den Geschiebetransport verhindern. Der Kies bleibt im gestauten Bereich liegen. Braun: «Jedes Kraftwerk ist ein dramatischer Eingriff ins Ökosystem eines Gewässers.» Hier mangelt es laut dem Fischerpräsidenten an funktionierenden Fischauf- und -abstiegswanderhilfen (Fischpässe, Umgehungsgewässer etc). «Viele Fischtreppen funktionieren zudem nicht richtig», sagt Braun. Für Forellen und Äschen werde es überdies kritisch, wenn die Wassertemperatur auf 25 Grad steigt, was durch die Klimaerwärmung zunehmend droht.

Wie beurteilt Kurt Braun denn das Renaturierungsprogramm des Kantons? «Ja, man geht die Probleme jetzt an», sagt der Fischereipräsident, «aber zu wenig entschlossen und zu langsam.» Er freut sich über jeden noch unverbauten Bach mit klarem, schnell fliessendem Wasser: «Da fühlen sich Forellen wohl, da finden sie auch noch Laichgründe. Wichtig ist aber, dass diese Gewässer gut untereinander vernetzt sind. Das gibt es leider immer seltener. Verlierer dieser Entwicklung sind vor allem die Forellen.»

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